Hamburger Schulreform: Alles verrückt

Die Pisa-Studie hat viel Schwächen im deutschen Schulsystem aufgedeckt. Eine wesentliche ist die starke Sortierung der Kinder nach sozialer Herkunft statt nach Leistungsvermögen in die weiterführenden Schulen. Sind die Eltern arm und ungebildet, so bekommt der Schüler eher eine Hauptschulempfehlung. Dieser Einfluss ist größer als das individuelle Leistungsvermögen des Kindes. Grund ist nicht, dass die ungebildete Eltern die Kinder aus Ignoranz bei der Hauptschule anmelden, Grund ist, dass die Grundschullehrer das fehlerhaft empfehlen. Insofern mutet es absurd an, dass in der Hamburger Schulreform nun gerade diese Empfehlung verbindlich gemacht werden soll. Dann könnten ungebildete Eltern nicht einmal mehr Eigeninitiative gegen die falsche Empfehlung ergreifen.

Wenig überraschend gibt es großen Widerstand gegen die Schulreform. Ausgangspunkt der Kritik sind die Profiteure des alten Schulsystem. Die gutsituierten und gebildeten Eltern. So ist denn auch nachvollziehbar, dass der zentrale Kritikpunkt der Eltern an der Schulreform nicht etwa die o.g. Zementierung der Selektion ist. Nein, der Kritikpunkt ist das die falsche Selektion nicht mehr weit genug geht, weil die Grundschule sich nach der Reform über sechs Jahre erstrecken soll. Dabei ist das genau die richtige Antwort auf Pisa, denn die Daten zeigen:

Dabei liege das Risiko, in Folge einer falschen Grundschulempfehlung einer nicht geeigneten oder zu hohen Schulform zugewiesen zu werden, um ein Vielfaches höher als aufgrund überhöhter Bildungsansprüche der Eltern. Der Studie zufolge ist dabei nicht mangelnde Kompetenz der Grundschullehrer Grund für die falschen Empfehlungen. Autor Block verweist vielmehr auf die grundlegende Tatsache, dass sich das Leistungsvermögen Zehnjähriger und deren weitere Entwicklung nicht hinreichend sicher einschätzen und voraussagen lässt.

Da macht es doch Sinn, die Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt der Kindesentwicklung zu verschieben. Naja, Sinn machte es für die Kinder ungebildeterer Eltern. Leistungsschwache Kinder gebildete Eltern hätten eine höhere Wahrscheinlichkeit auf in der Realschule oder der Hauptschule zu landen. Für viele dieser Eltern ein unerträglicher Gedanken. Und daher wurden die Unterschriften für die Volksabstimmung gegen die Schulreform auch vor der Musikhalle gesammelt und nicht im Problemviertel Mümmelmannsberg.

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