Feinheiten der Bankenbilanzierung: Schminke für die Passivseite

Egghat hat einen lesenswerten Artikel zu den Auswirkungen einer Restrukturierung der griechischen Schulden. Ich teile seine Meinung, aber er unterschlägt meinen Lieblingstwist bei den pervertierten Bilanzierungsregeln der Nach-Finanzkrisen-Zeit. Diese Bilanzverschönerung kommt bei Griechenland so nicht direkt zum tragen, aber kann trotzdem nicht oft genug erwähnt werden, weil es die Schönheit der Absurdität aufweist.

Egghat hat richtig die Aktivseite der Bilanz beschrieben. Banken können hier mehr oder weniger frei wählen, ob sie Anleihen zum Anschaffungswert (100) bilanzieren oder zum aktuellen Marktwert. Der bonusorientierte Bankvorstand wird für jede Anleihe immer den höheren der beiden Werte wählen. Der Bilanzwert hat dann mit Transparenz und dem echten Wert der Bankaktiva nichts mehr zu tun.

Wem das nicht pervers genug ist, der kann das gleiche Spiel auch noch auf der Passivseite der Bilanz spielen. Selbstemittierte Anleihen können nämlich auf Wunsch auch mit dem aktuellen Marktwert bilanziert werden statt mit dem Nomialwert. Wenig überraschend wird der bonusorientierte Bankvorstand hier immer den niedrigeren der beiden Werte auswählen. Konkret heißt das, dass wenn ich Dir 100 Mio schulde, ich aber fast insolvent bin und die am Markt nur noch 50 Mio wert sind, schreibe ich in meine Bilanz, dass ich Dir nur 50 Mio. schulde. Sieht ja besser aus als 100 und ich kann einen um 50 Mio. höheren Gewinn ausweisen. Das ist wichtig, denn danach richtet sich meine Vergütung. Du willst trotzdem 100 Mio von mir wieder haben? Kleingeist.

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5 Responses to Feinheiten der Bankenbilanzierung: Schminke für die Passivseite

  1. egghat sagt:

    In der Tat! Gute Ergänzung.

    Mir steht heute noch der Mund offen, wenn ich daran denke, wie sich die US-Großbanken mitten in der Krise Scheingewinne errechnet haben, weil die ihre eigenen Schulden so bilanziert haben, als wenn die davon nur 90 oder 80% zurückzahlen müssten …

    Weisst du, ob die griechischen Banken diesen Trick auch ziehen?

  2. […] Verlorene Generation: Feinheiten der Bankenbilanzierung: Schminke für die Passivseite […]

  3. nigecus sagt:

    In der Tat sollte man A oder B machen. Das perverse in GFC war ja daß der IASB einbrach und es erlaubte von Marktwert auf Parwert zu gehen. Eigentlich ein Unding für ein Fair Value Jünger, aber erst Recht ein Unding, weil man eigentlich nur 1x ein Bilanzierungswahlrecht hat. Und so waren aufeinmal alle Aktiva zu Par und die Passiva zum Marktwert. Also A UND B, wie es einer Bank in den Krams passt.

    Ich würde mich nicht aus dem Fenster hängen und sagen A sei immer besser B oder umgekehrt. Nur sollte man nicht beides machen. Meintwegen kann eine Bank alles zu Par im Rechnungswesen bilanzieren. Aber bei einem Stresstest ist Par vollkommen idiotisch. Ist halt Stress wie Distressed, also reden wir über (hypothetische) Liquidationswerte, wo es vollkommen egal ist was Par ist – Da zählt nur was du bekommst. Aber dann stimmt ja alles wieder. TBTF! Es gibt ja den Steuerzahler der alles zu Par wegkauft…

  4. ketzerisch sagt:

    Ich bin eher für Fair Value und halte PAR-Bewertung für eine Symptombekämpfung statt einer Problemlösung. Aber PAR-Bewertung würde auch gehen, nur – wie Du schreibst – beides geht gar nicht und die Wechselmöglichkeit ist auch gefährlich.

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