Hamburger Schulreform, die Reaktion formiert sich.

Die Geburt des Menschen aus Strauss Zarathustra gehört zu den beeindruckensten und erhabensten Eröffnungen eines klassischen Stückes. Gleichsam aus dem Nichts heraus schwillt der Ursprung an, um mit Trompeten und Schlagwerk endlich zu gebären sich ins Leben zu öffnen. Dieses Stück ist tatsächlich musikgewordener schöpferischer Nihilismus. Die meisten werden es aus dem Beginn von Kubricks 2001 kennen, andere vermutlich wenigstens noch aus Werner-Beinhart. Gestern Abend wurde es vom NDR-Sinfonieorchester in der Hamburger Laiezhalle vor fast vollem Hause gegeben. Der Abend hatte allerdings einen recht bizarren Prolog.
Während das wohlsituierte Bürgertum eiligst aus der Kälte kommend in die Halle eilte, sammelten der äußeren Erscheinung nach ähnlich situierte Bürger Unterschriften für ein Volksbegehren gegen die Schulreform von Schwarz-Grün. (Genauer: für die Abstimmung über die Schulreform als Volksentscheid). Der Kontrast zwischen wahlweise grünem oder sandfarbenem Mantel, Burberry Schaal und einer durch und durch bürgerlichen distanzierten Gestalt und den darüber baumelenden Brustschildern wirkte lächerlich. Die schulpolitische Reaktion lässt sich herab und sammelt Unterschriften, wer hätte das gedacht. Aber immerhin hat sie nachgedacht: Sie sammelt Unterschriften vor den Versammlungs- und Weihestätten des Bürgertums. Direkt neben dem Penner, der um Geld schnorrt und dem Hinz- und Kunz-Verkäufer, der es ebenfalls auf mein Kleingeld abgesehen hat. Politik kann so schön gleich machen. Bin schon gespannt zu welchen Blüten es die Sorge um den Gymnasialplatz des eigenen verzogenen Wohlstandsprößlings als näcshtes treibt.
Mit dem Aufbruchsphatos des anschließenden Stückes hatte diese Initiative jedenfalls nichts zu tun. Es ist eher dumpfer Fidelio-Konservatimus, was diese „alten Menschen“ da wollen.

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2 Antworten zu Hamburger Schulreform, die Reaktion formiert sich.

  1. ketzerisch sagt:

    Ich war gerade bei IKEA. Da wird auch gesammelt.

  2. […] gegen die Schulreform. Ausgangspunkt der Kritik sind die Profiteure des alten Schulsystem. Die gutsituierten und gebildeten Eltern. So ist denn auch nachvollziehbar, dass der zentrale Kritikpunkt der Eltern an der Schulreform […]

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