Krugman und die Inflation

Nobelpreisträger Paul Krugman wird ja nicht müde zu behaupten, es wird keine Inflation kommen. Aber so langsam, ganz langsam, nähert er sich der Wahrheit:

Bedenkt, dass ein Barrel Öl trotz der schwachen Weltkonjunktur noch immer 80 Dollar kostet. Dies legt für mich nahe, dass die hohen Ölpreise fundamental begründet sind. [und keine Blase darstellen]

Es legt ferner nahe, dass beim Eintreten einer Wirtschaftserholung es zu einem Versorgungsengpass kommen wird.

Richtig, Herr Krugman. Und bei einem Versorgungsengpass steigen die Preise. Gemeinhin nennt man das Inflation. Und die kann auch auftreten, wenn die Arbeitslosigkeit hoch ist. Selbst wenn Herr Keynes vor 60 Jahren mal etwas anderes gesagt hat.

3 Antworten zu Krugman und die Inflation

  1. Nixda sagt:

    Vorläufig eher den Argumenten gegen die Inflation Recht geben:

    (1) Erstes Opfer der Wirtschaftskrise ist die Konsumnachfrage. Das lässt wenig Preissetzungsmacht bei den Unternehmen.
    (2) Das Rückführen von Krediten wird nachfragesenkend wirken.
    (3) Die Wirtschaften der westlichen Industrieländern leiden an geringen Kapazitätsauslatungen. Selbst eine plötzlich einsetzende Nachfrage würde zunächst einmal zu Stückkostensenkungen und damit zu Preissenkungspielräumen führen.
    (4) Das Beispiel Japan zeigt, das eine Dekade Nullzins und quantitative Easening auch nicht zwingend zur Inflation führen.
    (5) Das sich der Ölpreis am Markt nach Angebot und Nachfrage bildet halte ich für ein Gerücht. Da dürfte der Einfluss der Terminspekulanten deutlich größer sein.

  2. ketzerisch sagt:

    Aktuell gehe ich auch nicht von einer hohen Inflation aus. Aber ich teile nicht Krugmans Meinung, dass sie völlig ausgeschlossen ist.

    Japan hat massiv die Staatsverschuldung hochgefahren und den Abbau der Überkapazitäten so verhindert. Das ist nicht nachhaltig. Wenn die Überkapazitäten endlich abgebaut werden, dann steigen auch die Preise. Wir streben ja auch gerade die japanische „Lösung“ an und verhindern beispielsweise die Werksschließungen von Opel, Werften und anderen Industrien mit Überkapazitäten. Klar steigen dann die Autopreise nicht. Aber irgendwann können wir uns den Luxus von viel zu vielen Autofabriken nicht mehr leisten.

    Zu (5): ich arbeite ja im Commodity-Trading und hier glaubt keiner an einen großen „Einfluss der Terminspekulanten“. Bei den Preisen an den kurzen Ende der Kurve spielen Angebot und Nachfrage eine Rolle. Dort ist die Lage daher auch recht volatil. Am langen Ende der Kurve geht es im Wesentlichen um die Kosten der marginalen Ölforderung, also der Förderung eines weiteren Barrel Öls. Öl aus den Ölsanden zu gewinnen kostet aktuell so um die 80 USD, so dass hier die Kurve auch erst einmal bleiben dürfte.

  3. nigecus sagt:

    @ketzerisch

    versuchen sie das mal irgendeinen Populisten zu erklären. Das man Rohstoffe erstmal aus der Erde ziehen muss, dem sind sich vielleicht Einkäufer, Werkstofftechniker, Ressourcenpolitik-Ökos und auch Rohstoffhändler bewusst. Die Standardantwort auf „Wo kommt der Treibstoff ihreres Autos her?“ ist „von der Tanke“. Da braucht man garnicht erst anfangen etwas über Anreicherungsgrade und Hebungskostensätze zu erzählen.

    Blödes Beispiel: Wie hoch wäre der Preis 1 oz.t Platin, wenn Sie neben Bushvield, Norsilk und Stillwater plötzlich schön an der Oberfläche ihres Garten massenweise Platingesteine finden würden. Ein Politiker oder Standardökonom würde die Menge hinzuaddieren und das alles zusammen durch die Nachfragemenge dividieren, um einen Preis zu ermitteln. Variable Kosten? Das kennen die nicht.

    Wenn man so nicht-betriebswirtschaftlich als Volkswirtschaftler denkt, dann wird man auch nix mit der Info anfangen können dass dieses neue mikrige Ölfeld vor Brasilien 40 USD kosten soll, während das Saudi-Feld aus den 50er nur 5USD kostete. Man wird dann auch die Aussagen von Öl-Konzern-Bossen nicht nachvollziehen können, wenn die sagen, dass der Öl-Preis zu niedrig ist, um überhaupt Erschließungsprojekte anzuschieben. Daher kann man Krugmans Einsicht, dass ein Öl-Preis von 80 USD keine Blase ist, sondern „fundamental begründet“ ist, schon als einen massiven Evolutionsschritt in der Denkleistung von Ökonomen betrachten…

    Link-Tip: http://minerals.usgs.gov/minerals/pubs/commodity/

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