Neue Deflation in den USA?

Barack Obama hat den Banken den Kampf angesagt. Es soll wieder eine Trennung von Investmentbanken und Banken mit Einlagen eingeführt werden. Die Idee dahinter ist einfach: Kein Hahn würde einer Invesmtentbank nach krähen. Nur wenn eine Bank mit Einlagen einfacher Bürger pleite geht, dann kostet das den Politikern Stimmen und der Staat wird erpressbar.

Die Investmentbank sollen durch den Vorstoß die implizite Staatsgarantie verlieren. Damit können diese sich schlechter refinanzieren und müssen einen geringeren finanziellen Hebel haben. Ein geringerer Hebel heißt aber auch geringere Geldschöpfung und damit eine schrumpfende Geldmenge. Das hat den Vermögenswerte nicht gut getan und auch die Kreditrisiken steigen wieder. Aber die erwartete Inflationsrate ist noch nicht gefallen.

Im folgenden Graphen ist die erwartete US-Inflationsrate in den nächsten zehn Jahren über den zehnjährigen CDS-Spread aufgetragen. Die Idee ist: Hohe Inflationsraten machen es dem Staat einfacher seine Schulden zurück zu zahlen. Daher sollten hohe Inflationsraten mit geringeren Kreditzinsen korreliert sein und niedrige Inflationsraten zu erhöhten Staatsbankrottrisiko führen.

Staatsbankrott oder Inflation?

Staatsbankrott oder Inflation?

Wie man erkennen kann ist die Beziehung dem ersten Augenschein nach tatsächlich gegeben. Wenn die rote Ausgleichsgerade als Gleichgewichtszustand ansieht, so sind wir derzeit etwas davon entfernt. Das heißt: (1) Entweder die USA drucken noch ein paar Dollars mehr (z.B. in dem Obama von seinem Plan wieder Abstand nimmt und den Banken weiter Geld schenkt) und der Credit Spread sinkt wieder. Oder (2) die implizite Inflationsrate in den inflationsindexierten Staatsanleihen wird fallen.

2 Antworten zu Neue Deflation in den USA?

  1. nigecus sagt:

    Ich denke nicht, dass die „alte“ Trennung von klassischen Banken (Spareinlagen, Kreditvergabe) und Investmentbanken die Erpressbarkeit senkt.

    Die Investmentbanken vergeben ja Risikoabsicherungsinstrumente an Banken (nicht nur an Unternehmen und andere Investmentbanken). Im Counterparty-Risk würde die Pleite einer Investmentbank dann trotzdem voll durchschlagen. An AIG sieht man, dass es dafür noch nicht mal den schicken Namen „Investmentbank“ bedarf. Die Stärke der Verflechtung über Derivate und Eventualverbindlichkeiten ist entscheidend. Dafür müsste man die Bilanzierungsregeln extrem verändern und eine Art Echtzeit-Reporting für die Finanzaufsicht einführen. Da sowas eher eine Vision ist – Banken sind lahme bürokratische Monster – wird das eher nichts.

    Das mit der Geldschöpfung ist doch klasse. Dann fällt das Geldrucken der Staaten nicht so stark ins Gewicht.

    Meist du wirklich Deflation? Kaufzurückhaltung und so? Der „Sparfuchs-weil-ich-eh-schon-alles-habe“ ist beim noch nicht ausgebrochen. In Deutschland sehe ich kleine Deflation? Die meisten Warenkorbpreise sind im Weltvergleich niedrig, weil Deutsche so entsetzlich geizig beim Kaufen sind – Wohin soll da noch was fallen?

    Hübscher Graph (Bist du VWLer?).

  2. ketzerisch sagt:

    Ob in den USA Deflation auftritt, da bin ich skeptisch. Der Vorteil des Gelddruckens erscheint zu groß angesichts des hohen Anteils an Ausländern bei den Haltern von Schuldverschreibungen. Andererseits will Obama jetzt ja sogar sparen….

    Für die EU denke ich ist die Deflations“gefahr“ (ich finde das nicht wirklich schlimm) deutlich höher. In Irland und den baltischen Staaten wurden schon Löhne gekürzt, Portugal und Griechenland werden da auch aktiv werden müssen. Das kann schon zu einer Lohn-Preis-Spirale werden. Für Deutschland selbst derzeit eher nicht, weil die Deutschen eine hohe Wettbewerbsfähigkeit haben und weniger Strukturveränderungen nötig erscheinen. Andererseits haben wir ja die Schuldenbremse, die für sich genommen schon den finanziellen Hebel im System senken sollte und damit tendenziell deflationär wirkt.

    Das Trennungsgebot fände ich schon eine Verbesserung, wenn auch nicht die beste Lösung – und wie Du schreibst auch keine ausreichende. Die Lösung sehe ich immer noch in den Debt-Equity-Swaps zur Beschleunigung der Insolvenzverfahren.

    Nee, kein VWL. Aber ich habe als Physiker jahrelang im Risikomanagement verschiedener Banken gearbeitet. Derzeit arbeite ich im Commodity-Trading, machen einen Doktor in Finance und berate Vietnam in Sachen Finanzmarktstabilität.

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