Open Brainstorm: Cash-flow Steuer

Mal gleich einen Disclaimer vorab: das ganze hier ist nicht zu ende gedacht. Kommentare, Vorschläge und Verrisse sind gleichermaßen willkommen.

Beim Lesen von der Meinung von Wirtschaftswurm zur Finanztransaktionssteuer ist mir eine Idee wieder eingefallen, über die ich schon mal sinniert habe: Könnte man nicht statt Steuer auf Mehrwert, Gewinne, Einkommen und aktuell Finanztransaktionen einfach eine Steuer auf elektronische Zahlungsströme, Neudeutsch „Cash flows“, erheben? Die Steuer muss prozentual sehr klein sein. Ich habe kein Zahlenmaterial um abzuschätzen wie hoch die Steuer sein müsste um die o.g. Steuerarten zu ersetzen. Aber die Steuer wäre nur sinnvoll wenn der Zinsatz unter 1% liegt. Mag sein, dass dies zu klein ist um genügend hohe Einnahmen zu erreichen. Dann wäre die Idee schon gestorben. So oder so würde ich das gerne mal durchdenken.

Vorteile:

  • Drastische Vereinfachung des Steuersystems
  • Die Steuer ist praktisch nicht zu umgehen außer durch die Verwendung von Bargeld oder Tauschhandel. Beides würden eher weniger Vermögende Menschen mit kleineren Beträgen machen. Anders als derzeit, wäre es also einfacher für Arme die Steuer zum umgehen als für große Vermögen.
  • Ein Transaktionssteuer für alle Börsen und OTC-Transaktionen ist mit inklusive. Und sie lässt sich im Gegensatz zu der Merkel’schen Finanztransaktionsteuer nicht so leicht umgehen, weil die Steuer schon fällig wird, wenn man sein Geld zwecks Umgehung ins Ausland überweist.
  • Es findet keine direkte Enteignung statt wie bei einer Vermögenssteuer. Erst bei der Umschichtung oder Verwendung des Vermögens wird die Steuer fällig.

Nachteile

  • Ähnlich wie bei einer Umsatzsteuer gäbe es einen Anreiz zu größeren Firmeneinheiten und Fusionen, um Zahlungsströme zu vermeiden. Daher muss der Steuersatz auch klein sein, um hier nicht zu stark verzerrend zu wirken.

Was meint ihr?

 

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9 Responses to Open Brainstorm: Cash-flow Steuer

  1. Der Begriff Cashflow in diesem Zusammenhang ist aber verwirrend. Cashflow meint betriebswirtschaftlich den Nettozufluss an liquiden Mitteln.
    Ein Nachteil deiner Transaktionssteuer ist, dass sie nur wenig progressiv ist. Und wie du selbst schon erkannt hast, darf der Steuersatz nur sehr gering sein.

    • ketzerisch sagt:

      Ich meine nicht den buchhalterischen Cashflow, sondern jeden elektronische Kontobewegung, also Abbuchung, Überweisung oder Einzahlung.

      Die Progression ist ein guter Punkt. Ob sie wirklich wenig progressiv ist, vermag ich aber nicht zu sagen. Ein paar Sachverhalte sorgen für etwas Progression.

      1) Arme können (und werden) die Steuer durch Bartransaktionen stärker vermeiden. Ganz geht es vermutlich nicht, z.B. bei Wohnungsmieten und Gehalt.

      2) Die Steuer lässt sich bei großen Vermögen quasi nicht umgehen. Im jetzigen Steuersystem mag es eine Progression in den Steuersätzen geben, bei wirklich großen Vermögen ist sie aber im Endeffekt deutlich kleiner ausgeprägt weil die Steuervermeidung zunimmt.

      3) Viele Unternehmen werden überhaupt erstmalig Steuern zahlen, weil die Gewinnbesteuerung in einem internationalen Konzern so leicht zu umgehen ist. Das trifft auch eher die Aktionäre und damit die Vermögenden.

  2. lepus sagt:

    Ein ähnliches System, eine einheitliche Steuer auf alle Zahlungsvorgänge unter Wegfall sämtlicher anderer Steuerarten ist die Automated Payment Transaction Tax, kurz APT Tax.
    Ein Interview mit deren Erfinder hier:

    http://www.brandeins.de/archiv/magazin/-afc796490a/artikel/weniger-bringt-mehr.html

    Leider wird sie nie eingeführt werden, weil sie die Politiker der Möglichkeit beraubt, mit Steuern (und besonders Steuervergünstigungen) ihre egoistischen Ziele zu verfolgen.

  3. rubycon sagt:

    Technisch bei jedem Tastendruck zu einer Transaktion.

    TTT

  4. hok sagt:

    Schon absurd, einem grundsätzlich kontraproduktiven (Geld)system, das einfach zu viele Probleme nicht löst, sondern Teil vom Problem ist, noch eine Gnadenfrist und Halbfunktionalität einhauchen zu wollen. Es bleibt doch bei dem unhaltbaren Zustand, das ein Tauschäquivalent für Werte und Leistungen keines ist, wenn es nicht konsequent von den Selbstvermehrungsfunktionen befreit ist. Auch die Verteilung gehört mit zum destruktiven Charakter, die ausgerechnet die Wert-Schöpfer (und bei Resurcen die Allgemeinheit) weitestgehend konsequent ausschließt.
    Statt immer darüber zu grübeln, wie man das Geld/System retten kann, sollte man beginnen zu Fragen, was wir (als Menschen) brauchen, welchen Problemen wir tatsächlich gegenüber stehen. Dieses Verhaftetsein am System ist das Problem selbst – da wird an Stellschrauben gedreht, die allesamt abgeschafft gehören.
    Das wäre übertragen das Tüfteln einer Handvoll Ärzte um den kranken Patienten, wie der Aderlass besser auszuführen sei, da er bisher keine Wirkung zeigte. Mann will ja nicht die ganze Medizin in Frage stellen…

    • lepus sagt:

      Zitat von @hok: „Dieses Verhaftetsein am System ist das Problem selbst – da wird an Stellschrauben gedreht, die allesamt abgeschafft gehören.“
      Richtig – wobei die Systemfehler problemlos in allen Teilen unseres Politsystems zu finden sind, nicht nur im Geldsystem. Es ergibt sich so die Frage, ob das System nicht generell abgeschafft gehört, wie es z.B. ein Hans-Hermann Hoppe fordert.
      (lesenswert: Hans-Hermann Hoppe: „Demokratie. Der Gott, der keiner ist“)

  5. cangrande sagt:

    Interessante Idee; hatte auch ich schon des öfteren erwogen. Bedingung wäre aus meiner Sicht freilich, dass sämtliche Zahlungen nur noch elektronisch abgewickelt werden können.
    Umgehungsmöglichkeiten – mit oder ohne soziale Umverteilungswirkung – finde ich nicht gut.

    Freilich hätten, auch bei elektronischer Zahlungsabwicklung, gerade die Reichen noch einen Weg zur Steuervermeidung: Realtausch (Barter). Also beispielsweise einen Gauguin gegen ein Grundstück. Vorkehrung dagegen:
    a) (Geld-)Strafen
    b) Rechtliche Anerkennung derartiger Transaktionen verweigern. (Wenn also der Gauguin übergeben wurde, aber der Grundstücksverkäufer die Überschreibung verweigert, würde der Käufer keinerlei Rechtsschutz erhalten.)

    Im Übrigen auch Dank an „lepsus“ für den Link!

  6. cangrande sagt:

    Wenn es wen interessiert (ich persönlich finde die Idee sehr spannend!) hier noch ein paar Linkfunde, ausgehend von der „lepsus“-Information:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Automated_Payment_Transaction_tax
    Anscheinend gibt es schon (mindestens) zwei Webseiten speziell zu dieser Geldumsatzsteuer:
    http://www.thetransactiontax.org/
    http://www.apttax.com/

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