Griechenland: Rettung oder Untergang?

In den letzten Tagen liest man immer wieder in den Medien, dass der Eurokurs fällt, weil Griechenland vor dem Staatsbankrott steht. Das ist nur die halbe Wahrheit. Der Eurokurs fällt, weil die Investoren darauf wetten, dass die EU die Inflation erhöhen wird. Quasi als Korrektiv für die hohen Staatsschulden in Griechenland und den anderen hochverschuldeten Staaten. Bald werden wir Klarheit haben, ob die EU hilft oder nicht, denn es mehren sich Anzeichen, dass Investoren – allen voran die Griechen selbst – massiv Geld aus Griechenland abziehen.

Die Finanzmärkte gehen davon aus, dass die EU Griechenland Geld schenken wird und damit die Ausgabendiziplin in Griechenland und den anderen Problemländern leidet. Oder aber, dass die EU nach einer Pleite Griechenlands die Inflation anheizen wird, um weitere Staatspleiten zu vermeinden. So oder so: die Folge wäre eine erhöhte Inflation im Euroraum, welche die Kosten der Rettung auf alle EU-Bürger verteilt. Meiner Meinung nach befürchten die Märkte diese Szenarien zurecht. Schon debattieren einige Ökonomen nicht mehr ob, sondern nur noch wer Griechenland retten soll.

Es mag also der Tag kommen, an dem Du lesen wirst, dass eine Hilfe an Griechenland leider notwendig ist, um Schaden von der Eurozone als Ganzes abzuwenden. In Gefahr sind aber nur die Ausgaben der Regierungen. Eine Pleite Griechenlands hätte einen ähnlichen Effekt wie die Pleite von Lehman Brothers. Die Geldmenge schrumpft und der Druck Schulden abzubauen (Deleveraging) steigt. Den Druck spüren in erster Linie die größten Schuldner – und das sind die Staaten und Banken. Und so Retten die Politiker nicht Griechenland, sondern nur ihre eigenen Privilegien. Wenn Griechenland pleite geht, dann steigen die Risikoaufschläge der Staatsanleihen der anderen Euroländer – allen voran von spendierfreudigem Italien, Spanien, Portugal und Irland. Es findet eine Umverteilung statt; weg von den Staaten hin zu den Bürgern. Das will natürlich kein Politiker. Die Staatsausgaben sind das Fundament ihrer Macht. Wie sollten sie ohne Wahlgeschenke wiedergewählt werden? Wieso sollten Lobbyisten sie weiterhin beschenken und auf Parties einladen, wenn es bei Politikern nichts zu holen gib? Nein, eine Pleite von Griechenland wird kein Politiker riskieren wollen.

Mit der Meinung, dass ein Bankrott Griechenlands weniger Schaden als eine Rettung verursachen würde, stehe ich nicht alleine da. Auch der Ökonom Bofinger, mit dem mich sonst eher wenig verbindet, hält eine Pleite von Griechenland für tragbar. Anders Thomas Straubhaar, sonst in meinen Augen eher auf der Seite der Vernunft. Er hält eine Inflation für die beste Lösung für die hohe Staatsverschuldung in Europa. Nicht weil sie ökonomisch die beste Lösung wäre, sondern weil er die ökonomisch optimale Lösung (nominale Kürzung der staatlichen Transferleistungen) für politisch nicht durchsetzbar hält. Einer Inflation hingegen muss kein Parlament zustimmen und die Transferleistungen sinken halt im realen Wert. Was er aber dabei übersieht: viele der Transferleistungen sind Sachleistungen und da hilft die Inflation auch nicht weiter. Zudem würde eine Inflation die groß genug ist um Griechenland aus der Patsche zu helfen, in anderen Ländern wie Deutschland zu Finanzblasen führen.

Ganz einfach wird eine Hilfe an Griechenland auch nicht durchzusetzen sein. Zu schlecht hat das Land seine Finanzen geführt. Jemanden, der die EU erst gerade mit falschen Zahlen getäuscht hat, den kann auch ein deutscher Politiker nicht so einfach beschenken. Es muss erst die öffentliche Stimmung dafür bereitet sein. Es muss etwas passieren. Das könnten viele Dinge sein. Eine Katastrophe in Griechenland wie ein Erdbeben oder ein Terroranschlag oder die Pleite eines anderen Landes. Einige Kommentatoren warnen daher auch davor sich zu sicher sein, dass Deutschland seinen schon recht leeren Geldsack aufmacht und Griechenland rettet. Jürgen Stark, der deutsche Vertreter bei der EZB, sagt die Investoren würde sich „selbst täuschen“, wenn sie glauben andere würden für Griechenlands Schulden aufkommen. Bundesbankchef (und wahrscheinlicher zukünftiger EZB-Chef) Axel Weber hält eine Rettung Griechenlands auch für „politisch unmöglich“.

Bleibt die Hilfe aus, so steht die Welt vor einem zweiten Kollaps des Finanzsystems. Nachdem die Staaten sich mit der Rettung des Bankensystem nach der Lehman Brothers Pleite schon deutlich übernommen haben, stehen nun die Staaten selbst im Mittelpunkt. Aber auch Banken werden wieder gefährdet sein. Schließlich hat sich dank der Staatsmilliardenbillionen in den Banken nichts verändert. Alle spekulieren wieder wild mit geliehenem Geld.

9 Antworten zu Griechenland: Rettung oder Untergang?

  1. […] Was machen wir mit Griechenland: Retten oder untergehen lassen? (Verlorene Generation). […]

  2. Cangrande sagt:

    Politiker haben wir schon genug. Da ist es durchaus entbehrlich, dass sich auch die Blogger in kautelistischem Gerede ergehen.

    Was wollen Sie eigentlich sagen:
    – „dass ein Bankrott Griechenlands weniger Schaden als eine Rettung verursachen würde“ oder
    – „Bleibt die Hilfe aus, so steht die Welt vor einem zweiten Kollaps des Finanzsystems“ ?

    Wenn Letzteres der Fall ist, sind Ihre Vorwürfe an die Politiker, mit einem Bailout Griechenlands nur ihre eigene Macht retten zu wollen, arg deplatziert (ich finde sie ohnehin weit hergeholt).

    Wenn Sie (wie ich) von Ersterem überzeugt sind, dann geben Sie sich bitte nicht dazu her, wie der große Rest der deutschen Medien (die von Ihnen angeführten und nicht angeführten – Ottmar Issinger! – Gegenmeinungen sind eher die Ausnahme) die Meme der Angstmacher weiter zu verbreiten.

    Immerhin: Sie schreiben noch etwas über, und teilweise auch gegen, den drohenden Bailout der steuerhinterziehenden griechischen Parasitenklasse durch die steuerehrlichen Deutschen.

    Die Blogosphäre insgesamt scheint eher desinteressiert an der Perspektive, dass die deutsche Regierung unsere Steuergelder gen Süden verschwinden lassen wird. Hinterher, ja, da werden einige schreien, die jetzt schweigen. Aber sich prophylaktisch wehren gegen weitere Ausraubung durch den Kapitalmarkt (und die griechischen Reichen) – dazu fehlt es an Vorstellungsvermögen.

    Manchmal dürften wir ruhig etwas griechischer werden!

    • ketzerisch sagt:

      Was wollen Sie eigentlich sagen:
      – “dass ein Bankrott Griechenlands weniger Schaden als eine Rettung verursachen würde” oder
      – “Bleibt die Hilfe aus, so steht die Welt vor einem zweiten Kollaps des Finanzsystems” ?

      Was spricht dagegen, dass beides richtig ist? Das Finanzsystem ist überschuldet und ich halte einen Kollaps für die bessere Lösung als das wir die Schulden weginflationieren. Meine Lösung für das Problem ist hier dokumentiert. Ein Bankrott weiter Teile des Bankensystem ist nur dann schlimm, wenn es nicht schnell (mit neuen Eigentümern) wieder funktioniert. Unser Problem ist nicht der Bankrott selbst, sondern das Insolvenzrecht. Worum geht es denn hier? Doch nur darum, dass die Eigentümer von Schuldverschreibungen bloß keinen Verlust erleiden. Sorry, aber so funktioniert Marktwirtschaft nicht. Investments ohne Verlustrisiko darf es nicht geben.

      Ich gebe zu, dass das Wort Kollaps Ängste hervorruft, aber wäre ich nicht eher Politiker, wenn ich das Wort genau aus diesem Grund vermeide?

      k

      PS: Das Wort „kautelistisch“ ist mir nicht geläufig. Auf Google liefert da keine Treffer. Was bedeutet es?

  3. Cangrande sagt:

    Heute noch einmal zurück, mit etwas mehr Zeit.

    Einen Kollaps des Weltfinanzsystems möchte ich denn doch nicht riskieren. Ein Austausch von Schulden gegen Einlagen, im großen Maßstab, wäre doch recht kompliziert zu implementieren und im Übrigen scheinen mir auch die Argumente z. B. von Felix Salmon, zu dem Sie fairer Weise verlinken, doch recht substantiiert gegen eine solche Lösung zu sprechen. Zumal die Folgeschäden nicht zu überblicken wären: Lebensversicherungen … usw. (wären natürlich bei einer Griechenland-Pleite auch betroffen, aber bei einem Total-Kollaps …).

    Doch selbst ein Totalausfall der griechischen Anleihen würde keinen derartigen Kollaps zur Folge haben.

    Zunächst einmal gehe ich davon aus, dass die einschlägigen Richtlinien eine Konzentration von Krediten eines einzigen Schuldners bei den Banken und den sonstigen Finanzintermediären verhindern. Schon von daher würde sich ein Ausfall auf zahlreiche Schultern verteilen.

    Sodann kommt es natürlich auch nicht zu einem Totalausfall. Denkbare Alternativen wären
    – zeitliche Streckung bei der Tilgung
    – Zinssenkungen
    – Quotenzahlung (auf keinen Fall weniger als 50%, wahrscheinlich aber deutlich höher).

    Und letztendlich gibt es ja auch noch die viel geschmähten CDS. Wer (als Profi-Investor) Griechenland-Anleihen en gros kauft und sich nicht zumindest teilweise über dieses Vehikel absichert, der gehört ohnehin am Markt aussortiert.

    Also: kein Kollaps des Finanzsystems, wenn Griechenland „kollabiert“!

    • ketzerisch sagt:

      ich glaube auch nicht, dass eine Pleite von Griechenland in normalen Zeiten für sich genommen ausreicht einen Finanzsystemkollaps herbeizuführen. Aber das Finanzsystem ist unterkapitalisiert und wird sehr dunnhäutig auf die fallenden Assetpreise reagieren.

  4. Tera€ sagt:

    Hallo erstmal,
    Ich bin heut früh beim Stöbern auf diese Blog hier gestossen und nach 1 h Rumsurfen kann ich nur sagen: Respekt und ich werd öfter mal vorbeischauen (auch wenn ich mich altersmäßig nicht mehr ganz zu „lost generation“ dazuzählen kann).

    zum Thema hier ein kleiner Beitrag (woanders schon veröffentlicht)

    [QUOTE=localpatriot;5014667]…

    Wer sind dieses mal die Schuldiger der $302,6 Mrd?
    Quelle:[url]http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,677319,00.html[/url]

    Hier ist die Liste nach Ursprungsland

    Franzoesische Banken $75,5Mrd
    Schweizer Banken $64,0 Mrd
    Deutsche Banken $43,2Mrd

    Andere $119,9Mrd

    Also fuer die BR kein Grund zur Aufregung: 43.2Mrd Dollar sind zwar keine Kleinigkeit, jedoch kann man erwarten das deutsche Banken das Verkraften koennen. Dazu hin wird das Geld gar nicht verloren. Die muessen vielleicht 10 oder 20% abschreiben und ein paar Jahre auf Zinsen verzichten, aber verkraftbar ist das.
    …[/QUOTE]

    Wen erwischt es im Zweifelsfall?
    HRE mal wieder dabei
    [url]http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EE2292FA641BB42D89B3C4F7B014B6C19~ATpl~Ecommon~Scontent.html[/url]

    Allianz und Müncher Rück auch mit im Boot
    [url]http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,677200-2,00.html[/url]

    Ob das so locker verkraftbar ist, kann man mit guten Gründen anzweifeln:

    – Woher kommt der Optimismus, dass Griechenland nach einem Bankrott/Cut Zins + <Tilgung auf absehbare Zeit leisten kann? Woher soll Griechenland bei der angedachten Hoover/Brüning/Westerwelle-Sparorgie die Steuereinnahmen nehmen?

    – Neben den erwähnten 43,x Giga€ für Deutschland gibt es ja noch einige Wetten auf den griechischen Staatsbankrott (Größenordnung und Counterparties unbekannt, da dieser MArkt 1,5 Jahre nach Lehman/AIG immer noch nicht reguliert ist. Wollen Sie auf die Zahlungsfähigkeit der Counterparties wetten?

    – Bemerkungen zur Eigenkapitalquote französischer Großbanken (Summe s.o) hab ich mitt erstmal verkniffen.

    Mutti + 100 Giga€-Schulden-Schäuble werden also nur zwei (äusserst unschöne) Alternativen haben:

    a) sie stellen aich nächste Woche hin und erklären dem dummen deutschen Steuerzahler, warum es nötig ist Griechenland zu retten
    … danach dann monatlich dasselbe für Portugal, Spanien usw..spätestens bei Irland oder Italien werden die Summen dann spannend

    oder

    b) wir hören von denselben Personen (mitten im NRW-Wahlkampf), warum es zum x-ten Mal notwendig ist, die systemrelevanten HRE+Landesbanken mit y (beliebigen 2 bis 3-stelligen Giga€ Betrag einsetzen) € zu retten. Neu dabei diesmal: deutsche Versicherungen. Die "Lasst-Griechenland-Pleite-gehen"-Fetischisten hier könnte man schonmal zur Diskussion über die Sicherheit deutscher Altersvorsorgen einladen.

    Randbemerkungen/Gedanken:
    Wenn man schon die Schweizer Banken (Betrag s.o)nebenbei mitrettet, könnten die nicht bei der Verfolgung von deutschen Steuerstraftaten etwas kooperativer sein?

    Die Mega-Debatte nebenan im Forum, ob das aktuelle Hartz 4-Urteil jetzt evtl. 1,2 oder 5 MRD Mehrkosten verursacht oder nicht , ist angesichts der jetzt wieder auftauchenden Zahlen für Bankenrettungen irgendwie niedlich.

    Grüße Tera€

  5. […] Griechenland hat Recht auf Schulden-Flatrate Für die deutschen Politiker wird es bekanntlich nicht einfach dem gutmütigen deutschen Wähler die Finanzhilfen an Griechenland schmackhaft zu […]

  6. […] nach dieser Nummer (und der Tatsache, dass alle reichen Griechen ihr Geld aus dem Land schaffen) noch für Staatshilfen an Griechenland ist, der ist schmerzbefreit und an einer […]

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