Sarrazin ist kein Rassist

Eigentlich wollte ich mich in dieser Causa auch zurückhalten. Zu sehr ist Debatte entschwunden in den Bereich gegenseitiger Beleidigungen, Polemik und Unsachlichkeit. Ich frage mich wirklich, ob die Beteiligten am Ende noch wissen, wer genau sich bei wem wofür entschuldigen muss. Ich will in diesem kurzen Beitrag auch nicht auf das ganze Interview eingehen, es unterlag vermutlich einer Exegese, wie Sie sich Steinmeier für seinen „Deutschlandplan“ erhofft hätte und wie es kaum ein anderes in jümgster Zeit hatte. Analysen sind an anderen Stellen von klügeren Köpfen nachzulesen. Auch bemüht sich der Blätterwald nach Empörung, Rücktrittsforderung, Unterstützung (Spiegel und FAZ) nun zur Sachlichkeit überzugehen und Fakten und Zahlen zu liefern. Mir geht es hier nur um den meiner Meinung nach unlauteren Rassismus Vorwurf.
Sarrazin selbst bemerkt, dass einige seiner Äußerungen sehr „stammtischnah“ seien und genau da liegt das Problem. Diejenigen, die bei Sarrazin Rassismus sehen wollen, interpretieren bei jede Nennung einer Volksgruppe völkisch und rassistisch. Für sie sind die Türken, Araber, Deutschrussen, Chinesen, Juden und welche Worte da sonst noch so vorkommen Rassen, die dann wohl auch streng abgegrenzt werden. Das ist ungefähr das alte deutsche Staatangehörigkeitsrecht.
Die andere Variante lässt es zu, die Nennung dieser Namen als Kulturkreise zu sehen. Dann mag es sich für einige immernoch um kulturellen Chauvinismus handeln, mehr aber auch nicht und so argumentiert Sarrazin. Das ist von einem biologistisch-sozialdarwinistschen Rassenbegriff soweit entfernt, wie die Debatte von Sachlichkeit.
In keiner Silbe dieses Interviews lässt sich herauslesen, dass Mitbürger türkischer Herkunft weniger Chancen hätten, weil sie das „Türkengen“ in sich tragen, es geht um die Problematik des Kulturkreises, der sozialen Schicht.
Der im vorrangegangen Artikel zitierte Teil, der Rassimus belegen soll ist eine Verknüpfung von Ausführungen auf unterschiedliche Fragen. Satz 1 stammt aus Ausführungen zu unterschiedlichen Geburtenraten von Migranten, Satz 2 aus Ausführungen zu unterschiedlichen Geburtenraten unterschiedlicher sozialer Schichten. Das die soziale Herkunft leider die Bildungschancen beeinflusst ist wohl mittlerweile common Sense…? Die Sätze so zu verknüpfen ist schon Manipulation.

„Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate.“ Da sie aber nicht intelligent seien, gefällt Sarrazin das nicht. „Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich.“ Derzeit falle „der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich“.

In dieser Debatte sollte der Säbel jetzt mal wieder eingesteckt werden und es müssen zahlen und Konzepte auf den Tisch, damit es bald mehr „türkische Anwälte, türkische Ärtzte, türkische Ingenieure“ (und auch aus anderen kulturkreisen) gibt.

5 Antworten zu Sarrazin ist kein Rassist

  1. ds sagt:

    Immerhin gibt es hier bei Verlorene Generation Autoren, die wesentlich reflektierter und sachlicher argumentieren (können) und sich nicht von ihrer eigenen Meinung blenden lassen, wie es andere tun (dies ist konstruktiv gemeint).

  2. yuri sagt:

    Zustimmung zu „ds“.

  3. Michael sagt:

    Es ist ja wahr, dass er viele wichtige Dinge sagt, die sonst viel zu selten Thematisiert werden. Und wenn ich solche Zahlen lese bekomm ich einen Schock.

    Aber sein Gerede über Intelligenz und Begabung macht das alles wieder kaputt. Das Integrationsproblem hat nichts mit Intelligenz zu tun – und schon gar nicht mit erblicher Intelligenz und Begabung. Man muss auch nicht „besonders Intelligent“ sein um das einzusehen. Die Hälfte aller Deutschen sind unterdurchschnittlich intelligent – gibts mit „denen“ ein Problem?

    • ketzerisch sagt:

      Ja, das Problem ist, dass Sarrazin wegen seiner These („mangelnde Intelligenz ist das Problem“) zu falschen Schlüssen kommt und damit das Ziel einer verbesserten Integration nicht befördert.

  4. ketzerisch sagt:

    „Der Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky erzählt von einer Araberfrau, die ihr sechstes Kind bekommt, weil sie durch Hartz IV damit Anspruch auf eine größere Wohnung hat. Von diesen Strukturen müssen wir uns verabschieden. Man muss davon ausgehen, dass menschliche Begabung zu einem Teil sozial bedingt ist, zu einem anderen Teil jedoch erblich. Der Weg, den wir gehen, führt dazu, dass der Anteil der intelligenten Leistungsträger aus demographischen Gründen kontinuierlich fällt.“

    Herr Sarrazin unterstellt klar, dass die Frau unintelligente Kinder gebärt. Ferner unterstellt er ihr, dass sie selbst unbegabt ist, nur weil sie von Harz IV lebt und Araberin ist (andere Merkmale sind nicht genannt).

    Auch hier: „Die Araber und Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig.“

    Die Kinder der Türken und Araber sind gar nicht fähig sich zu integrieren. Das ist, was ich für eine wenig hilfreiche Analyse der Integrationsprobleme halte. Natürlich sind die Kinder fähig sich zu integrieren. Sie müssen sich nicht einmal integrieren, weil sie als Kind gar nicht von außerhalb kommen und frei formbar sind. Man muss ihnen nur die Chance geben an der deutschsprachigen Gesellschaft teilzunehmen (zum Beispiel durch Kindergartenpflicht ab 3).

    Herr Sarrazin zieht aus der vererbten Dummheit seinen Pessimismus, dass die Probleme unlösbar sind („An das eine erinnern sich die Leute nicht mehr, und das andere muss sich auswachsen. Berlin wird niemals von den Berlinern gerettet werden können.“, „Unsere Bildungspopulation wird von Generation zu Generation dümmer.“)

    Ansonsten finde ich die von Sarrazin vorgeschlagenen Maßnahmen („Abschaffung von Sozialleistungen“) gar nicht schlecht.*) Nur bitte nicht nur für Migranten wie er es fordert, sondern für alle. Obwohl… ich würde mich als Migrantenkind gleich auf meine ausländischen Wurzeln besinnen und mich von allen Sozialabgaben befreien lassen. Das wäre schon verlockend. Oder soll ich zahlen ohne was im Ernstfall etwas zu erhalten? :-)

    ‚) Ich würde aber für eine Bürgergeld plädieren, dass fürs Überleben reicht.

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