10 Gründe warum Rating-Agenturen Staaten in die Pleite stürzen

Die Debatte über die Rating-Agenturen rollt wieder über das Land. Überbringer schlechter Nachrichten waren noch nie beliebt. Wenn die Nachricht dann auch noch eine Lüge aufdeckt, so attackiert der Lügner gerne die Person, um von der Sache abzulenken.

Es ist schlicht nicht wahr, dass die Milliarden der Euroländer Griechenland retten. Die Milliarden gehen an die Gläubiger Griechenlands. Weder die griechische Regierung noch das griechische Volk sieht davon auch nur einen Cent. Das können die EU-Regierungen ihrem Wahlvolk aber nicht sagen, also behaupten sie, sie würden Griechenland retten. Wenn die Rating-Agenturen nun behaupten, Griechenland stehe kurz vor der Pleite, so decken sie die Lügen der EU-Regierungen auf. Das kommt den Politikern ungelegen und so versuchen sie die Nachricht „Griechenland ist Pleite“ dadurch unglaubwürdig zu machen in dem sie Rating-Agentur angreifen.

Die volle Brandbreite an FUD, mit der die Agenturen beworfen wird, hat die Bild-Online in seinem Artikel vorgebracht*). Danke dafür, dass erspart mir die Suche nach anderen Quellen und damit sollte auch klar sein, dass diese „Argumente“ aus der Politik entstammen.

  1. Die Ramsch-Einschätzung für die Iren kam aus dem Nichts.„. Übersetzt heißt das: Die Einschätzung hat keinen Bezug zu Realität und ist falsch.
  2. Zunehmend erhärtet sich der Eindruck die privaten US-Unternehmen würden mehr aus Willkür anstatt auf Basis harter Fakten urteilen.„. Hier wird der angeblich fehlende Realitätsbezug noch einmal aufgegriffen und en passant noch hervorgehoben die Agenturen seien „private US-Unternehmen“. Das passt doch gut, wenn die Politik sich eine ihnen wohlgesonnene öffentlich-rechtliche und vor allem europäische Agentur dagegen stellen will.
  3. Man stelle sich vor, es gäbe einen Richter, dessen Urteile nie in Zweifel gezogen werden – auch wenn er keine Begründung dafür liefert.„. Das ist falsch in allen Teilsätzen. Exzellenter FUD. Erstens sind die Agenturen keine Richter, denn sie werden von den bewerteten Unternehmen und Staaten selber beauftragt. Zweitens ist es täglich Brot für die Agenturen, dass ihre Urteile zurückgewiesen werden. Und drittens liefern die Rating-Agenturen zu jedem Rating einen mehrseitigen detaillierten Bericht wie sie zu der Einschätzung kamen.
  4. Trotz des Einflusses ihrer zum Teil sich selbst erfüllenden Prophezeiungen liegen die Urteile der Ratingagenturen öft völlig falsch.„. Elegant gemacht. Die Agenturen haben „Einfluss“ und ihre Prophezeiungen sind „selbst erfüllend“. Die Agenturen sind also keine Botschafter, sondern Täter. Sie haben Griechenland durch ihre falschen Prognosen, die aufgrund des Einflusses selbst erfüllend sind, in das Chaos gestürzt.
  5. Die weltweit einflussreichsten Agenturen sind Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch – alles Privatunternehmen, die für ihre Unternehmens-Einschätzungen viel Geld verlangen.„. Seht ihr? Das sind schlechte Menschen, weil sie (a) Privatunternehmen sind und (b) geldgierig. Das sind gewissenlose Geldhaie, denen das von ihnen angerichtete Chaos egal ist. Das angebliche „viel Geld“ ist übrigens 120 Mio. Euro. Für jemand, der angeblich die Welt in seiner Faust hält wäre das ziemlich wenig.
  6. Wir müssen das Oligopol der Ratingagenturen brechen„. Oligopol klingt wie Oligarch. Das ist etwas ganz Schlimmes. Tatsächlich ist nicht klar, ob mehr Wettbewerb die Lage verbessert. Zwar hat das einzelne Rating weniger Gewicht, aber auch ein Rating-Monopol hätte aus Anreizgesichtspunkten Vorteile.
  7. Dann fällen sie ihr (oft vernichtendes) Urteil„. Anders ausgedrückt: Die Rating-Agenturen vergeben oft schlechte Noten. Das relativiert den Ramsch-Status Irlands.
  8. Der Vorgang ist simpel: Bilanzen und Etats werden geprüft, Analysten-Einschätzungen zu Rate gezogen, Manager und Minister befragt.„. Nicht nur scheffeln die Rating-Agenturen viel Geld, sie arbeiten auch nicht dafür. Denn was sie tun ist „simpel“. Aber weil die Agenturen so inkompetent sind, schaffen sie nicht einmal diese simple Aufgabe richtig.
  9. Je schlechter die sogenannte Bonität beurteilt wird, desto höhere Zinsen verlangen die Banken. DENN: Den Märkten sind die Rating-Urteile Gesetz.„. Wieder wird die Rating-Agentur vom Beobachter und Nachrichtenübermittler zum Herrscher des Geschehens hochgeschrieben. Würden die Rating-Agenturen nur bessere Ratings vergeben müssten Länder auch weniger Zinsen zahlen. Tatsächlich steigen die Risikoaufschläge deutlich vor den Herabstufungen.
  10. Dass die drei großen Rating-Unternehmen ihre Macht gerne ausspielen ist spätestens seit der Drohung, die US-Staatspapiere herabzustufen, bekannt.„. Fiese Gesellen, diese Rating-Agenturen. Sie „spielen ihre Macht gerne aus“. Die machen so eine Rating-Abstufung vor dem Frühstück einfach mal so aus Spaß.

Wer angesichts so schlagender Argumente noch den Vorschlägen der EU widersprechen eine europäische Rating-Agentur zu gründen und Ratings von Pleitestaaten zu verbieten?

*) Der Bild-Artikel bleibt aus hygienischen Gründen unverlinkt. Er findet sich unter http://www.bild.de/geld/wirtschaft/euro-krise/das-miese-geschaeft-der-rating-agenturen-18836920.bild.html
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4 Responses to 10 Gründe warum Rating-Agenturen Staaten in die Pleite stürzen

  1. […] Verlorene Generation: 10 Gründe warum Rating-Agenturen Staaten in die Pleite stürzen […]

  2. taurus sagt:

    Ich find’s ja auch total unfair dass immer verschwiegen wird, dass es doch schon ne europäische Ratingagentur gibt!

  3. Cangrande sagt:

    „Weder die griechische Regierung noch das griechische Volk sieht davon auch nur einen Cent.“

    Das sollte man besser nicht sagen, weil

    1) es nicht wahr ist. Griechenland hat nach wie vor ein Primärdefizit. Somit finanzieren wir mit unseren „Krediten“ eben nicht nur die Schuldentilgung, sondern unsere Zahlungen erlauben es den Griechen, nach wie vor mehr zu konsumieren als sie produzieren (Differenz wird durch das Staatsdefizit abgedeckt, d. h. der Staat verschuldet sich insoweit für seine Bürger – die das Geld gerne nehmen, die Verantwortung für die Schulden aber ablehnen).

    2) es gegen unser ureigenstes Interesse verstößt, diesen Sachverhalt falsch darzustellen. Entgegen der nicht nur in Griechenland weit verbreiteten Meinung ergibt sich der Sparzwang ökonomisch betrachtet nämlich NICHT aus den Auflagen von EU und IWF – sondern daraus, dass diese als Neugläubiger die Fettlebe nicht mehr im bisherigen Umfang finanzieren wollen (aber zum guten Teil – trotz Auflagen! – bezahlen wir sie eben noch immer!).

    • ketzerisch sagt:

      zu 1) Das ist richtig, aber das ist ein sehr kleiner Vertrag verglichen mit den Milliarden, die an die Gläubiger gehen.

      zu 2) Das sehe ich genauso. Wie ich schon hier vor einem Jahr schrieb, hat sich die EU ziemlich unnötig in die Lage gebracht Sparvorgaben zu machen.

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