HSH Nordbank: Und wieder der Ruf nach dem Staat

Das Manager-Magazin hat einen Bericht über eine erneute „Finanzierungslücke“ der HSH Nordbank aufgrund ihres Schiffsportfolios. Soweit war das zu erwarten. Die Schiffe dürften angesichts der angespannten Lage auf den Weltmeeren nun nicht gerade Geld scheffeln. Aber die Manager Magazin führt eine ganz andere Begründung als Kreditverluste an:

Auslöser des gestiegenen Finanzbedarfs sind vor allem die überwiegend in US-Dollar ausgereichten Schiffsfinanzierungen der Landesbank.[..]

Seit Ausbruch der Finanzkrise kann sich die HSH Nordbank, wie viele andere Landesbanken auch, am Kapitalmarkt nicht mehr zu akzeptablen Konditionen in Dollar refinanzieren. Deswegen muss sich die Bank in Euro refinanzieren und die eingesammelten Mittel dann mittels kurzfristiger Swapgeschäfte in Dollar tauschen.

Aufgrund des Wertverfalls der Euro-Währung musste die Bank seit Beginn dieses Jahres einen immer höheren Betrag aufwenden, um ihr Schiffsportfolio zu decken. Der zusätzliche Finanzierungsbedarf liegt laut Insidern bei bis zu sechs Milliarden Dollar.


Ich verstehe, dass die Bank sich keine Dollars mehr leihen kann. Vielleicht sind die ausländischen Investoren ja kritischer als die Deutschen und deswegen kann sich die Bank Euros leihen aber keine Dollars.

Ich verstehe aber nicht, wo das Problem mit den Swaps liegt. Euros leihen und in Dollars eintauschen ist doch eine runde Sache. Leider sind langlaufende Swaps der Bank scheinbar zu teuer und daher hat sie sich nur kurzfristig mit Dollars eingedeckt. Kann man machen, aber es bedeutet, dass man eine offene Währungsposition hat. In Umgangssprache: Man zockt auf den Dollarwechselkurs und zwar im Fall der HSH auf einen steigenden Dollar.

Nun ist der Dollarkurs gestiegen, was ja für die Bank toll ist. Die Wette ist aufgegangen, weil die Dollar-Schiffskredite nun in Euro gemessen mehr Wert sind ohne das die Bank gleichzeitig bei der Finanzierung gestiegene Verbindlichkeiten gehabt hätte.

Nur werden jetzt wohl alte Dollar-Schulden der Bank fällig und für die Rückzahlung muss die Bank mehr Euros aufnehmen als ursprünglich geplant, weil der Dollar ja gestiegen ist. Im Prinzip kein Problem, nur dass die HSH sich offenbar auch in Euro nicht ohne Garantie der SoFFin zu „akzeptablen Konditionen“ finanzieren kann, ansonsten wäre die Refinanzierung kein Problem. Die Deutschen Anleger sind also wohl ebenso kritisch wie die ausländischen.

Wenn kein Privatinvestor will, dann muss halt der SoFFin laut Manager Magazin noch mal ran:

Die Bank habe deswegen bereits beim Rettungsfonds Soffin vorgefühlt.

Die HSH selber dementiert: „Der Liquiditätskorridor liege im Plan, es gebe keine Refinanzierungslücken.“. Klar, fragt sich nur wie lange noch. Wäre ja zu komisch, wenn die HSH kurz nach dem Bestehen des Stresstests gleich wieder den SoFFin anruft. Peinlicher ging es nimmer für die Bankenaufseher.

6 Antworten zu HSH Nordbank: Und wieder der Ruf nach dem Staat

  1. 40stunden sagt:

    Der Artikel hat mich auch stutzen lassen. FX-Risiko ist ja auch Teil des Risikomanagements und die HSH müsste sich doch entsprechend durch FX-Derivate abgesichert haben…

  2. Paul_FaM sagt:

    Ich denke die Währungsrefinanzierung ist sicherlich ein Problem. Weitere Problem wäre EUR Eigenkapital. HSH hat fast nur Dollar-Geschäften. wenn Dollar gestiegen ist, ist der Eigenkapitalbedarf in EUR entsprechend auch gestiegen. Die HSH hat die meisten Krediten wahrscheinlich auch bei Dollar 1,4 bis 1.5 gemacht. Somit ist jetzt 10% gestiegen. Dafür braucht sie auch mal 10% mehr Eigenkapitalbedarf. Noch was, die Bank hat BBB rating, d.h. viele Geschäfte, die HSH mit anderen Banken machen, braucht sie sicherlich Sicherheiten hinterlegen, sonst wird keine Bank mit ihr Inter-Bank Geschäfte machen. Ein HSH Nordbank als EUR-Bank wird meist Sicherheiten in EUR wie Pfandbrief oder Staatsanleihe eingesetzt. Da die Bilanz meist in USD aufweist, denke ich mal, die Sicherheiten werden wahrscheinlich auch für US Dollar Geschäfte eingesetzt. Somit ist auch Nachschusspflicht bei den Sicherheiten fällig, wenn Dollar steigt.
    Selbst wenn es vorübergehend ist, wäre ein Unternehme ohne Staathilfe schon langst pleite oder von Bafin die Lizenz abgezogen. Immer noch unprofessionell bis nichts mehr geht. Was ist los mit der Bank bei der Gesamtbanksteuerung und Risikomanagement. Long term match by equity ist doch eine der wichtigste Aufgabe einer Bank. Kurze Geld kann man immer irgendwie aus den Fingern auszaubern, aber wenn Eigenkapital knapp ist, wird niemand mehr Geld leihen oder swap mitmachen!!! Ich denke Dr. No als Mathematik-Professor muss das doch bestens verstehen, oder ???!!!

  3. ketzerisch sagt:

    Ich kann auch nicht an eine so große offene Dollarposition glauben. Das wäre ja kompletter Wahnsinn, auch wenn es in dem Fall gut gegangen wäre.

    Der Artikel klingt auch eher nach Duration-Gap: kurz refinanziert und lang rausgelegt.

    Aber es ist ja auch nicht von Eigenkapitalmangel die Rede, sondern „nur“ von einer Refinanzierungslücke. Da wird Fremdkapital ausreichen und wenn die Bank das nicht bekomm, dann ist sie immer noch nicht marktfähig – jedenfalls nicht ohne Soffin-Garantie. Und das trotz einer 13 Milliarden-Euro-Hilfe…

    Ich denke, dass Paul auch recht hat, dass die Bank die eine oder andere ungünstige Nachschusspflicht im Marginig hatte. Das durch einen steigenden Dollar der Eigenkapitalbedarf steigt, halte ich aber nicht für so wichtig, weil mit der Dollar-Aufwertung ja auch das Eigenkapital steigt. Die Bank macht dadurch ja Gewinn.

    • Paul_FaM sagt:

      Ketzerisch,

      vergessen Sie bitte nicht, Margin für Schiffe, immobilien oder sonstige Aktiva bei einer Landesbank liegt bei Netto wahrscheinlich nur 60-90 bps.(0,7-0,9% von Nominal). abgesehen wievielen Schiff- Immobilien-, Flugzeugfinanzierung muss noch restrukturiert werden. Mit eine Aufwertung der Dollar bei 10% von Nominal, ist das Gewinn von Eigenkapital dagegen minimal. Fremdfinnazierungssituation reflektiert auch eine Eigenkapitalserwartung.

    • ketzerisch sagt:

      Paul,

      ich stimme zu, dass es einige Kreditverluste im Schiffsportfolio geben wird oder schon gegeben hat. Die Marge, da halte ich 90BP für realistisch, wird zur Deckung der Verluste nicht ausreichen. Bei einem Volumen von 25 Mrd. Euro, sind das ja weniger als 200 Mio Zinseinnahmen. Den Abschreibungsbedarf würde ich aus Erfahrungen mit der Schiffskrise Mitte der 80ziger eher bei 8% des Portfolios taxieren. Das wären so 2 Milliarden.

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