Gefahren für die Eurozone

Im Januar 2009, lange bevor von den Medien das Ende des Euros herbei beschworen wurde, habe ich die Gefahren für die Eurozone beleuchtet. Zeit für ein Review und Update.

Die Zunahme der Verschuldung bei einzelnen Ländern sowie die Unsicherheit über die Einnahmen und den Zustand der Wirtschaft führt zu den unterschiedlichen Risikoeinschätzungen.

Für Länder in der Eurozone gilt dies im besonderen Maße. Die Euroländer haben ihre Währungshoheit an die EZB abgetreten. Im Gegensatz zu anderen Ländern können sie sich daher nicht einfach über eine höhere Inflationsrate und einer Währungsabwertung entschulden.

Diese einfach Erkenntnis müssen nun viele Euroländer machen. Da die Währungsabwertung nicht möglich ist, haben viele Länder inzwischen den Weg der „internen Abwertung“ eingeschritten und Gehälter und Sozialleistungen gekürzt.

Euroländer haben daher eigentlich nur eine Möglichkeit ihre Zahlungsfähigkeit zu bewahren: Sie müssen mehr Geld einnehmen als ausgeben. Brechen die Steuereinnahmen im Zuge der Krise stark weg, so kann so mancher Eurostaat gezwungen sein, mitten in der Krise zu sparen. Besonders wenn er schon auf einem hohen Verschuldungsniveau steht oder sich durch Konjunkturpakete und kostspieligen Bankrettungen auf ein solches begibt.

Griechenland und Portugal sind inzwischen als Typ 1 erkannt und Irland als Typ 2. Griechenland und Irland galten schon damals als gefährdet. Die Slowakei hatte ich damals noch auf der Liste, aber sie hat sich inzwischen gefangen. Spanien ist damals wie heute gefährdet aber noch nicht kritisch.

Haben die Länder nicht genug politischen Willen für Sparanstrengungen und die damit zwangsläufig verbundenen Strukturreformen, so gibt es mit dem Austritt aus der Eurozone noch den Heldennotausgang. Die Verlockung: Mit einem Austritt könnte man wieder eine eigene Währung haben und sich dann über eine Abwertung entschulden. Praktisch ist das nicht so einfach und hochgradig gefährlich. Erstens liegen viele Schulden in Euro vor. Devisenschulden wird der Staat über eine Abwertung aber nicht los. Hier müsste ein Staatsbankrott erklärt werden.

Diese Meinung habe ich noch immer. Ein Austritt aus dem Euro wäre für die meisten Kandidaten zwangsläufig mit einem Staatsbankrott verbunden. Nur wenn die sowieso einen Staatsbankrott bekommen, wieso sollten sie dann überhaupt austreten? Viel geschickter ist es, den Euro zu behalten und die Staatspleite direkt zu erklären. Entgegen weit verbreiteter Märchen ist dies auch nicht gleichbedeutend mit einer sozialen Katastrophe. Wenn der Staat einen primären Haushaltsüberschuss hat, also ohne Berücksichtigung der Zinsen mehr Steuereinnahmen als -ausgaben, dann müssen die Sozialleistungen sogar gar nicht gekürzt werden. Schade entsteht erst einmal nur bei den Gläubigern des Staates und das sind reiche Inländer und Ausländer.

Der Staat müssten dann reformiert werden und irgendwann seinen Schuldendienst wieder aufnehmen.

Zudem wäre ein Land mit eigener Währung der globalen Finanzkrise noch viel stärker ausgesetzt. Exporteure würde zwar von niedrigeren Wechselkursen profitieren, aber wäre auch dem Risiko von hohen Wechselkursschwankungen ausgesetzt. Die Zinsen in der Währung würden steigen und eine große Belastung für die Wirtschaft des Landes darstellen. Alles keine erstrebenswerten Zustände. Daher halte ich einen freiwilligen Austritt derzeit noch für unwahrscheinlich.

Das sehe ich immer noch so. Allerdings gibt es Tendenzen, dass die starken Ländern den Euro verlassen. Diese könnten dies natürlich weitgehend ohne Probleme tun.

Es gibt aber auch andere Stimmen. Die EU-Kommission hat Sorgen, dass die stark steigende Verschuldung den Stabilitätspakt schaden könnte. Haben die Euroländer erst einmal das Gefühl, dass der Pakt im Zweifel nicht so streng ausgelegt wird, so könnte aus dem aktuellem Schuldenproblem ein strukturelles werden. Viele typische Schuldenländer drängen schon auf eine laxe Handhabung des Paktes. Setzt sich eine neue Schuldenpolitik langfristig durch, so sind der EU-Kommission die Hände gebunden. Echte Sanktionsmöglichkeiten sind schwer durchzusetzen. Die EZB müsste die Schuldenpolitik mit höheren Zinsen bekämpfen. Ein Vorgehen, welches Druck auf deren Unabhängigkeit auslösen könnte.

Hier war ich sträflich optimistisch. Die EU-Kommission hat nicht einmal versucht den Stabilitätspakt zu verteidigen und strebt scheinbar strukturelle Transfermechanismen unter dem „Rettungsschirm“ an. Die südländische Schuldenkultur hat sich damit klar durchgesetzt in der EU. Allen Brusttrommeln von Frau Merkel zum trotz. Besonders falsch habe ich die Rolle der EZB eingeschätzt. Nicht nur hat sie nicht die Zinsen erhöht, als das Pendel Richtung Staatsverschuldung schlug, sie hat sogar mit dem Aufkauf von Staatsanleihen Schulden direkt monetarisiert und sich damit in eine riskante Position gebracht. Es besteht die Gefahr, dass sie Verluste aus dem eingegangenen Kreditrisiko erleidet, die dann ihren Handlungsspielraum bei der Inflationsbekämpfung einschränken.

Bei der Wettbörse InTrade kann man bereits Wetten auf ein Austreten eines Eurostaates bis Ende 2010 abschließen. Die aktuelle eingpreiste Wahrscheinlichkeit ist 30%. Wer das für unrealistisch hält ist eingeladen dagegen zu wetten.

Wie wir inzwischen wissen, ist bei Ende 2010 kein Staat aus dem Euro ausgetreten. Aber InTrade hat inzwischen neue Wetten aufgelegt. Danach ist die Wahrscheinlichkeit, dass bis Ende 2014 ein Land den Euro verlässt bei 47%. Die Gefahr ist also nicht vom Tisch. Ein Fehler wäre es meiner Meinung nach aber immer noch.

Entwicklung der Wahrscheinlichkeit das ein Euroland den Euro bis Ende 2010 aufgibt.

Intrade: Entwicklung der Wahrscheinlichkeit das ein Euroland den Euro bis Ende 2010 aufgibt.

Entwicklung der Wahrscheinlichkeit das ein Euroland den Euro bis Ende 2011 aufgibt.

Intrade: Entwicklung der Wahrscheinlichkeit das ein Euroland den Euro bis Ende 2011 aufgibt.

Entwicklung der Wahrscheinlichkeit das ein Euroland den Euro bis Ende 2012 aufgibt.

Intrade: Entwicklung der Wahrscheinlichkeit das ein Euroland den Euro bis Ende 2012 aufgibt.

Entwicklung der Wahrscheinlichkeit das ein Euroland den Euro bis Ende 2013 aufgibt.

Intrade: Entwicklung der Wahrscheinlichkeit das ein Euroland den Euro bis Ende 2013 aufgibt.

Entwicklung der Wahrscheinlichkeit das ein Euroland den Euro bis Ende 2014 aufgibt.

Intrade: Entwicklung der Wahrscheinlichkeit das ein Euroland den Euro bis Ende 2014 aufgibt.

Eine Antwort zu Gefahren für die Eurozone

  1. […] Verlorene Generation: Gefahren für die Eurozone […]

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