Das vietnamesische Bankensystem: Eigenarten

Nach nun fast zwei Wochen in Vietnam habe ich viel über die hiesigen Banken gelernt. Einige Dinge sind anders als in Deutschland strukturiert. Ich überlege noch, ob ich es besser oder schlechter finden soll.

Eigentlich bin ich hier, um den vietnamesischen Banken ein paar Dinge über Zinsrisiko und das Management desselben zu erzählen. Der Entwicklungsstand der Banken hier ist höchst unterschiedlich, so das die entsprechenden Seminare einen Abriss der Geschichte des Zinsrisikomanagements von den 79ern bis heute ist.

Dabei habe ich festgestellt, dass viele vietnamesische Banken kaum nennenswertes Zinsrisiko in ihren Büchern haben. Der Grund ist, dass hier alles einem regelmäßigem (3 bis 6 Monate) Repricing unterzogen wird. Will sagen: Hier ist fast alles Floating. Nicht einmal die Marge ist fix. Kombiniert mit kurzfristiger Mittelaufnahme bei den Verbindlichkeit bleibt nicht viel Platz für Zinsrisiko.

Aber ganz so einfach ist es auch nicht. Hier hat nämlich nicht nur die Bank die Möglichkeit die Preise regelmäßig an neue Marktbedingungen anzupassen, sondern auch die Kunden können die Kredite jederzeit ohne Strafe tilgen und bspw. zu einer billigeren Bank wechseln. Eine solche Tilgungsoption birgt natürlich auch Zinsrisiko, da die Tilgungen vor allen bei fallenden Zinsen erfolgen dürfte. Bei steigenden Zinsen ziehen die Kunden dafür ihre Einlagen ab. Das geht nämlich auch Jederzeit.

Glücklicherweise sind die Durationen ohnehin kurz, wegen des ständigen Repricings. aber trotzdem ist es sehr kundenfreundlich. Das muss nicht schlecht sein für die Volkswirtschaft. Schlecht ist es nur, wenn man eine Bank ist.

Die Tilgungsoptionen sind schwierig zu preisen und das Zinsrisiko daraus ist schwierig zu messen. Da die Tilgungsoption auch gesetzlich festgelegt ist, kann das Risiko auch nicht innerhalb des Bankensystems verlagert werden. Es haben ja alle Banken das gleiche Problem.

So, jetzt gibt es noch ein Feature, bei dem ich stark zu einem „Nicht so gut“ tendiere. Es gibt eine Obergrenze für Zinsen. Diese liegt bei 150% des Zentralbankzinses, also aktuell bei 10,5%. Außer bei besonderen Retailkrediten dürfen keine höheren Zinsen verwendet werden. Das führt natürlich dazu, dass Kunden die weniger solvent sind einfach gar kein Geld mehr bekommen. Schlimmer noch, das Cap gilt auch im Interbankenhandel, so dass da die Liquidität völlig austrocknet, wenn der VIBOR über 10,5% steigt.

Aber auch für das Zinsrisikomanagement ist das ein Problem. Denn wenn Repricing ansteht, kann die Bank den Zins nicht über das Cap heben. Damit ist der Kredit bei steigenden Zins auf einmal ein Festzinskredit geworden. Ein Anpassen an den fairen Marktzins ist nicht möglich. Keine Ahnung, wie man dass in den Zinsmodellen berücksichtigen soll. Das geht eigentlich nur noch mit einer Monte-Carlo-Simulation.

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3 Responses to Das vietnamesische Bankensystem: Eigenarten

  1. nigecus sagt:

    Interessantes Problem. Die Caps führen darüber bestimmt zu Kredithaien, die ja auch Teil des Finanzsystems sind. Das mit der Tilgung finde ich gut, weil das ein Zeichen ist dass die Kunden tatsächlich Geldverdienen wollen. Den Banken würden via Mundpropaganda die Kunden weglaufen wenn sie denen ihr Wiederanlagerisiko aufschwatzen würden. Asiaten kalkulieren idR ziemlich genau wenn es um Geld geht. Ist nicht so wie in der BRD wo man 110% Finanzierungen an den kleinen Mann verticken kann.

  2. MaxR sagt:

    Die Schlußfolgerungen bzgl der Obergrenze versteh ich nicht wirklich.
    Der Zentralbankzins wird doch auch an Marktgegebenheiten angepaßt?

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