Die Piraten: Fehlschlag eines politischen Symbols?

„Gottes Freund, der Welt Feind“ Dieser Satz erinnert auf dem Grasbrook in Hamburg an den Piraten Klaus Störtebeeker, den Schrecken der Hanse. Er wurde dort vor 600 Jahren geköpft, nachdem ihn eine Expedition im Auftrag der Stadt Hamburg gestellt hatte.
600 Jahre später tagen in Hamburg Wilhelmsburg selbsternannte Politikpiraten, die das deutsche Parteiensystem durcheinander bringe möchten. Traut man dem Rauschen des Blätterwaldes, gelingt ihnen genau das. In diesem Beitrag also es aber weniger um die Erfolgsaussichten dieser Partei gehen, als vielmehr um das verwendete Symbol der Partei: Der Pirat.

Die Piratenpartei ist keine rein deutsche Erscheinung, ihre Wurzeln liegen vermutlich in Schweden. Dort befindet sich die Seite Pirate Bay, zu deutsch Piratenbucht, auf der sich Verweise zu illegalen Downloads befinden. Ein jahrelanger Prozeß gegen die Betreiber der Seite hat die Szene politisiert. Sie segelten aus ihrer Bucht, um fortan richtige Politik zu betreiben. In Schweden ist dabei die Verwandtschaft mit den Wikingern augenfällig, die dort als Schutzheilige der Partei herhalten müssen.

Das Wort Pirat kommt aus dem lateinischen und ist dort verwandt mit Nachstellung, Gefährdung, Gefahr. In deutscher Sprache bezeichnet man Piraten als Seeräuber.  An diesen Worten kommt der eigentliche Kern der Handlungen der Piraten durch: animus furandi: Aus Eigennutz werden Gewalttaten gegen Personen und Eigentum begangen.

Die Macher der Seite Pirate Bay hatten insofern Gespühr, als dass auch Sie Eigentumsdelikte begehen. Das Bild der Piratenbucht für die Seite ist also durchaus passend. Die Schiffe der Plattenfirmen werden geentert.
Nicht so bei der Piratenpartei. Sie schreibt sich explizit politische Ziele auf die Fahnen, die zu einem großen Teil sehr nobel sind (Datenschutz).  Aber Piraten sind nicht politisch – sie sind die dunkle Gefahr der christlichen Seefahrt und sie stehen vor allem außerhalb des Staates und damit auch außerhalb der Politik. Dies wird deutlich an Sätzen aus alten englischen Seerechtslehrbüchern:

Alle Piraten und Seeräuber sind nach dem Recht aller Nationen… vogelfrei, d.h. bar jeden Schutzes irgendeines Fürsten und durch irgendwelche Rechte. Jedermann ist gegen sie auszurufen und zu bewaffnen wie gegen Rebellen und Verräter, um sie zu unterwerfen und auszurotten.

Sir Jenkins 1668
und hier:

[Es gibt] mit notorischen Seeräubern keinen Friedenszustand[…]. Sie sind zu allen Zeiten Feinde aller Länder und daher allgemein dem strengsten Kriegsrecht unterworfen.

Lord Stowell
zitiert nach: Dahm, Delbrück, Wolfrum: Völkerrecht

Das Wort Pirat wurde auch vor allem auch von den seefahrenden Nationen gebraucht, wohingegen die Piraten selbst sich häufig anderes bezeichneten (z.B. Likedeeler).  Damit kommt zu Ausdruck, dass der Begriff Pirat der diffamierende Begriff der Mehrheit für die Ausgestoßenen ist. Piraten wurden dementsprechend häufig in jugendlichen Subkulturen aufgenommen und rezipiert, z.B. im Punk. Vor allem der Eingangs zitierte Störtebeeker taucht immer mal wieder auf und dient als Identifikationsfigur des stolzen vorsozialistsischen Helden gegen die raffgierige Hanse. Aber, sollte man damit arbeiten, um politische Zeile wie Datenschutzstärkung zu erreichen?

C. Schmitt weist daraufhin, dass Piraten unpolitisch seien, wohingegen bei politischen Freischälern der Begriff Partisan angebracht sei, da dieser „Anhänger einer Partei“ bedeute.

Die wirkliche Bedeutung des Namens der Piratenpartei erschließt sich somit nur über die Kenntnisse des Ursprunges, wohingegen der Name selbst in die Irre führt. Gerade bei älteren Wählerschichten wird der Name kaum Begeisterung auslösen und nicht dazu beitragen, dass die Partei ernstgenommen wird.

Der Pirat erlebte durch die Fluch der Karibik Filme in den letzten Jahren eine Reniassance in der Popkultur. Johnny Depp spielte den modernen Piraten als ständig betrunkenen Glücksritter, dem vor allem das Schicksal am Ende hold ist. Er tut dies mit einer Eleganz, die die Figur Jack Sparrow schnell in das Mythegedächnis der Gesellschaft diffundieren ließ. Kann die Piratenpartei hier ansetzen?

Wohl nicht: Ein Foto Ihrer Mitglieder reicht, um das Bild des verwegenen Abenteureres zu Staub zerbröseln zu lassen. Auch als unangespasste Politikfreibeuter kommen die Mitglieder nicht durch. Leider sind es vornehmlich Männer, die zu viel vor dem Coputer saßen und jede Virilität von Jack Sparrow vermissen lassen. Auch hier geht somit die Verwendung des Symbols Pirat fehl.

Ich komme somit zu dem Ergebnis, dass der Name Piratenpartei gänzlich ungeeignet ist, um breitenwirksamen politischen Erfolg zu erzielen und er ist unpassend gegeben die Ziele der Partei und die Mitglieder.

Leider ist die Piratenpartei nicht so cool:

10 Antworten zu Die Piraten: Fehlschlag eines politischen Symbols?

  1. Michael sagt:

    1. Das Wort „Pirat“ kommt ursprünglich aus dem griechischem und bedeutet „wagen, unternehmen, versuchen“, passt also gut zu der Piratenpartei.

    2. Wurden „wir“, weil wir Privatkopien erstellen, von der Contentindustrie (Musik, Software)Piraten genannt.

    und 3. Ist es nur ein Name.

  2. Pooly sagt:

    Ich bin auch noch fieberhaft am überlegen was man von den Piraten (die Partei) so halten soll.
    Einerseits find eich die recht erfrischend. Anders herum finde ich das Programm auch recht mager. (Artikel in meinme Blog)

    Gruß

    • ketzerisch sagt:

      Hmmm, Dein Blog erscheint als gelöscht. Dass das Programm noch nicht in jedem Politikfeld ausgereift ist, halte ich für normal bei einer jungen Partei.

  3. Nurbs sagt:

    Die Piratenpartei hat mit Sicherheit von dem Prozess gegen die Betreiber von „The Pirate Bay“ profitiert, doch sind das immer noch zwei verschiedene paar Schuhe. Zu behaupten, die Piraten hätten sich darauf hin gegründet ist falsch. Einer der Pirate-Bay-Betreiber ist ein aktiver Grüner, aber das nur nebenbei.
    Der Name wurde gewählt – wie Michael schon richtig sagte – als ironische Antwort auf den Kampfbegriff „Internetpiraten“.

  4. ketzerisch sagt:

    sehrzynisch hat im OP IMO richtigerweise darauf hingewiesen, dass das Bild des Piraten nicht passt. Das mag daran liegen, dass es von Musikindustrie kreiert wurde, die gezielt nach negativ besetzten Begriffen gesucht haben, um ihr Lobbying zu betreiben.

    Ich fände den Namen „Freibeuter“ passender. Es klingt netter weil das Wort „frei“ enthalten ist. Allerdings ist es müßig über den Namen zu diskutieren, denn er wird sich nicht mehr ändern. Er ist schon gut eingeführt und, sollte der Sprung ins Parlament gelingen, vermutlich auch nicht sonderlich relevant. Wer würde schon eine Partei wählen, die „Bündnis90/Die Grünen“ heißt? Das kann ja nichts werden.

  5. sehrzynisch sagt:

    1.) Das Wort geht über lat. pirata auf gr. peirates zurück. Dies ist eine Ableitung zu gr. peiran : versuchen; wagen, unternehmen. Stammwort ist gr. peira: Erfahrung; Versuch, Wagnis. Dieses wiederum ist mit lateinisch periculum „Gefahr“ und mit althochdeutsch fara: Nachstellung, Gefährdung verwandt.
    (Duden: Herkunfstwörterbuch)
    2.) Ist es dann wirklich gut, sich den Negativbegriff des „Opponenten“ zu eigen zu machen?
    3.) Finde die Bennung neuer Parteien sowieso merkwürdig. SPD, CDU, und FDP versuchen schon im Namen zu zeigen, wofür sie ganz grundsätzlich stehen. (Ebenso wie die meisten Weimarer Parteien). Neuere Parteigründungen zielen da eher in andere Richtungen: Während die Assoziation Grüne-> Umwelt/Öko noch gut klappt, ist der Name „Die Linke“ eigentlich schon reichlich diffus und sagt mehr über ein Gefühl, als über den Inhalt.

  6. Robert Lemos sagt:

    Ich selbst bin Pirat, das nur Vorher.

    Die Piratenpartei Deutschland hat tatsächlich absolut nichts mit der Pirate Bay zutun, die in Schweden „stationiert“ ist. die schwedische Piratpartiet allerdings und die Pirate Bay, haben zusammenhängende Wurzeln.

    In wie weit sie gleich oder ähnlich denken, oder nicht, kann ich nicht sagen. Das lässt sich aber derzeit schelcht recherchieren, da zu viele Falschmeldungen im Umlauf sind und sich niemand auf eine echte Quelle bezieht.

    Ich weiß das auch nur durchs Hörensagen aus dem offiziellen Parteiforum.

    Trotzdem ist dieser Artikel von grundauf falsch. Nicht wegen verdrehter Fakten oder Lügen, einfach weil er eine Partei mit seriösen Zielen aufgrund ihres Namens in ein falsches Licht rückt.

    Menschen, die einen Teil unserer Ziele illegalerweise bereits in die Tat umsetzen, sprich raubkopieren, werden von allen Seiten als Piraten bezeichnet. Piraterie, Piracy, etc. Da die Piratpartiet und die Pirate Bay ähnliche Wurzeln haben (sollen), hat sich die Piratpartiet also so genannt, wie sie von den anderen genannt wird.

    Die anderen Piratenparteien hingegen haben einfach nur die Version der Piratpartiet übernommen, die ihrer Sprache entsprechen, damit alle Piratenparteien der Welt als Einheit herüberkommen.

  7. budapi sagt:

    Irgendwie hab ich langsam wirklich den Verdacht dass man es bei der Thematik mit zwei verschiedenen Menschenschlägen zu tun hat. Auf der einen Seite der assoziative Typ, der zu jedem Wort alle etymologischen Zusammenhänge (koste es was es wolle) zu einem Gesamtbild verknüpft, und auf der anderen Seite der analysierende Typ, für den nach mathematischer Gleichgültigkeit alle Wörter wertfreie Bezeichner sind, austauschbar, Schall und Rauch.

    Wahrscheinlich auch kein Zufall dass ich bei den Piraten eher Letztere in der Überzahl vermute.

    • Robert Lemos sagt:

      Da stimme ich dir zu, ich denke auch, dass in der PP eher die Leute sind, denen Namen am Mors vorbeigehen ;)

      Wobei sicherlich auch dort Leute sind, ich zumindest, die sich bspw. von >>sehrzynisch<< den schöneren Wortstamm abschaut, um den Etymologen etwas entgegenzusetzen ;)

      MfG

  8. nigecus sagt:

    Interessante Kommentare. Also ist der Ursprung des Namen „Piratenpartei“ nun geklärt. Die Partei hat sich so genannt wie deren Mitglieder von Dritten bezeichnet wurden. Daher ist an diese Dritten die Fragen zu richten was das mit den alten Seesäubern zu tun hat oder warum das Wort Pirat von diesen Dritten propagiert wurde.

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