Erwartete Ratingänderungen

Ich bin ja der Meinung, dass CDS-Spreads Staatsausfälle besser prognostizieren können als die Ratings der Agenturen. Schon allein deswegen, weil die Markteilnehmer die Agenturratings ja kennen und sie daher in ihre Spreadberechnung einfließen lassen können. Insbesondere denke ich, dass Spreads schneller auf neue Informationen reagieren. Das habe ich hier mal dazu benutzt Ratingveränderungen zu prognostizieren,

Das Verfahren ist einfach. Ich übersetze alle S&P-Ratings in Zahlen (AAA=1, AA+=2, etc.) und erkläre die per Regression aus den Logarithmen der Credit-Spreads. Das geht gut mit einem linearen Model und einem R² von 76%.

Jetzt errechne ich den Unterschied zwischen Modell-Rating und echtem Rating. Ist das Modell-Rating schlechter als das echte, so droht dem Land vermutlich ein Downgrade. Anders herum ist eine Heraufstufung des Schuldners drin. Das hier bekomme ich raus:

Downgrade erwarten dürfen

  1. Abu Dhabi von AA auf BBB+
  2. Irland von AA auf BBB+
  3. Venezuela von BB- auf CCC+
  4. Großbritannien von AAA auf A+
  5. Spanien von AA+ auf A
  6. Österreich von AAA auf AA-

Nebenbei: Griechenland würde bei BBB liegen.

Über Ratingverbesserungen dürften sich freuen:

  1. Panama von BB+ auf A-
  2. Indonesien von BB- auf BBB
  3. Türkei von BB- auf BBB
  4. Philippinen von BB- auf BBB
  5. Marocco von BB+ auf A

Fazit: Die Entwicklungsländer holen auf und Europa leidet. Die USA hätten nach dem Verfahren ein AA+ verdient. Deutschland weiterhin die Topnote AAA. Die Schweiz lediglich ein AA.

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3 Antworten zu Erwartete Ratingänderungen

  1. eknanreb sagt:

    Der Einsatz von Spreads als Schätzer für die Ratings wird von den Ratingagenturen bereits unter dem tollen Namen „market implied ratings“ eingesetzt. Einfluss auf die veröffentlichten Ratings der Agenturen hat dies nicht, da man laut eigenen Aussagen „die Kreditwürdigkeit auf fundamentaler Basis“ darstellt. Hat nicht ganz geklappt…
    Zu den Spreads muss natürlich gesagt werden, wie die massiven Eingriffe in den Bondmarkt diese in Ländern wie UK und USA künstlich niedrig halten, so dass die Spreads hier die Ratings eher nach oben verzerren, was durchaus gewollt sein dürfte.

  2. […] auf BBB reduziert. Sie folgen damit Fitch, die den Schritt schon Ende November vollzog. Auf unserer Top-5-Liste der erwarteten Ratingänderungen stand Mexiko nicht, denn wir haben keine CDS-Spread für das Land in unserer List. Dort habe ich […]

  3. nigecus sagt:

    Ratings sind generell besser als garnichts. Wahrscheinlich wäre es auch besser die Begründungen von Ratings zu lesen. Ansonsten sind eigene Modelle immer besser. Marktspreads sind auch toll aber ich bin mir sicher dass man die nicht 100%-ig in Ausfallwahrscheinlichkeiten übersetzen kann.

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