Können neue Drachmen Griechenland helfen?

In nigecus‘ Blog bin ich auf den Vorschlag gestoßen, dass Griechenland nicht aus dem Euro austritt, aber neues eigenes Geld ausgibt. Alle Zahlungen der Regierung erfolgen dann in dieser Währung. Gleichzeit strebt es eine Umschuldung in Form eines Kapitalschnitts mit den Alt-Gläubigern an. Der Vorteil ist, dass die Privatwirtschaft nicht durch eine Währungsreform enteigent wird und nur der absurd große Staatssektor schrumpft.

Ich habe es noch nicht ganz zuende durchdacht, aber mir ein paar Gedanken zur möglichen Ausgestaltung gemacht.

Erste Frage wäre, wodurch das neue Geld gedeckt? Eine harte Deckung scheidet aus, denn das würde der gewünschten Abwertung widersprechen. Wäre das neue Geld zum Beispiel goldgedeckt, so könnte es gegenüber dem Euro ja sogar steigen. Ungedeckt wäre das Geld vermutlich wertlos.

Entscheident auch: Wie wird das neue Geld wieder eingesammelt? Bzw. Wie kann es gegen die Deckung eingelöst werden? Die Idee war es ja Griechenland in der Eurozone zu halten. Dann muss ein Übergang zurück zum Euro existieren.

Eine Möglichkeit wäre es, das Geld an den Euro zu binden – aber natürlich nicht 1:1. Die Tauschquote sollte dem Haarschnitt bei der Umschuldung der jetzigen Schulden entsprechen. Das entspricht der Emission von Schuldscheinen, die der Altschuld gleichrangig ist. Bis zur Vereinbarung mit den Gläubigern notiert die neue Währung damit variabel zum Euro. Nach der Umschuldung ist der Wechselkurs fixiert und die Umtausch in Euros kann erfolgen. Griechenland ist wieder Euroland. Die Koppelung an die Umtauschvereinbarung erhöht auch den Druck auf die Gläubiger eine Vereibarung anzunehmen. Denn je länger die neue Währung existiert, je mehr davon ausgegeben wird, desto schlechter wird der Haarschnitt für die Gläubiger ausfallen, weil ausstehende Kreditsumme de facto um das ausgegebene neue Geld vergrößert wird.

Im Endeffekt ist dies eine Kürzung der Staatsausgaben nach der Rasenmähermethode. Zumindest der Staatsausgaben, die nicht als Sachleistungen erfolgen. Die Idee gefällt mir und ist in anderer Form schon mal von Kalifornien ausprobiert worden. Aber ich muß noch weiter darüber sinnieren.

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10 Antworten zu Können neue Drachmen Griechenland helfen?

  1. onetux sagt:

    Tja, das wäre eine Lösung, aber dann könnte man doch direkt
    die Rasenmähermethode verbunden mit einem ultra-strengen
    Sparplan versuchen…das wäre fair. Die Banken, auch die deutschen, die nun mal in griechische Anleihen investiert sind
    und nun des Staates Hilfe fordern, um nicht leer auszugehen.
    30% Haarschnitt und einen harten Plan nach IWF-Vorgaben, wobei
    man mit dem Rentenalter und der Rentenhöhe schonmal anfangen könnte, dazu 50% weniger Staatsdiener mit 50% weniger Gehalt,
    dann will auch mal wieder jemand in der freien Wirtschaft arbeiten. Dann sind da noch Inseln und Gold, die unter den Hammer könnten…danach könnte man über deutsche Hilfen reden!!!

    • ketzerisch sagt:

      Rasenmähermethode wäre nicht ganz das gleiche, weil es mehr Bürokratie benötigt und der Staat sich die Liquidität nicht selber schaffen kann. Zudem wäre die Einsparquote von der Regierung festgelegt und ergibt sich nicht aus den Markterfordernissen und könnte daher zu hoch oder zu niedrig liegen. Über das eigene Geld ist das optimal kalibriert.

  2. […] muss, darüber scheiden sich die Geister. Es wird über eine zeitweise Zweitwährung (Verlorene Generation) genauso diskutiert wie über eine Wiedereinführung der Drachme (Global Markets) oder die […]

  3. Stefan sagt:

    Nunja. Das neue Geld muss nicht unbedingt wertlos sein. Gedeckt wird es ja durch die Möglichkeit des Staates, Steuern einzuziehen. Wenn jeder in Griechenland verpflichtet ist seine Bilanzen in neuer Drachme anzugeben und auch seine Steuern darin zu zahlen, würde sich irgendwann ein neuer Wert für dieses Geld einpendeln.

    „Mein“ Rettungsplan würde so aussehen: Griechenland verlängert die Fälligkeiten aller Verbindlichkeiten um 5 Jahre. Zinsen sollen aber weiter gezahlt werden. Diese Verbindlichkeiten werden in neuer Drachme zurückgezahlt. Diese neue Währung würde dann zuerst als Buchwährung 1zu1 eingeführt und dann mit freien Wechselkurs zum Euro. Später kann dann entschieden werden, ob der Euro beibehalten wird oder auf die eigene Währung gewechselt wird.

    Vermutlich hätte dieser Plan eine hohe Inflation, bzw Abwertung der neuen Währung zur Folge. Aber das ist eben wie für die Krise bezahlt werden würde. Im Gegenzug sänke die Zinslast.

    • ketzerisch sagt:

      Unterschied zu meinem „Plan“ ist, dass Du auch der Privatwirtschaft die neue Währung aufdrücken willst und damit enteignest und Inflation auslöst. Ich würde die neue Währung nur für die Staatsausgaben verwenden lassen. Alle Bilanzen der Firmen bleiben in Euros (es sei denn sie wechseln freiwillig). Mein Vorschlag wirkt daher deflationär, weil der Staatssektor wegbricht.

  4. Ernst Wilhelm sagt:

    Was hilft die Drachme, wenn die Griechen sich und ihr verantwortungsloses Verhalten nicht ändern? Alle finanztechnischen Vorschläge in diese Richtung gehen offenbar davon aus, dass man nur in Euro bescheißen kann. Andere und auch sich selbst. Dem ist nur leider nicht so.

    • ketzerisch sagt:

      Die Strukturreformen sind immer noch notwenidg, aber das Land gewinnt etwas Zeit dafür und der Staat betrügt sich derweil selbst. Je länger die Reform dauert desto geringer die Reallöhne der Beamten. Der Staatssektor schrumpft. Das baut druck auf.

  5. Die Idee geht auf den Schotten John Law zurück. Er hat sie 1705 in seinem Essay “Betrachtung über Geld und Handel mit einem Vorschlag, die Nation mit Geld zu versorgen” ausgeführt. Immerhin hat Law es geschafft, dass Münzgeld durch Papiergeld (Schuldscheine) ersetzt worden ist. Der Anreiz, diese Schuldscheine anzunehmen bestand anfangs darin, dass es dem Inhaber möglich war, damit seine Steuern zu bezahlen.

    Griechenland müsste zunächst Steuergerechtigkeit herstellen, bevor an die Ausgabe von Schuldscheinen zu denken ist.

    Es ist ein reizvolles Gedankenexpriment!Ich hoffe, Du meldest Dich, wenn Du weitergekommen bist ….

  6. sensortimecom sagt:

    Sag mal, guter Mann, welche Motivation sollte denn irgendein Grieche haben, diese neue Währung zu akzeptieren, wenn es parallel dazu in den Nachbarländern den (relativ stabilen) Euro gibt?

    • ketzerisch sagt:

      Die Staatsbediensteten erhielten schlicht ihren Lohn in dieser Währung. Sie sind natürlich frei sich einen anderen Job zu suchen, der in Euros zahlt.

      Kein Verkäufer ist gezwungen diese Währung zu akzeptieren. Aber warum sollte er nicht? Sie wäre ja frei konvertierbar.

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