Regulierung von Ratingagenturen

Die Bundesregierung will Ratingagenturen regulieren. Es gibt ein paar Sachen, die sicherlich der Branche gut tun würden. Zum Beispiel ist ein Verbot die zu bewertenden Kunden gleichzeitig auch zu beraten eine echte Verbesserung. Es gibt aber auch Vorschläge, die sind völlig neben der Spur. Zum Beispiel kann ich nicht erkennen, warum ein Unternehmen wegen neuer Ratingmethoden zwangsläufig ein neues Rating erhalten sollte. Neue Ratingmethoden mögen ein neues Rating wahrscheinlicher machen, aber es ergeben sich nicht zwangsläufig neue Ratings.

Auch andere Sachen passen nicht so richtig: Werner Neus, Professor an der Universität Tübingen, darf bei Spiegel-Online hierzu zum Besten geben:

Letztlich geben Rating-Agenturen nur Prognosen auf Insolvenzwahrscheinlichkeiten von Schuldnern ab. Dass sie sich dabei zum Teil irren, ist unvermeidlich.

Nein, Rating-Agenturen geben keine Prognosen für Insolvenzwahrscheinlichkeiten ab. Wird zwar oft behauptet, ist aber trotzdem falsch. Die Rating-Agenturen geben den Unternehmen nur eine Note von AAA bis C. Diesen Noten sind aber keine Ausfallwahrscheinlichkeiten zugeordnet. Die Ratingenturen veröffentlichen lediglich Zählungen, wie viele der Kunden mit den Ratings in der Vergangenheit ausgefallen sind. Das ist aber keine Prognose über die Zukunft, weil die Ausfallraten in den Jahren stark schwanken. Aber es wäre wohl eine Verbesserung, wenn die Ratingagenturen zukünftig gezwungen wären Aussagen über die Ausfallwahrscheinlichkeit zu treffen.

Auch an anderer Stelle ist Spiegel-Online schlecht informiert:

Die aber gibt es nicht. Die drei großen Rating-Agenturen – Moodys‘, Standard & Poor’s und Fitch – sitzen allesamt in den USA und verteidigen ihr Oligopol eisern. Der Aufbau einer wettbewerbsfähigen europäische Rating-Agentur, den viele Experten fordern, ist deshalb entsprechend schwierig zu realisieren.

Da kann man natürlich nichts machen, weil die Amis ja nicht auf uns hören. Klingt toll, stimmt aber nicht. Fitch ist eine europäische Ratingagentur. Sie hat in London ein zweites Hauptquartier neben New York und gehört im übrigen mehrheitlich einer französischen Holding.

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5 Responses to Regulierung von Ratingagenturen

  1. 40stunden sagt:

    Was eine europäische Rating-Agentur angeht, könnte der Gesetzgeber doch sehr leicht eingreifen. Er müsste den europäischen Banken einfach vorschreiben, dass sie in Europa erstellte (und damit regulierte) Ratings für die Risikobewertung verwenden müssen.

  2. nigecus sagt:

    Du hast zwar Recht, dass die Ratingagenturen im quantitativen Teil nur mit historische Daten arbeiten (=Keine Prognose), aber im qualitativen Teil lassen die Ratingagenturen schon subjektive Erwartungen in die Buchstabenvergabe einfließen. Daher sollen die Buchstaben schon die Erwartete Ausfall-/Insolvenzwahrscheinlichkeit (S&P, Fitch) und Erwarteter Verlust/Insolvenzkostennsatz (Moodys) aussagen. Jedoch wird keine der Ratingagenturen sagen sie würden prognostizieren wegen möglicher Haftungsangelegenheiten. Zweitens, weiß man nie wieviel subjektive Erwartung im Rating eines Wertpapier konkret drinsteckt. Drittens, sind Ratings praktisch immer lagging, also laufen immer Monate hinter Marktbewertungen hinterher, sprich „wenn sicher ist, dass das Kind in den Brunnen gefallen ist, und auch wirklich auf den Boden geklatscht ist“.

    Meiner Meinung sind Ratings ein guter Anker, aber man sollte damit nicht versuchen den „zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen“ eines Wertapiers zu ermitteln. Es ist per se Schwachsinn Ratings gesetzlich vorzuschreiben – außer für Ratingagenturen die damit für sicch eine risikolose Einkommensquellen erschlossen haben.

    Klar ist, dass dieser Interessenskonflikten mit Beratungsangebot für die Strukturierung und das Erstellen von Ratings dafür garnicht in Ordnung ist. Ist wie Arthur Andersen ’s Testate für Enron und ihre parallele IT-Beratung (heute: Accenture). Gerade weil Ratings (obwohl es Schhwachsinn ist) über Basel II gesetzlich vorgeschrieben sind, darf es bei Ratingagenturen (ähnlich wie bei Wirtschaftsprüfern) keine Interessenskonflikte geben.

    Die Unternehmen sind eben bestimmt sauer, weil ihre Ratings so schlecht … Das Gemeine bei Ratings ist, dass ihre Änderung mit asymmetrischen Lags erfolgt: Abwertung kommen rascher als Aufwertungen (ähnlich wie US-GAAP). Aber auch ein simpler Blick auf die Kapitalstruktur, dem Geschäftsmodell, und Umsatzaussichten würde höchstwahrscheinlich dann genauso unschön aussehen wie der Blick auf einen hohen Buchstaben => Unter’m Strich ist die Risikoprämie dann ähnlich hoch. Das schlimme daran wäre für das Unternehmen, dass die kreditgebene Bank sich dem dann auch noch bewusst ist…

  3. ketzerisch sagt:

    [Aussagekraft der Ratings]
    Das zu hatte ich mit Moody’s eine längere Diskussion. Ist es so, dass sie versuchen das Kreditrisiko nach erwarteten Verlust in eine Reihenfolge zu bringen. Sie tun dies aber auf einer rein ordinalen und nicht auf einer kardinalen Skala. Schaut man sich die historischen Ausfallraten an, so erkennt man insofern eine gewisse Kardinalität, als dass sich die Rate annähernd exponentiell erhöhen. Allerdings wird Moody’s nach eigener Einschätzung bei einer Neuigkeit, die das Kreditrisiko aller Kunden im gleichen Maße betrifft, keine Rating anpassen. Wäre es eine kardinale Skala, so müssten sie ggf. alle Kunden um einen Notch nach unten korrigieren bei entsprechend schlechten Nachrichten.

    Ansonsten stimme ich Dir zu, dass das Rating kein Kaufkriterium sein sollte. Leider gibt es viele Fonds o.ä. die Anlagebeschränkungen bezüglich des Ratings haben. Teilweise weil sie Pensionsfonds sind, teilweise weil es sich im Verkaufsprospekt bei den Omis besser macht.

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