Neues von der Inflationsfront

Die Inflationsangst ist ja gerade in Deutschland sehr ausgeprägt. Daher ist es gut immer ein Auge auf die am Markt gehandelte Inflationserwartung zu werfen. Am einfachsten kann dies mit der „Break-Even-Inflation“, der Zinsdifferenz zwischen nominalen und inflationsindizierten Anleihen, gemacht werden.

Die folgende Grafik zeigt die beiden Zinssätze für fünfjährige US-Staatsanleihen und die darin eingepreiste durchschnittliche Dollar-Inflation in den kommenden fünf Jahren.

Implizite Inflationserwartung in US-Staatsanleihen

Implizite Inflationserwartung in US-Staatsanleihen

Wie man sieht ist die Inflationserwartung im laufenden Jahr von 2% auf 1,4% gefallen. Ein Rückfall in die Deflation, den eine wachsende Zahl an Volkswirten erwarten, ist da noch nicht erkennbar – auch wenn die Wahrscheinlichkeit gewachsen ist. Und der totale Verlust der Dollar-Kaufkraft, aka Hyperinflation, ist in den nächsten fünf Jahren ausgeschlossen.

Schaut man sich die Inflationserwartung über verschiedene Zeiträume in der Zukunft an, so sieht man, dass insbesondere auch die Inflationserwartung nach 2020 gefallen ist. Während die Märkte noch vor 90 Tagen von einem Anheben der Zielinflationsrate der Fed von 1,7% bis 2% auf 3% auszugehen schienen, sind sie nun wohl eines besseren belehrt worden. Das Sparpaket der US-Regierung dürfte sein übriges getan haben, um die Inflationserwartung wieder auf ungefähr 2% fallen zu lassen.

Zeitstruktur der Dollar-Inflationserwartung

Zeitstruktur der Dollar-Inflationserwartung

Alles in allem gibt es hier keinen guten Stoff für eine Weltuntergangsgeschichte. Der Dollar steht seinen Mann, die Inflationserwartung ist in dem normalen Rahmen begrenzt. Nur kurzfristig ist sie leicht unterhalb des Fed-Ziel. Aber auch hier scheint mir kein Grund zu existieren in eine akute Deflationspanik zu verfallen. Jedenfalls nicht, bis wieder ein größeres Bankhaus pleite geht.

Aber der Dollar ist der Dollar. Der Euro ist ja die am häufigsten totgesagte Währung der Welt. Ihr scheint ein Ende in Hyperinflation mit in die Wiege gelegt worden zu sein. Die Agence France Tresor veröffentlicht monatlich eine ähnliche Analyse für den Euro:

Break-Even-Inflation des Euroraums

Break-Even-Inflation des Euroraums

Auch hier das gleiche Bild. Von Hyperinflation weit und breit keine Spur. Die am Ende leicht gefallene Inflationserwartung führe ich auf die europaweiten Sparmaßnahmen zurück. Aber auch hier ist Deflationserwartung noch weit weg, auch wenn die siebenjährige Inflationserwartung ebenfalls deutlich unterhalb der Zielmarke von „knapp unter 2%“ liegt.

Aber der Euroraum ist natürlich sehr heterogen, was ja genau sein Konstruktionsfehler ist. Wir wissen, dass einige Euroländer in einer Deflation stecken oder zu mindestens nahe daran sind. Im Umkehrschluss können wir also folgern, dass es einige Euroländer mit Inflationsraten deutlich über 2% geben wird, damit im Mittel 2% rauskommt. Bei Deutschland und Holland dürfte das der Fall sein.

Aber außerhalb des Euros ergeht ein den Länder auch nicht unbedingt besser. Die Bank of England zeigt, dass beim Pfund mit satten 4% Inflation gerechnet werden muss.

Implizite Inflation des Pfunds

Implizite Inflation des Pfunds

Advertisements

2 Responses to Neues von der Inflationsfront

  1. AVG sagt:

    Bevor sich Frau Merkel und Co an den Arbeitslosen und deren Familien vergreifen, sollten endlich die gierigen Zocker, welche die Krise(n) verursacht haben, zur Kasse gebeten werden !
    Unsere Meinung dazu hier:

  2. […] Verlorene Generation: Neues von der Inflationsfront […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: