Bailouts in Euroland: Moral Hazard durch die Hintertür

Olaf Storbeck weißt im Handelsblog auf ein Paper von Jens Boysen-Hogrefe hin. Tenor ist, dass die Rolle von Moral-Hazard in den Staatsfinanzen überschätzt wird, weil auch Staaten mit Haushaltsüberschüssen (Spanien, Irland) schließlich jetzt Probleme haben. Politiker habe also die finanziellen Spielräume aus dem implziten Bailout-Versprechen nicht voll ausgenutzt. Das ist was dran, aber ich denke es ist nicht ganz zu ende gedacht.

Zum einen stimme ich zu: Politiker spekulieren nicht direkt wissentlich auf den Bailout. So weit denken die gar nicht in die Zukunft, weil das Ereignis „Bailout (j/n)“ wahrscheinlich hinter der nächsten oder gar übernächsten Wahl liegt. Wer rechnete schon mit einer Finanzkrise.

Wer aber auf den Bailout spekuliert sind die „Finanzmärkte (TM)“. Griechenland und Co habe günstige Zinsen genossen, weil die Finanzmärkte ähnlich wie bei den Banken den Bailout einpreisen. Diese niedrigen Zinsen ermöglichen bei den Staatsfinanzen höhere Schulden. Natürlich hat nicht jede Regierung von der Möglichkeit gebraucht gemacht, wie zum Beispiel Spanien und Irland. Diese niedrigen Zinsen ermöglichen aber auch bei den Privathaushalten und Firmen höhere Verschuldungsgrade und hier ist die Gefahr des Moral-Hazards deutlich höher. Es führte zu Immobilienblasen in einigen Ländern, wieder Spanien und Irland. Das dies zumindestens in Spanien nicht nur Fehlspekulation war, sondern Moral Hazard hat Egghat hier schön recherchiert.

Das hat nach Platzen der Blase die finanzierenden Banken in den Bankrott getrieben und im zweiten Schritt dann die Staatsfinanzen belastet. Der Moral-Hazard hat die Staatsfinanzen belastet, nur waren die Politker nicht die begünstigten, sondern Privatpersonen. Die Banken wussten, dass sie im Zweifel gerettet werden, denn kein Politiker wird seine Wiederwahl wegen ein Bankpleite gefährden. Das ist keine Behauptung, sondern Wissen. Wie ich schon mal erläutert habe, ist die Größe der Bank in gängigen bankinternen Ratingverfahren der mit Abstand wichtigste Faktor. Der Grund ist, dass große Banken eher Staatshilfen erhalten und nicht etwa, weil sie besser mit Geld umgingen.

Das ist also doch Moral-Hazard. Nur besser versteckt. Die Banken vergeben zu viele Kredite, weil die implizite Staatgarantie dafür sorgt, das Risiko nichts kostet (Moral Hazard Nummer 1). Und der Staat wird immer implizite zur expliziten Garantie machen, weil für die Politiker die Nachteile einer Bankenpleite größer sind als die Nachteile eine Rettung (Moral Hazard Nummer 2).

Das ganze lässt sich nur lösen, wenn die Banken deutlich höhere Eigenkapitalquote haben. Es würde auch helfen, wenn die Entscheidung der Regierung nicht mehr zwischen Bank-Default oder Rettung ist, sondern nur noch zwischen Default einzelnen Anleihen (statt der ganzen Bank) oder Rettung. Dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie mal nicht retten. Leider geht die Regulierung angeblich gerade genau in die andere Richtung.

6 Antworten zu Bailouts in Euroland: Moral Hazard durch die Hintertür

  1. Kai Meinke sagt:

    Auch ich stimme zu: Politiker spekulieren nicht direkt wissentlich auf den Bailout, aber in Kauf genommen wird vieles, da Wahlperioden dominieren. Zur vorgeschlagenen Erhöhung der Eigenkapitalquoten gibt es sehr gute Vorschläge, gerade aus dem Global Economic Symposium (GES) des IfW Kiel. Ein Beispiel: Würde die drohende Pleite einer Bank durch neue Anteile aufgefangen werden (debt-for-equity swap), was wiederum die Anteile der Anteilseigner (Shareholder-Value) verwässert, so würde es zur festen Strategie unnötige Risiken zu vermeiden. Ein wichtiger Schritt zur Begrenzung gegenwärtiger Moral Hazards. (vgl. Global Economic Solutions 2009/2010, S. 23, URL: http://www.global-economic-symposium.org/ges-2008-10/ges-2010/downloads).

  2. Kai Meinke sagt:

    In diesem Fall kann die Liste der Ökonomen noch einmal deutliche erweitert werden. :) Auch Robert Shiller, Dennis J. Snower, Mehmet Simsek und Axel Weber unterstützen die Swaps, da die Global Economic Solutions das Ergebnis einer Konsensentscheidung sind, welche von allen vertretenen GES Panelteilnehmern getragen wird (siehe Seite 29 der vorherigen Quelle). Beste Grüße.

  3. Mit harten Fakten belegen kann ich es nicht, aber mein Bauchgefühl sagt mir: Die Peripherie-Staaten haben vor der Krise snicht deswegen so günstig Kredite bekommen, weil die Banken auf den Bailout spekuliert haben, sondern weil die Risiken an den Finanzmärkten krass unterschätzt wurden. Wäre klasse, wenn es zu dieser Frage mal ein seriöses empirisches Papier geben würde…

    • ketzerisch sagt:

      Mein Gefühl sagt mir, dass es mehr als einen Grund gab. Fehlbepreisung der Risiken war sicher auch einer davon. Das alle EU-Staaten vor der Krise den gleichen Zins hatten, hätte bei nüchterner Betrachtung auch ohne Finanzkrise als fragwürdig erscheinen sollen.

  4. […] Verlorene Generation: Bailouts in Euroland: Moral Hazard durch die Hintertür […]

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