Griechenland will IWF-Beteiligung verhindern

Kritiker einer IWF-Beteiligung an einer Griechenland-Rettung behaupteten: „Der IWF könne die Haushaltsdisziplin in der Euro-Zone noch mehr aufweichen, da er deutliche schwächere Sparauflagen als die EU mache“. Dazu schrieb ich:

Sehr unglaubwürdig. Der IWF ist für seine harten Forderungen nach Strukturreformen und Privatisierungen bekannt. Auch die griechische Elite sind nicht von ungefähr gegen die IWF-Einmischung, schließlich besteht die Gefahr lieb gewonnene Privilegien, wie eine weitgehende Steuerbefreiung für Reiche zu verlieren.

und nun meldet das Handelsblatt tatsächlich:

Griechische Regierungspolitiker wollen den jüngst beschlossenen Notfallplan für ihr von der Schuldenkrise gebeuteltes Land abändern. Die Bedingungen des IWF seien nach Medienberichten zu hart, die Hellenen wünschen sich stattdessen direkte und bedingungslose Hilfe der EU-Länder.

Was zu erwarten war. Griechenland hat noch nicht annähernd soviel gespart wie es könnte. Die Eliten verteidigen immer noch ihre persönlichen Vorteile, es gibt keine nennenswerten Privatisierungsbestrebungen, etc.

Um da Simon Johnson, Professor an der MIT Sloan School of Management, Blogger für baselinescenario.com und Ex-Chefökonom des IWF in 2007 und 2008, zu zitieren:

Every crisis is different, of course. Ukraine faced hyperinflation in 1994; Russia desperately needed help when its short-term-debt rollover scheme exploded in the summer of 1998; the Indonesian rupiah plunged in 1997, nearly leveling the corporate economy; that same year, South Korea’s 30-year economic miracle ground to a halt when foreign banks suddenly refused to extend new credit.

But I must tell you, to IMF officials, all of these crises looked depressingly similar. Each country, of course, needed a loan, but more than that, each needed to make big changes so that the loan could really work. Almost always, countries in crisis need to learn to live within their means after a period of excess—exports must be increased, and imports cut—and the goal is to do this without the most horrible of recessions. Naturally, the fund’s economists spend time figuring out the policies—budget, money supply, and the like—that make sense in this context. Yet the economic solution is seldom very hard to work out.

No, the real concern of the fund’s senior staff, and the biggest obstacle to recovery, is almost invariably the politics of countries in crisis.

Typically, these countries are in a desperate economic situation for one simple reason—the powerful elites within them overreached in good times and took too many risks. Emerging-market governments and their private-sector allies commonly form a tight-knit—and, most of the time, genteel—oligarchy, running the country rather like a profit-seeking company in which they are the controlling shareholders. When a country like Indonesia or South Korea or Russia grows, so do the ambitions of its captains of industry. As masters of their mini-universe, these people make some investments that clearly benefit the broader economy, but they also start making bigger and riskier bets. They reckon—correctly, in most cases—that their political connections will allow them to push onto the government any substantial problems that arise.

Griechenlands Elite muss bluten. Das weiß sie und sie kämpft mit allen Mitteln dagegen an. Geld aus Europa geschenkt zu bekommen, ist eine sehr attraktive Lösung, denn sie tut nicht weh. Darum – und nur darum – soll der IWF draußen bleiben.

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4 Responses to Griechenland will IWF-Beteiligung verhindern

  1. onetux sagt:

    …das ist ja wohl an Frechheit kaum zu überbieten !!! Ich hoffe, Angie bleibt hart und gibt den Griechen keinen Cent!!!

  2. Wen interessiert schon meine Meinung, aber egal warum: der IWF sollte aussen vor bleiben, denke ich. Die wollen doch Globale Zentralbank werden – mit Sonderziehungsrechten als Kreditwaehrung.

    Ob vielleicht Kassandra auf meiner Seite ist?

    Mehr auf http://NationaleSchulden.eu
    und http://publicdebts.org.uk, wo ich demnaechst auch griechische Budgets vorstellen werde.

    • ketzerisch sagt:

      Das glaube ich nicht. Der IWF ist eine Art globale Wirtschaftsregierung auf Abruf. Zinsfestsetzungen sind meines Wissens anch nicht geplant.

  3. onetux sagt:

    Seh ich anders, die BRD hat dem IWF für solche Fälle schon
    genug Geld überwiesen. Warum sollen die Deutschen zweimal
    zahlen? Wenn wir nix vom IWF halten, hätten wir uns direkt
    raushalten sollen.
    Der Gipfel ist dann noch, daß Griechenland garnicht bereit ist zu sparen und lieber EU-weit die Hand aufhält. Da fällt mir nix mehr ein…! Ich würde die Griechen mal richtig auf die Schnauze fallen lassen! Hoffe immernoch, daß Angie keinen Cent zahlt!!!

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