Neue Gedanken zur Inflationserwartung

In unregelmäßigen Abständen veröffentliche ich hier immer die Markterwartungen der Inflationsraten. Hier ein Update aufgehübscht mit einer neuen Analyse.

Das folgende Diagramm zeigt die Renditen der nominalen und die inflationsindizierten US-Staatsanleihen. Der Renditeunterschied gibt ungefähr die Markterwartung der Inflationsrate an. Hier für einen Zeitraum von fünf Jahren. Deutlich erkennbar, dass die erwartete durchschnittliche jährliche Inflationsrate in den kommenden fünf Jahre seit Juni etwa bei 1,3% liegt.

Erwartete 5jährige Inflationsrate

Erwartete 5jährige Inflationsrate

Allerdings zeigt die folgende Zeitstruktur der Inflationserwartung, dass danach, im Zeitraum von Jahr 5 bis Jahr 7 ab jetzt, eine deutlich höhere Inflationsraten von fast 3% eingepreist ist. Der Markt erwartet also steigende Inflationsraten. Sorgen von Hyperinflation sind aber hiernach unbegründet. Auch in den Jahren 7 bis 20 liegt die Erwartung nur bei 2% bis 2,5%.

Dollar-Inflations-Zeitstruktur

Dollar-Inflations-Zeitstruktur

Ein Land, das sich nur in eigener Währung verschuldet hat, kann nur bankrott gehen, wenn es (warum auch immer) darauf verzichtet einfach Geld zu drucken. Wenn Geld gedruckt wird, dann ist die Inflationserwartung hoch. Dann sollte aber die Ausfallwahrscheinlichkeit niedrig sein. Daher erwarte ich eine negative Korrelation zwischen erwarteter Inflationsrate und entsprechendem CDS-Spread. Wie folgender Graf zeigt, liegt diese scheinbar auch tatsächlich vor. Das Bestimmtheitsmaß einer entsprechenden linearen Regression liegt bei knapp 70%

Staatsbankrott oder Inflation?

Staatsbankrott oder Inflation?

Die blaue Linie zeigt die die Entwicklung der beiden Werte seit Januar 2008. Klar erkennbar sind die fallenden zehjährigen Inflationserwartungen bis etwa Dezember 2008. Diese gingen mit kontinuierlich steigenden CDS-Spreads einher.

Dann stiegen die CDS-Spreads und die Inflationserwartung bis etwa März 2009. In diesem Zeitraum war der Zusammenhang positiv. Das war daher nicht nachhaltig tragbar. Entweder musste die Inflationserwartung wieder fallen oder aber die CDS-Spreads. Bis Juni 2009 fielen die CDS-Spreads dann auch recht zügig bei weiter steigenden Inflationserwartungen. Aktuell (roter Punkt) sind wir wieder im Gleichgewicht.

12 Antworten zu Neue Gedanken zur Inflationserwartung

  1. […] Krise: Gedanken zur Inflationserwartung…Verlorene Generation […]

  2. marginaleconomist sagt:

    Die negative Korrel dürfte eher daher kommen, dass eine höhere erwartete Inflation durch bessere Konjunkturerwartzungen getrieben wird. Letzteres bewirkt auch einen niedrigeren CDS-Spread.

    Es wäre daher vermutlich interessanter, wenn man die Inflationserwartungen vorher um den Einfluss von GDP-Erwartungen bereinigt und sich die verbleibende Korrelation anschaut. Ich vermute mal, dass der Zusammenhang dann verschwindet.

    Ansonsten macht der hier dargestellte Zusammenhang ökonomisch irgendwie wenig Sinn. Geld drucken alleine führt ja nicht zu einer hohen Inflation, sondern nur eine entsprechende Geldnachfrage, die das Angebot akkomodiert. Und die Geldnachfrage (ergo dann auch Inflation) dürfte eher aus den Wachstumserwartungen kommen.

    Typischer Fall von „spurious correlation“, denke ich.

    • ketzerisch sagt:

      „Die negative Korrel dürfte eher daher kommen, dass eine höhere erwartete Inflation durch bessere Konjunkturerwartzungen getrieben wird. Letzteres bewirkt auch einen niedrigeren CDS-Spread.“

      Du siehst also auch einen Wirkmechanismus, der auch eine alternative Erklärung darstellen kann. Wieso hälst Du es gleichzeitig für eine Scheinkorrelation? Bitte beachte, dass sowohl die Inflationsrate als auch der CDS-Spread stationäre Zeitreihen darstellen.

      Für die GDP-Erwartungen gibt es keine Marktpreise. Ich hätte es aber am ehesten mit den Zinsen approximiert. Nominale Zinsen für das nominale Wachstum und TIPS-Zinsen als Proxy für das reale Wachstum. Deine Aussage ist, dass die gestiegenen GDP-Erwartung für den Inflationsanstieg verantwortlich ist. Wie Grafik 1 zeigt, ist nur die Erwartung an das nominale Wachstum gestiegen. Die Erwartung an das reale Wachstum hat sich seit Anfang des Jahres nicht geändert. Das ist also ein rein monetäres Phänomen. Ein realer Anstieg der Wirtschaftserwartung hat (noch) nicht stattgefunden.

  3. marginaleconomist sagt:

    TIPS-Zinsen sind keine gute Approximation für das reale Wachstum soweit ich da die Literatur richtig im Kopf habe (müsste ich aber nochmal checken). Scheinkorrelationen gibt es natürlich auch bei stationären Zeitreihen, da braucht man nur die Abhängigkeit der betrachteten Zeitreihen von einem dritten evtl. latenten Faktor. Das scheint mir hier möglicherweise die GDP-Erwartung zu sein.

    Ich finde halt den Mechanismus:
    Anleger fürchten Staatsbankrott –> Zentralbank bietet mehr Geld an –> Angst vor Staatsbankrott geht zurück
    irgendwie ökonomisch nicht sehr schlüssig.

    Ich werde bei Gelegenheit mal um GDP Erwartungen bereinigen und gucken, was dann übrig bleibt. Ich habe sowas aber bislang noch nicht gerechnet, ich weiß also auch nicht was dabei rauskommt.

    Der Post wirft aber auf jeden Fall eine interessante Idee auf.

    • ketzerisch sagt:

      „Anleger fürchten Staatsbankrott –> Zentralbank bietet mehr Geld an –> Angst vor Staatsbankrott geht zurück“ Die Analyse ist kein Beweis für den Wirkmechanismus, da aus Korrelation keine Ursächlichkeit folgt. Aber die Analyse steht nicht im Widerspruch dazu.

      Ich finde den Wirkmechanismus einleuchtend, aber ich kann auch nicht aus der Hüfte abschätzen, ob die vorgenommene Geldmengenausweitung ausreichend ist, um den Rückgang zu erklären.

  4. marginaleconomist sagt:

    Ja, sst schon klar, dass Korrelation keine Kausalität impliziert, aber ich dachte, dass die obige Argumentationskette im Prinzip die Argumentation des Posts sein soll…? Oder wie soll die lauten? Einfach das es so eine Korrel gibt? OK, aber woher kommt die?

    Ökonomisch scheint es mir jedenfalls einleuchtender, dass der Spread durch die GDP-Erwartungen getrieben wird und diese wiederum auch die Inflationserwartungen treiben. Das es dann dadurch zu der im Post gezeigten negativen Korrel kommt würde Sinn machen. Die Korrel alleine hat natürlich kaum Aussagekraft.

    • ketzerisch sagt:

      Die Korrelation zeigt, dass beide Interpretationen durch die Analyse nicht widerlegt werden. Hätte es keine gegeben, so hätten ich die These verworfen. Man kann Thesen halt nur widerlegen. Der Rest ist Spekulation.

  5. ketzerisch sagt:

    Nachtrag: Kozicki (1997) argumentiert, dass der nominale Zins in Form des Yield-Spreads frü lange Laufzeiten eher ein Indikator für Inflation denn für reales Wirtschaftswachstum ist. Das stützt eher meine These.

  6. marginaleconomist sagt:

    Ja, da ist eine Korrelation zwischen den Levels der beiden Variablen, das will ja auch niemand bestreiten. Ich jedenfalls nicht. Und mir sind die Prinzipien des wissenschaftlichen Arbeitens aus verschiedenen Gründen auch recht vertraut.

    Was ich mit meinen Posts nur sagen will (und dabei belasse ich es jetzt mal auch), ist, dass die Korrelation keine Aussage über irgendwelche Wirkungszusammenhänge macht bzw. per Konstruktion machen kann.

    Was mich interessiert ist, wie die Korrelation zustande kommt. Was Sie zu interessieren scheint, ist, dass es die Korrelation gibt. Das ist ja auch in Ordnung. Ich finde nur, dass so reine Korrelationen schrecklich nichtssagend sind, wenn man keine Ahnung vom strukurellen Modell dahinter hat.

    Die Korrel kann halt durch alles mögliche entstehen. Ihre Argumentation, meine Interpretation davon, es könnte ein ganz anderer Mechanismus sein und natürlich kann es bei so Kurzfristbetrachtungen auch einfach durch das sehr kurze Sample entstehen und in Wirklichkeit gar nicht existieren. Inflationserwartungen über einen so kurzen Zeitraum müssen z.B. in-sample nicht stationär sein, genauso Risikoprämien. Wenn die CDS-Spreads über die sehr kurze Krisenperiode z.B. stationär sind, würde mich das eher wundern. Beide Variablen sind zumindest sehr persistent und schon daher kann man wenig aus einer Korrelation lernen.

    Im Übrigen ist das Kozicki-paper wirklich nicht gut und daher auch nur schlecht veröffentlicht. Zudem geht es da hptsl. um den Yield Spread und die long rate, beide haben Sie in Ihrer Argumentation zur Korrelation gar nicht benutzt, da sollte man also etwas vorsichtig sein. Die alten Campbell-Klassiker sind da immer noch deutlich vorzuziehen und in allen ernsthaften Papieren in ernsthaften Journals wird der Term Spread eher als Business Cycle Measure gesehen (also „real activity“). Aber wie gesagt, um die yields geht es hier ja gar nicht. Es gibt übrigens ein nettes Papier von Ang, Bekaert und Koautoren im JME. Dort zeigt sich, dass Survey Maße für Inflationserwartungen (Michigan Survey, SPF) die höchste Prognosekraft für zukünftige Inflation haben. Die TIPS-generierten Zeitreihen für erwartete Inflation sind eher mau. Auch ein Grund, etwas vorsichtig zu sein und nicht schnelle Schlüsse über eine möglicherweise existierende Korrelation zu ziehen.

    Insgesamt finde ich Ihren Beitrag aber trotzdem sehr nett. Wäre jedenfalls interessant, falls es einen solchen Zusammenhang über einen längeren Zeitraum tatsächlich geben sollte und wie dieser ggfs. zustande kommt.

    Beste Grüße!

    • ketzerisch sagt:

      „Zudem geht es da hptsl. um den Yield Spread und die long rate, beide haben Sie in Ihrer Argumentation zur Korrelation gar nicht benutzt, da sollte man also etwas vorsichtig sein.“

      Vorsichtig auf jeden Fall. Der Yield-Spread ist aktuell ziemlich genau der langen Rate, da das kurze Ende bei Null ist. Insofern habe ich die Paper-Aussagen auf den 10y-Treasury-Zins bezogen. Diese sind nach der Aussage von Kozicki eher ein Indikator für Inflation als für Wirtschaftswachstum.

      Danke für die Paper-Links. Ich schaue mir die mal an.

    • ketzerisch sagt:

      Ang, Bekaert, and Wei (2007) enthält keinen Test der Inflationsprognose auf Basis von TIPS. Vermutlich hätte dies den Untersuchungszeitraum zu stark eingeschränkt.

  7. marginaleconomist sagt:

    Uups, sorry, das war ein anderes paper… Mal sehen ob ich das noch finde.

    So, jetzt ist aber wirklich Schluss mit diesem Thema (für mich).

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