Zinserhöhung in China: Ein Schritt Richtung Gleichgewicht?

Es war eine große Überraschung für die Finanzmärkte letzte Woche. Die chinesische Zentralbank hat die Zinsen um 0,25% erhöht. Laut Spiegel-Online jubeln die Experten. Zu Recht. Das ist ein Schritt richtig Gleichgewicht. Wenn auch ein sehr kleiner.

Zunächst zu den Gründen der Zinserhöhung: Trotz Kapitalkontrollen und Erhöhungen der Mindesteigenkapitalquoten bei den chinesischen Banken ist die Inflation im Land kaum noch im Zaum zu halten. Inflation ist gefährlich für die chinesischen Machthaber, denn stark steigende Lebensmittelpreise können leicht zu sozialen Unruhen führen und ihre Machtbasis gefährden. Eine Zinserhöhung wirkt der Inflation entgegen.

Zinsen und Wechselkurse kann man nicht getrennt betrachten. Sie sind über die sogenannte gedeckte Zinsparität, einer Arbitrage-Beziehung, verknüpft. Die Parität besagt im Grunde: der Terminwechselkurs entspricht der Zinsdifferenz. Beispiel: Wenn in China die 4jährigen Zinsen bei 5% liegen und in den USA bei 1%, dann impliziert der Terminkurs für den Wechselkurs einen Fall des Yuan um 5%-1%=4%.

Im Fall von China gilt die Partität nun nicht, weil es effektive Kapitalkontrollen gibt. Investoren können nicht einfach das Arbitrage-Geschäft durchführen, weil die benötigten Swaps nicht erlaubt sind. Diese Kapitalkontrollen ermöglichen es China Zinsen und Wechselkurse unabhängig zu steuern ohne von den Kapitalmärkten direkt arbitriert zu werden. Gäbe es die Kontrollen nicht, so müsste China entweder den Wechselkursanpassen (und seine Exporteure pleite gehen lassen) oder die amerikanischen Zinsen haben (die mit einer hohen Inflation einher kämen).

Wegen der Kapitalkontrollen kann der Wechselkurs daher ziemlich weit vom Zins-Währungs-Gleichgewicht entfernt sein. Einen Anhaltspunkt bildet nur noch die ungedeckte Zinsparität, die statt der Terminkurse die erwarteten Wechselkursänderungen aus der Zinsdifferenz ableitet und nur eine schwache Indikation bietet. Mein Gefühl sagt mir: obwohl die Zinsen in China höher sind als in den USA, ist trotzdem von einer Aufwertung des Yuan auszugehen, weil der Wechselkurs selbst in Anbetracht der Zinsdifferenz immer noch zu niedrig ist und aufwerten müsste.

Die Zinserhöhung macht Anlagen in Yuan nun attraktiver. Der Yuan würde bei flexiblen Wechselkursen aufwerten, um dann nach wegen der Paritäten einen geringeren Drift aufzuweisen. Der geringere Drift ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wegen des fixen Wechselkurses hat aber die Yuan-Erhöhung nicht ausreichend stattgefunden. Insofern halte ich es für einen eher kleinen Schritt, der – wenn es nicht zur Wechselkursfreigabe kommt – auch kontraproduktiv werden könnte, weil noch mehr Kapital nach China fließt.

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2 Antworten zu Zinserhöhung in China: Ein Schritt Richtung Gleichgewicht?

  1. […] Verlorene Generation: Zinserhöhung in China: Ein Schritt Richtung Gleichgewicht? […]

  2. […] Geldmenge durch die Zentralbanken in die Wege geleitet. In China stehen die Zeichen ja schon auf steigende Zinsen. Es kann also recht bald passieren. Spätestens aber, wenn der Preis von Rattenfleisch wieder so […]

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