Vietnam, Ho Chi Minh Stadt: Verschiedenens

Aktuell befinde ich mich gerade in Ho-Chi-Minh-Stadt für ein Entwicklungshilfeprojekt zur makroökonomischen Stabilität Vietnams. Im Rahmen des Projekts helfe ich der Zentralbank von Vietnam bei Stabilisierung des Bankensystems insbesondere im Bezug auf Risikomanagement. Mein Einsatz beginnt erst Montag und ich werde sporadisch darüber bloggen. Jetzt kuriere ich erst einmal mein Jet-Lag aus und schreibe ein paar Zeilen über Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) und einen kurzen News-Scan aus Sicht einer vietnamesischen Zeitung.

Das ehemaligen Sài Gòn wurde nach „Befreiung Saigons“ durch die nordvietnamesischen Kommunisten in „Stadt des Erleuchtungbringers“ unbenannt, nach dem ehemaligen nordvietnamesischen Präsidenten „Ho Chi Minh“. Die Stadt stellt das lebhafte Zentrum des Landes dar. Die Stadt ist deutlich dynamischer als die Hauptstadt Hanoi. Bis zwischen 11 und zwölf Uhr abends aufgrund gesetzlicher Bestimmungen plötzlich Stille einkehrt, pulsieren die Straßen mit Leben.

Ich bin hier sehr gerne und habe wenige ähnlich mitreißende Städte erlebt. Vergleichbares eigentlich nur in Istanbul, New York und – schon mit Abstrichen – Hong Kong. Verglichen mit dem Landesdurchschnitt (820$ BIP/Einwohner) ist HCMC eine eher reiche Stadt. Viele ausländische Unternehmen haben durch Direktinvestitionen Geld in die Stadt gebracht und den Lebensstandard gehoben. Trotzdem liegt das Niveau deutlich niedriger als z.B. in Istanbul. Eine Haushälterin ist hier z.B. für unter 100$ pro Monat zu haben.

Die meisten Leute sind hier mit Motorroller unterwegs. Verglichen mit letzten Jahr hat die Zahl der Autos aber spürbar zugenommen, was die Stadt dem Verkehrsinfarkt näher gebracht hat. In der Rushhour auf den Hauptverkehrsadern geht (fast) gar nichts. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt hat weit über eine Stunde gedauert. Bei leeren Straßen wären es keine 20 Minuten.

So, hier noch ein kleiner Presse-Scan der englischsprachigen vietnamesischen Zeitung: „Viet Nam News“: Aufmacher ist ein Treffen auf Regierungsebene mit Neuseeland und Bedenken der Leute zu einem neuen Gesetz der Lebensmittelsicherheit. Prominent vertreten ist in mehreren Artikel auch die Schweinegrippe, mit dem Fokus sich dagegen impfen zu lassen. Bezüglich des Unsinns der Impfung wird kein Wort verloren, auch wenn die Impfung hier ja fast ein halbes durchschnittliches Monatsgehalt kostet. Es wurde sogar berichtet, dass es in China bislang 7000 Infizierte gab und davon kein einziger gestorben ist. Selbst das warf bei der Zeitung keine Fragen auf, ob eine Impfung aller Vietnamesen überhaupt sinnvoll sei.

Ein Artikel geht über eine Behördenaktion gegen unlizensierte Binnenschiffe. Diese machen wohl 90% aller Binnenschiffe aus. Ein Artikel, dass die Australier die US-Amerikaner in der CO2-Emission pro Einwohner überholt hätten. In der Rubrik „World“ geht es um Irak, Iran, die Spannungen zwischen Ungarn und der Slowakei, dem Grenzstreit zwischen Slowenien und Kroatien, das Hariri neues libanesischer Premierminister ist und das die SPD sich für eine Tobin-Steuer einsetzt. Desweiteren, Obamas Gedenkminuten zum 11. September, die Kreditgespräche zwischen IWF und der Türkei, die Hilfe von Südafrika an Zimbabwe und die Klimagespräche. Längere berichte über die OPEC und Norwegen

Ganz interessant unter „Business“: die Banken heben die Zinsen auf Goldeinlagen. In Vietnam kann man als Bürger auch Goldkonten haben. Diese werden aktuell mit 4,6% am kurzen Ende verzinst. Auch wenn da natürlich eine Risikoprämie mit drin ist, kann man sehen wie absurd niedrig die Zinsen auf Euro und Dollar derzeit sind. Die Realzinsen sind in US und Euro deutlich negativ und ein Garant für die nächste Blase an den Finanzmärkten. Auch finden sich noch ein paar Artikel zum fallenden Dollar.

Die vietnamesische Wirtschaft wächst dieses Jahr mit ca. 5,6%, aber die Ökonomen sind besorgt über die großen Lagerbestände. Der Index der Lagerbestände wuchs auf 24,6%. Das ist meiner Meinung nach ein prinzipielles Problem der Weltwirtschaft. Es wird wieder produziert, aber wird auch konsumiert?

Weiter im Presse-Scan: Maersk hat eine neue Schiffsroute zwischen Westküste USA und der Südküste Vietnams eingerichtet.

Die Anzahl der Immobilientransaktionen in Vietnam ist dramatisch gefallen, weil ein neues Gesetz erlassen wurde. Das Gesetz schreibt vor, dass eine Grundbucheintrag auf ein Haus und das zugehörigen Grundstück nur gemeinsam eingetragen werden kann. Vorher war es so, dass ein Haus und das Grundstück auch verschiedenen Personen gehören kann. die Behörden beschweren sich, dass sie noch keine Informationen erhalten hätten wie der neue gemeinsame Grundbucheintrag auszusehen hat. Daher ist nicht klar, ob der Einbruch aus der langsameren Verarbeitung der Behörden oder durch Rückgang des Interesse an den Transaktionen resultiert.

Im Sportteil: Eine Seite und eine halbe zur US Open, Zweidrittel einer Seite zum heutigen Bundesligaspieltag mit besonderem Fokus auf Miroslav Klose und ein Drittel zur spanischen Liga mit Fokus auf Iniesta. Kleine Seitennotiz, dass der HSV unter der Verletzung von Guerrero leidet.

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One Response to Vietnam, Ho Chi Minh Stadt: Verschiedenens

  1. […] vietnamesische Bankensystem: Eigenarten Nach nun fast zwei Wochen in Vietnam habe ich viel über die hiesigen Banken gelernt. Einige Dinge sind anders als in Deutschland […]

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