HSH Nordbank: Das Omertà ist gebrochen

In der Sprach der Mafiosi beschreibt das Omertà ein Schweigegelübte. Kein Mafiamitglied darf mit Außenstehenden über Interna der Mafia sprechen. Oft leugnen die Mitglieder die Existenz der Mafia völlig. Das Omertà gilt auch innerhalb der Mafia. Mafiosi in unteren Hierachiestufen erhalten nur sehr begrenzt Informationen. Nicht mehr als notwendig. Damit verhindert die Mafia, dass einer auspackt. Wenn aber eine Gangster aus der Führungsriege auspackt, dann bricht alles zusammen.

Bei der HSH Nordbank hat ein Manager der Londoner Niederlassung, Luis Marti-Sanchez, ausgepackt. Er hat umfangreiche Unterlagen an die Polizei übergeben. Marti-Sanchez ist freilich selber kein Kind von Traurigkeit und er dürfte sehr detailliertes Material haben. Nun wächst der Druck auf andere Führungskräfte auszupacken, um – falls sie sich etwas zu schulden kommen lassen haben – mit Straferleichterung oder gar Kronzeugenregelungen zu profitieren. Ein klassisches Gefangenendilemma. Just das, was die Mafia mit dem Omertà versucht zu verhindern.

Der NDR scheint das weidlich auszunutzen. Ihm sind augenscheinlich interne Briefe und Emails zugespielt worden, die kein gutes Licht auf die Intention der Entscheider bei der HSH Nordbank werfen. Der berüchtigte Omega-Deal ist offensichtlich absichtlich vor der Aufsicht versteckt worden. In eigens von der Aufsicht angeforderten Aufstellungen hat die HSH ihn unterschlagen. Selbst Aufforderungen des Geschäftspartners, BNP Paribas, den Deal offen zu legen, hat die HSH trotz schriftlicher Zusagen in den Wind geschlagen. Grund:

Ein Schreiben der Bankenaufsicht BaFin geht bei der HSH ein. Sie verlangt ultimativ Aufklärung über die Milliardenverkäufe, von denen sie aus der Presse Wind bekommen hat. Wenn die BaFin aber von „Omega 55“ erfahre, darauf haben schon die bankeigenen Risikoexperten hingewiesen, könnte das Scheingeschäft platzen: Die BaFin könnte vorschreiben, dass die HSH das dringend benötigte Geld weiterhin als Risikovorsorge zurücklegen muss. Es wird hektisch in der Landesbank.

Das nenne ich Bilanzbetrug. Gedeckt wurde das augenscheinlich auch von der hauseigenen Rechtsabteilung:

E-Mail Rechtsabteilung an Filiale London, mit Kopien an Kapitalmarktvorstand und Justiziar, Betreff: BNP-Geschäft, ÄUSSERST EILIG. „Wir sollten jegliche feste Verpflichtung bei dieser Sache vermeiden, da wir nicht beabsichtigen, die BaFin über diesen Deal zu informieren.“

Die HSH hatte zuvor gemeldet, dass es nur ein „Versehen“ war die Transaktion nicht zu melden. Die Wahrheit freilich ist, dass die ganze Transaktion nur Sinn macht, wenn man nicht vor hat sie zu melden. Es ging von vorne herein nur, die Bank besser darzustellen als sie ist. Kurz: Um Bilanzfälschung.

Das scheint auch die Staatsanwaltschaft so zu sehen. Sie haben jetzt nicht mehr nur Vorermittelungen, sondern „den Anfangsverdacht der Untreue„.

Update
Focus meldet neue Enthüllungen. Laut Marti-Sanchez war der Omega-Deal nur einer von sieben Transaktionen zur Verschleierung der wahren Eigenkapitalquote.

3 Antworten zu HSH Nordbank: Das Omertà ist gebrochen

  1. nigecus sagt:

    Gegen welches Gesetz hätten dann unsere Window Dresser von der HSH verstoßen?

    • ketzerisch sagt:

      Hmmm, ich bin kein Jurist. Aber mein Rechtsverständnis sagt mir, dass eine Bank die Eigenkapitalquote nicht besser darstellen darf als sie ist. Die BaFin wird nicht umsonst nach einer Aufstellung aller Immobilienrisiken gefragt haben. Der Staatsanwalt ermittelt wegen Untreue.

      Das hat in meinen Augen eine andere Qualität als das typische Sparkassen-Jahresend-Window-Dressing, wenn ich die Sparkassen noch mal schnell ein paar Bonds über den Jahreswechsel hinweg kaufen, damit sie eine größere Bilanzsumme als die Nachbarsparkasse haben.

    • ketzerisch sagt:

      Es ist aber eine gute Frage, ob es nicht vielleicht sogar legal ist die BaFin anzulügen. Wenn es so ist, dann bräuchte man sich über nicht funktionierende Regulierung nicht mehr zu wundern.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: