Das Gold von Athen

Wenn der König Geldsorgen hatte, dann ist er früher gerne in die Zentralbank gegangen und hat die Goldvorräte geplündert. Dabei beschränkte er sich nicht nur auf sein eigenes dort gelagertes Gold, sondern besonders auch das, das privaten Banken gehört. Die hatten es dort als Sicherheit für Ausleihungen hinterlegt. Ohne das Gold ist das Bankensystem ruiniert, aber der König hatte was er wollte: Geld.

Viele heutige Regierungen habe es leichter, weil sie ihre Zentralbank einfach Geld drucken lassen. Nicht so aber die Regierungen der Euroländer. Sie haben keine eigene Währung mehr seit sie ihre Souveränität diesbezüglich der EZB übertragen haben. Allzuviel Eigenkapital, Gegenstück vom damaligen eigenem Gold, haben die nationalen Zentralbanken im Euroraum auch nicht. Es ist verschwindent klein verglichen mit der jeweiligen Staatsschuld. Das eigene „Gold“ kann den Euroregierungen nicht weiterhelfen.

Der einzig verbliebene Topf an dem sich eine Euroregierung bedienen könnte, wären die bei der Zentralbank hinterlegten Sicherheiten. Heutzutage ist das kein Gold mehr, sondern andere Vermögensgegenstände; vor allem besicherte Forderungen und Staatsanleihen. Das ist unpraktischer als Gold, aber trotzdem wertvoll und höchst verlockend.

Bundesbankpräsident Weidmann scheint nun ernsthaft zu befürchten, dass hoch verschuldete Euroregierungen sich an den Sicherheiten vergreifen könnten. Denn er hat einen warnenden Brief an EZB-Präsident Mario Draghi geschrieben. Darin nimmt Weidmann

ausdrücklich auf die wachsenden Target-Forderungen Bezug. Er schlägt eine Besicherung dieser Forderungen der EZB gegenüber den finanzschwachen Notenbanken des Eurosystems vor, die einen Wert von mehr als 800 Milliarden Euro erreicht hätten.

Was steckt dahinter? Immer wenn eine nationale Notenbank Geld an Banken im Euroraum verleiht, so fordert sie Sicherheiten ein. Über die Werthaltigkeit dieses Sicherheiten kann man unterschiedlicher Auffassung sein, aber für diesen Artikel stellen wir diese Frage mal zurück. Punkt ist, die Forderungen sind besichert.

Welche Sorge treibt Weidmann denn dann um? Es kann eigentlich nur die Sorge, sein dass die Sicherheiten bei der jeweiligen Zentralbank hinterlegt sind. Die Zentralbank hat nun ihrerseits Schulden gegenüber der EZB, die sogenannten „Target2-Forderungen“. Diese sind aber gänzlich unbesichert. Weidmann befürchtet nun, dass wenn z.B. Griechenland aus dem Euro austritt, die griechische Zentralbank die Sicherheiten einfach der griechischen Regierung übergibt statt sie zur Begleichung der Schulden gegenüber der EZB zu verwenden. Kurz, erfürchtet den Griff des Köngis nach dem Gold der griechischen Nationalbank.

Um dies Risiko abzuwenden, schlägt Weidmann vor die „Target2-Forderungen“ zu besichern. Das wäre kein Problem, denn die griechische Nationalbank könnte die Sicherheiten der Banken an die EZB weiterreichen. Oder, um in unserem Bild zu bleiben, wir könnten das Gold von Athen außer Landes schaffen.

7 Antworten zu Das Gold von Athen

  1. Den Zugriff auf das Gold hat man sich bereits gesichert, siehe z.B. http://www.zerohedge.com/news/greece%E2%80%99s-lenders-have-right-seize-national-gold-reserves

    Fraglich dürfte sein, wo das Gold physisch überhaupt gelagert ist. Das meiste liegt ja in London bzw. New York. Falls es mal richtig „ernst“ werden sollte, kommt man da ohnehin nicht mehr dran.

    • ketzerisch sagt:

      In dem Artikel steht nur, dass man es „prüft“. Ich glaube nicht, dass man sich Zugriff auf das Gold sichern konnte, wenn es denn in Athen lagert. Aber, wie Du schon schreibst, wenn es im Ausland ist, dann hat die dortige Regierung faktischen Zugriff.

      Mein Punkt in dem Artikel war aber weniger das Gold (das diente nur der Illustration), sondern die von den Banken als Sicherheiten hinterlegten Werte.

  2. […] Verlorene Generation: Das Gold von Athen […]

  3. ichsagnichtja sagt:

    Versuch doch Dein Wissen über Target2, Bundesbank, EZB u.ä. in Wikipedia einzubringen. Zahlreiche „Eurofanatiker“ versuchen dort, die Artikel sauberzuhalten. Neuerlicher Coup: Im Artikel Target2 wurde die Statistik – und damit der sichtbare dramatische Anstieg, herausgenommen. Wikipedia braucht Fachleute!

  4. Ulrich sagt:

    Ehrlich gesagt, bezweifle ich dass Europas GOld nicht schon irgendwie beliehen ist. Denke nicht dass dieses Gold zur freien Verfügung steht, vom Lagerort ganz abgesehen.

  5. TodiMac sagt:

    Toller Artikel! Wird sowieso nicht so weit kommen, dass da irgendwer ans Gold ran geht. Das würde dem eingestehen eines Versagens beim Krisenbewältigen gleich kommen. Die werden so lange Geld drucken, bis ein Umbruch kommt und irgendwie neu angefangen wird.

  6. Peter sagt:

    Interessanter und guter Vergleich. Nur glaube ich würde die Absicherung von Target2 die zentralen Probleme der Eurozone bzw. der EU nicht lösen. Zum Thema Griff nach dem Gold übrigens eine interessante Geschichte. In der Schweiz wurde eine Volksinitiative lanciert, die verlangt, das die Schweizerische Nationalbank alles Gold das sie im Ausland lagert zurückholt. Sehr gut möglich, dass diese Initiative vom Volk angenommen wird.

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