Eurozone Summit Draft – Mein Kommentar

Der Entwurf eines Beschlusses (PDF) für die Lösung der Probleme der Eurozone wurde geleaked. Oder wahrscheinlicher: Wurde von interessierten Parteien durchgestochen, um die Stimmung zu beeinflussen und die Reaktionen zu testen. Wie dem auch sei, hier mein Eindruck:

1. We welcome the measures undertaken by the Greek government to stabilize public finances and reform the economy as well as the new package of measures recently adopted by the Greek Parliament. These are unprecedented, but necessaryefforts to bring the Greek economy back on a sustainable growth path.

Ein bisschen für die gute Stimmung.

2. We agree to support a new programme for Greece and to provide an additional amount of up to [xx] ¤. This programme will be designed, notably through lower interest rates and extended maturities, to decisively improve the debt sustainability and refinancing profile of Greece. We call on the IMF to contribute to the financing of the new Greek programme in line with current practices.

Es gibt noch mehr Geld für Griechenland. Aber diesmal länger und zu geringeren Zinsen. Wieviel mehr steht noch nicht fest. Update: In der finalen Version heißt es 109 Milliarden.

3. We have decided to lengthen the maturity of the EFSF loans to Greece to the maximum extent possible from the current 7.5 years to a minimum of 15 years. In this context, we will ensure adequate post programme monitoring. We will provide EFSF loans at lending rates equivalent to those of the Balance of Payment facility (currently approx. 3.5%) without going below the EFSF funding cost. This will be accompanied by a mechanism which ensures appropriate incentives to implement the programme, including through collateral arrangements where appropriate.

Entgegen Artikel 2 klingt Artikel 3 so als wollen sie die bereits existierenden EFSF-Kredit verlängern und im Zinssatz verringern. Dies soll mit einem Mechanismus begleitet werden, der angemessene Anreize setzt das Sparprogramm auch wirklich umzusetzen, z.B. in dem Griechenland Sicherheiten stellen muss. Wir sind also wieder bei der Pfändung von Kreta.

4. We call for a comprehensive strategy for growth and investment in Greece. Structural funds should be re-allocated for competitiveness and growth under a European „Marshall Plan“. Member States and the Commission will mobilize all resources necessary in order to provide exceptional technical assistance to help Greece implement its reforms.

Die EU-Strukturförderung soll jetzt mehr darauf achten die Wettbewerbsfähigkeit von Griechenland zu stärken. Da stellt sich die Frage, wonach die Strukturförderung denn bislang vergeben wurde. Gut finde ich ja, den „Marshall Plan“ diesmal vor dem Krieg zu starten. Ich wage aber darauf hinzuweisen, dass originale Marshall-Plan mit substantiellen Geldtransfers und Schuldenerlassen einher ging. Ob da die EU-Strukturfördermittel für Griechenland reichen?

5. Greece is in a uniquely grave situation in the Euro area. This is the reason why it requires an exceptional solution. The financial sector has indicated its willingness to support Greece on a voluntary basis through a menu of options (bond exchange, roll-over, and buyback) at lending conditions comparable to public support with credit enhancement.

Das Schlüsselwort in diesem Satz heißt „freiwillig“. Übersetzt heißt das „gerne solange es kein Geld kostet“. Was immer da kommt, die Banken werden keinen Wertverlust erleiden. Somit ist die auch keine Beteiligung, sondern nur ein Feigenblatt mit dem die Bevölkerungen der Geberländer genehm gestimmt werden sollen. Entsprechend gab es heute auch ein Kursfeuerwerk bei den Bankenaktien. Je mehr Griechenland-Schulden eine Bank hielt, desto stärker stiegen die Kurse. Ganz vorne dabei: Die Commerzbank.

6. All other Euro countries solemnly reaffirm their inflexible determination to honour fully their own individual sovereign signature and all their commitments to sustainable fiscal conditions and structural reforms. The Euro area Heads of Statesor Government fully support this determination as the credibility of all their sovereign signatures is a decisive element for ensuring financial stability in the Euro area as a whole.

Bla bla.

7. To improve the effectiveness of the EFSF and address contagion, we agree to increase the flexibility of the EFSF, allowing it to:

– intervene on the basis of a precautionary programme, with adequate conditionality;

– finance recapitalisation of financial institutions through loans to governments including in non programme countries;

– intervene in the secondary markets on the basis of an ECB analysis recognizing the existence of exceptional circumstances and a unanimous decision of the EFSF Member States.

Schwierig etwas reinzulesen. Mir scheint es so, also ob die Herren Politiker nicht wirklich eine Übereinkunft erzielen konnten. Bullet 1 sagt ja nur, dass der Fonds auch vorsorglich eingreifen darf. Adäquate Bedingungen vorausgesetzt. Also da Wahrscheinlichkeit, dass die Politik eine Krise vor dem Eintreffen erkennt, gleich Null ist, ist der Artikel sinnlos.

Punkt 2) ist auch ein Nicht-Punkt. Der EFSF darf auch Banken retten in dem er Regierungen Geld leiht und diese es an die Banken weiterreicht. Naja, Regierungen Geld leihen durfte er auch bisher schon und das diese das Geld nicht an Banken weiterreichen durfte wäre mir neu.

Punkt 3) setzt die einvernehmliche Entscheidung aller Mitliedländer vorraus. Das kann man getrost als das Gegenteil des einleitenden Satzes „increase the flexibility“ bezeichnen. Wenn alle Mitglieder dem zustimmen, kann man auch schon jetzt alles machen. Also, was soll der Punkt uns sagen? Mir sagt das nur, dass man sich auf nichts einigen konnte.

8. We welcome the progress made on the implementation of the programmes in Ireland andPortugal and reiterate our strong commitment to the success of these programmes. The EFSF lending conditions we agreed upon for Greece will be applied also for Portugal and Ireland. In this context, we note Ireland’s willingness to participate constructively in the discussions on the Consolidated Common Tax Base draft directive (CCTB) and in the structured discussions on tax policy issues in the framework of the Euro+ pact framework.

Auch Irland und Portugal bekommen die niedrigen Zinsen. Im Fall Irlands auch ohne, dass es offiziell ein Junktim zu der irischen Steuerpolitik gibt. Zwischen den Zeilen liest sich das aber klar heraus. Reicht das Irland zum einlenken zu bewegen?

9. All euro area Member States will adhere strictly to the agreed fiscal targets, improve competitiveness and address macro-economic imbalances. Deficits in all countries except those under a programme will be brought below 3% by 2013 at the latest. In this context, we welcome the budgetary package recently presented by the Italian government which will enable it to bring the deficit below 3% in 2012 and to achieve balance budget in 2014. We also welcome the ambitious reforms undertaken by Spain in the fiscal, financial and structural area. As a follow up to the results of bank stress tests, Member States will provide backstops to banks as appropriate.

Kurz: Wir meinen es alle ganz ernst. Diesmal wirklich.

10. We will implement the recommendations adopted in June for reforms that will enhance our growth. We invite the Commission to enhance the synergies between loan programmes and EU funds in all countries under EU/IMF assistance. We support all efforts to improve their capacity to absorb EU funds in order to stimulate growth and employment.

„improve capacity to absorb EU funds“ finde ich gut. Wie wärs wenn man nicht immer Einzelprojekte wie Autobahnen finanziert, sondern Investitionsförderung in der Art der deutschen Einspeisevergütung. So kann man beliebig viel Geld in ein Land leiten und es wird sogar gewinnbringend angelegt.

Es folgen noch vier inhaltsleere Artikel unter der Überschrift „Economic governance“.

Mein erstes Fazit, immerhin ist es nur ein Entwurf, fällt nicht positiv aus. Viel Feigenblatt und keine Gläubigerbeteiligung; einfach nur mehr Geld für die Krisenstaaten. Wie sagt man so schön auf Englisch: „Die Cola-Dose wird ein Stück weiter die Straße hinunter getreten.“ Spätestens 2014 liegt sie plötzlich wieder vor unseren Füßen.

4 Antworten zu Eurozone Summit Draft – Mein Kommentar

  1. egghat sagt:

    Zum Punkt „Economic Governance“ sage ich nur „Lissabon“. Die EU muss zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt werden. Das ist auf halber Strecke (und bereits vor der PIGS-Krise) soooo grandios gescheitert, dass die Politiker davon heute nicht mehr sprechen mögen.

    Ansonsten teile ich deine Einschätzung, dass „freiwillig“ „kostet nix“ bedeutet und trotz neuer hoher Zahlen, die im Papier stehen, netto davon nichts übrig bleiben wird (wie beim erstem Mal). Ich verstehe das zwar noch nicht, aber alles andere kann ich mir nicht vorstellen …

  2. […] Blogbeiträge zum Euro- Schuldengipfel liefert heute Morgen Wirtschaftsphilosoph: Befriedigung durch Entscheidung, Pixelökonom: Wenn Europa Griechenland nicht helfen würde, und Verlorene Generation mit einem Kommentar zum Eurozone Summit Draft. […]

  3. […] Verlorene Generation: Eurozone Summit Draft – Mein Kommentar […]

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