Brüssel will Rating-Agenturen scharf kontrollieren

Große Pläne unserer Überregierung in Brüssel: Jetzt sollen die Rating-Agenturen in die Mangel genommen werden:

Die EU will Rating-Agenturen offenbar strenger kontrollieren – und bei Regelverstößen streng bestrafen. Die geplante europäische Börsenaufsicht ESMA solle dafür umfangreiche Ermittlungsbefugnisse erhalten, zitierte das „Handelsblatt“ aus einem Verordnungsentwurf des zuständigen EU-Kommissars Michel Barnier.

Im Verdachtsfall solle die ESMA die Büros der Bonitätsprüfer durchsuchen, Geschäftsunterlagen aller Art anfordern und Verdächtige verhören. Falls sich ein Verdacht bestätigt, wolle die EU-Kommission auf Vorschlag der ESMA Geldstrafen gegen die betroffene Rating-Agentur verhängen.


Wer möchte da widersprechen? Wenn sich die Rating-Agenturen nicht an die „Regeln“ halten, dann müssen sie bestraft werden. Ist doch klar, oder? Hmmm, welche Regeln gelten nochmal genau für Rating-Agenturen? Sie geben eine Auskunft über die Bonität von Kreditnehmern und Anleihen. Was man dabei genau falsch machen kann, darüber lässt sich die Kommission nicht aus. Immerhin könnten wir morgen mehr erfahren. Das Regelverstöße bestraft werden ist doch eine Nicht-Meldung. Interessanter wäre es zu erfahren welche Regeln gelten sollen.

Ich hatte dazu mal vorgeschlagen:

  • Verbot von gleichzeitiger Beratung und Bewertung eines Kunden.
  • Vorschrift, dass tatsächliche Ausfallwahrscheinlichkeiten angegeben werden müsse

5 Antworten zu Brüssel will Rating-Agenturen scharf kontrollieren

  1. HF sagt:

    Will man die Arbeit der Ratingagenturen prüfen und bewerten, müsste bei den Prüfern und Bewertern quasi eine komplette Ratingagenturbesetzung vorhanden sein, die auch dasselbe Zahlenmaterial zur Verfügung haben, wie die zu prüfende Agentur. Schon mal sehr aufwendig. Kommen die Prüfer/Bewerter zu einem anderen Ergebnis – an welches Ergebnis halten sich dann die Finanzmärkte?

    Deine Vorschläge sind aber schon mal ein guter Anfang!

    • ketzerisch sagt:

      Die Bundesbank prüft die internen Ratingmodelle der Banken durchaus auch mit den Daten der Banken. Die haben Zugriff auf alles. Den bräuchten sie bei den Ratingagenturen auch, wenn sie das gleiche vorgehen anstrebten.

      Ich würde es aber einfacher halten und schlicht die zentrale Veröffentlichung von Ausfallwahrscheinlichkeiten vorschreiben. Diese lassen sich dann von der Finanzaufsicht auf Trennschärfe und Kalibrierung untersuchen. Wenn eine Mindesttrennschärfe unterschritten wird (wie bei den CDOs 2008) oder die prognostizierten Ausfallraten so gar nicht zu den eingetretenen passen, dann will die Rating-Agentur keiner mehr und man könnte die Verwendung der Ratings für Basel-II untersagen.

  2. HF sagt:

    Wenn es darauf hinausläuft, das die Ratingagentur dann niemand mehr will, wäre das ja die beabsichtigte Wirkung. Aber würden nicht trotzdem viele Marktteilnehmer danach handeln – sie glauben den Agenturen mehr, als der kontrollierenden Regierung?

    • ketzerisch sagt:

      Ich sehe Rating-Agenturen als nichts schlimmes. Schlimm ist es nur, wenn sie ihren Job nicht gut machen und mit den Urteilen daneben liegen. Wenn die Regierung nachweist, dass die Agenturen daneben liegen (z.B. weil Top-bewertete CDOs reihenweise ausfallen und schlecht bewertete Staaten jahrelang überleben), dann werden die Marktteilnehmer auch nicht mehr darauf hören. Wichtig ist, dass die Daten offen sind und sich jeder Regierungs- oder Rating-Agentur-Kritiker eine eigenen Meinung bilden kann.

  3. HF sagt:

    OK – aber hinsichtlich „eigene Meinung bilden kann“ bin ich skeptisch. Auch heute gibt es massenhaft Daten und hinterher stellt sich raus, das sich niemand darum gekümmert hat. Selbst schuld, kann man dann sagen, aber die menschen, selbst die sog. Entscheider, verlassen sich lieber auf den rat sog. Experten, wie sich immer wieder zeigt.

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