Der Barkeeper und der Alkoholiker

Assorted international currency notes.

Image via Wikipedia


In letzter Zeit habe ich viel um die Ohren und komme daher weniger zum Bloggen als mir lieb ist. Zur Zeit reise ich gerade zur FMA-Konferenz in New York. Das gibt mir die Zeit über den Währungskrieg, meiner Meinung nach nichts als ein versteckter Handelsweltkrieg zu schreiben.

In meiner simplifizierten Weltsicht sind China und andere exportorientierte Volkswirtschaften mit wachsenden Währungsreserven Kaufleute, die anschreiben lassen. Das ist generell so, aber natürlich besonders deutlich in der Beziehung zwischen USA und China. Der Betrag, den die USA bei China anschreiben lassen, liegt bei mehreren Milliarden Dollar pro Woche. Insgesamt steht die USA bei China fast 2 Billionen Dollar in der Kreide.

Inzwischen haben sich die USA an den Geldfluss aus China gewöhnt. Ohne die ständigen Kredite könnten sich die Amerikaner ihren Lebensstil nicht mehr leisten. Der Wettbewerbsdruck aus China hat viele Arbeitsplätze in der US-Industrie vernichtet. Dank der Möglichkeit anzuschreiben war das nicht weiter schlimm. Der Konsum ging auch ohne ausreichend dafür zu arbeiten ungestört weiter. Der Alkoholiker hat einen freundlichen Barmann gefunden.

In der Finanzkrise wurde offenbar, dass die USA ein Problem haben. Sie waren angesichts implodierender Vermögenswerte nicht mehr in der Lage die Schulden durch Vermögen zu decken. Wichtig: ich meine nicht nur die Staatsschulden, sondern alle Schulden, der Großteil zwischen Inländern. Der Alkoholiker hat ein paar Drinks an Freunde weitergereicht. Die haben natürlich auch nur angeschrieben.

Die amerikanische Regierung und die Fed wurden zurecht nervös, weil sich das Land auf einem ungesunden Pfad befand. Nun haben sie drei Optionen die Schulden zu reduzieren: Zurückzahlen, den Schuldendienst aussetzen und Inflation.

Die Privatwirtschaft hat keinen Einfluss auf die Inflationen und wählt daher zwischen den ersten beiden Optionen. Das senkt die Inflation und macht für die Regierung das erzeugen von Inflation schwieriger. Allerdings ist der deflationäre Druck aus der Privatwirtschaft endlich: wenn die Privatschulden bereits auf ein tragbares Maß reduziert wurden, dann kann die Regierung auch wirksam per Geldentwertung entschulden. Das ist nichts anderes als dass der Alki dem Barmann sagt: Du ich bin blank. Alles Geld wirst Du nicht wiedersehen. Ein Gedanke, der dem einen oder anderen chinesischen Funktionär schlaflose Nächte bereiten dürfte.

Noch ist das aber nicht so weit, noch läuft das private Entschulden. Die Geldpressen reichen gerade dazu eine leicht positive Dollarinflation zu halten. Ohne das wären die USA in einer tiefen Deflation. Gemessen in Gold sind sie das auch.

Die Fed druckt nun fleißig weiter Geld und es wird der Zeitpunkt kommen, an dem das private Deleveraging aufhört. Dann wir es spannend im Währungskrieg. Dann nämlich verlieren die chinesischen Währungsreserven an Wert. Real tun sie das jetzt schon, aber dann auch gemessen in Dollar.

Die Frage aller Fragen ist nun, was China dann tun wird. Was macht der Barmann mit dem Alkoholiker? Gehen wir die Optionen durch:

1) Er lässt weiter anschreiben. Vorteile: Er muss nicht zugeben einen Fehler gemacht zu haben. Er kann weiter die Bar betreiben, schließlich sind die USA der Hauptkunde. Nachteil: Er verschenkt weiter Geld und letzlich seinen eigenen Wohlstand.

Für die USA ist das zwiespältig. Zum einen bekommt jeder gerne Geld geschenkt, zum anderen bleiben die Alkoholiker so länger selbige und arbeitslos.

2) Er weißt ihn in Zukunft ab. Vorteil: Das Geldverschenken hat ein Ende. Der eigene Wohlstand steigt. Nachteil: Die Bar hat viel zu viele Kapazitäten, wenn der Alkoholiker und seine Freunde nicht mehr kommen. Es werden also Bars geschlossen und Barkeeper arbeitslos werden.

Für die USA kein schlechtes Szenario. Zwar wird der kalte Entzug etwas hart, aber dafür gibt es wieder Arbeitsplätze im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

3) Er weißt ihn ab und verkauft die Bierdeckel mit den offenen Forderungen an Dritte. Die Folge wäre, dass der Alkoholiker auch anderswo Probleme bekommen wir anzuschreiben. Andererseits kann er sich so durch Rückkauf der nun günstigeren Schuldtitel teilentschulden. In diesem Szenario bekommt China wegen des stark steigenden Yuan richtig große Probleme. In den USA dürfte bald wieder Vollbeschäftigung herrschen, weil der stark fallende Dollar US-Arbeitskraft super wettbewerbsfähig machen würde. Freilich wird ein Teil der Bevölkerung nicht nur einen Job haben, sondern gleich zwei. Mit den Wegfall billiger Importgüter dürfte die Inflation deutlich anziehen. Ein Job allein könnte für den einen oder anderen nicht zur Deckung des Lebensunterhalts reichen. Ein Punkt, den die Krugmans dieser Welt gerne ausblenden.

Ich bin kein China-Kenner und habe keinen Schimmer wie sie sich entscheiden werden. Aktuell sieht es nach (1) aus mit Option (2) am Horizont. Also der Versuch einer graduellen Aufwertung. Option (3) dürfte nicht im chinesischen Interesse liegen und ist daher sehr unwahrscheinlich. Aber wer weiß, wer da so die Nerven verliert.

Fazit: Meiner Meinung nach können die USA den Währungskrieg gar nicht verlieren. Im schlimmsten Fall bleibt alles wie es ist. Und weil sie das mit Sicherheit wissen, werden sie den Währungskrieg auch (weiter-)führen. Erwartet also mehr Quantitative Easing. Erwartet ein zunehmend verzweifeltes China, das dann irgendwann einer Währungsaufwertung doch zustimmt.

Fast das genaue Gegenteil erwartet der chinesische Professor Yiping Huang auf VoxEU.

2 Antworten zu Der Barkeeper und der Alkoholiker

  1. […] wird und nach aktueller Kassenlage stark aufwerten dürfte. Damit gibt China den Währungskrieg wie hier prophezeit […]

  2. […] die Fed erzeugen wollte, entsteht so in China statt in den USA. Daher stimme ich zu, dass die FED weiter expansiv sein sollte. Aber nur so lange wie China weiter an der Währungsbindung festhält. Sollten China die Bindung […]

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