Generationgerechtigkeit: Steinbrück trifft den Punkt, Scholz haut daneben.

Peer Steinbrück ( unser Held hier und hier ) hat einen Januskopf. Das eine Gesicht setzt er auf, wenn er der Partei gefallen muss. Dann kommen die üblichen Phrasen eines Politikers, die alles und jedem gefallen sollen. Aber Steinbrück ist Volkswirt, nicht Jurist, wie viele seiner Kollegen. Und als Volkswirt weiß er, wie es zur Zeit um Deutschland, seine Wirtschaft und seine sozialen Sicherungssysteme bestellt ist. Und: er hat als einer der wenigen Politiker unsere Generation, die Verlorene Generation, nicht aus den Augen verloren.

In einem Interview mit der Parteitpostille Frankfurter Rundschau stellt er fest:

Ich kann es verstehen, wenn man in der Krise Sicherheitssignale an breite Bevölkerungsschichten wie die Rentner geben will. Ich habe aber große Zweifel, ob das für nachfolgende Generationen das richtige Signal ist. Der demographische Druck nimmt erkennbar zu. Der jetzigen Rentnergeneration geht es insgesamt so gut wie niemals einer zuvor. Und während andere um ihre Arbeitsplätze bangen, steigen in der Krise die Renten so stark wie seit drei, vier Jahren nicht. Die Gekniffenen sind die 25- bis 35-Jährigen, die Kinder in die Welt setzen wollen. Um diese Generation müssen wir uns stärker kümmern.

Nun fehlt nur noch die Umsetzung in die Tat: endlich runter von den Staatsschulden und ein Herunterfahren der sozialen Sicherungssysteme auf ein für die zukünftige Generation erträgliches und finanzierbares Maß.

Der Genosse Scholz antwortete auf Steinbrücks Feststellung wie folgt (mir wird übel):

Fast jeden Tag rechne „ein neuer schlauer Professor oder ein neues schlaues Institut“ aus, was alles schief gehen könne, sagte der Arbeitsminister der „Süddeutschen Zeitung“. „Diesen Panikmachern, die bei vielen Millionen Rentnern Unsicherheit verbreiten, wollen wir mit der eindeutigen Sprache des Gesetzes Einhalt gebieten.“

Leider steht die  „Eindeutige Sprache des Gesetzes“ nicht über ökonomischen Gesetzen, auch wenn Juristen das in Ihren Allmachtsphantasien gerne hätten.  Scholz erinnert schon jetzt sehr an Blüm. Vielleicht tingelt er auch in ein paar Jahren durchs Fernsehen und nuschelt was von der „Eindeutigen Sprache des Gesetzes.“ Angesagt ist umdenken, bevor ist zu spät ist. Gerechte Lastenteilung zwischen jung und alt.

Ansonsten liebe Rentener: Früher oder später sitzt unsere Generation an den Hebeln der Gelddruckpresse – und dann wird gedruckt!

Dazu haben wir nämlich keine Lust:

Der Weg unserer generation

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7 Responses to Generationgerechtigkeit: Steinbrück trifft den Punkt, Scholz haut daneben.

  1. Thomas sagt:

    Ich finde es faszinerend (oder besser gesagt: unsäglich), daß unsere Regierung es nicht einmal annähernd schafft, mit einer Stimme zu sprechen. Daß sich Union und SPD nicht einig sind, kann ich noch nachvollziehen. Aber daß sich Spitzenpolitiker der SPD munter gegenseitig widersprechen (und die der CSU sind da ja keinen Deut besser), ist doch absurd. Oder es hat Methode, weil man versucht, so allen gerecht zu werden. Dumm nur, daß man vielleicht das Gegenteil erreicht, und alle vor den Kopf stößt…

  2. Michael sagt:

    Sehr schoener Beitrag.

  3. Jürgen Klute sagt:

    Steinbrück argumentiert hier wissentlich falsch. Er überträgt unzulässigerweise eine ökologische Kategorie auf die Ökonomie. Eine Generation kann sich nicht gegenüber einer anderen Generation verschulden. Schuldnern stehen immer Gläubiger gegenüber, an die Zinsen und Schuldendienste zu zahlen sind. Und die verteilen sich auf alle Generationen. Die einen vererben an ihre Kinder Schulen, die anderen vererben an ihre Kinder die Ansprüche auf Rückzahlung der Schulden. Und wenn der Staat Schulden aufnimmt, dann bei denen, die Geld haben und nicht bei denen, die keines haben. Der Staat zahlt seinen Gläubigern Zinsen und Zinseszinsen zurück und kürzt im Bedarfsfall die sozialen Leistungen für die, die auf den Sozialstaat angewiesen sind, um seine Zinsen uns Schuldendienste bedienen zu können.

  4. sehrzynisch sagt:

    oder wird die Steuern erhöhen
    oder er wird Inflation anfachen.
    Schulden lassen sich sogar innerhalb einer Familie weitervererben. Nehmen wir ein Ehepaar mit Kindern: Wohnen zur Miete, den Eltern gehört aber so’ne süße Kleingartenparzelle, wo die Kinder sehr viele nette Stunden verbracht haben. Für die diverse Urlaube, Autos etc. haben sich die Eltern verschuldet. Wollen die Kinder die Kleingartenparzelle erben, erben sie auch die Schulden. Sie sind von einer Generation auf die andere übertragen worden. In ihrem Beitrag heißt es, es würden Schulen vererbt. Das stimmt. Das Problem sind auch weniger die Staatsschulden für Investitionen in diesem Zusammenhang, als die für staatlichen Konsum. Der wievielte Haushalt ist das jetzt eigentlich, der wirtschaftlichem Notlage sieht?

  5. […] im Blog mit dem beziehungsreichen Namen Verlorene Generation wissen sie, was sie an Steinbrücks Know-how und Ehrlichkeit haben.  Dort wissen sie auch, was aus […]

  6. […] der meinungsführenden Medien von den Meinungsmachern. Gerade, wenn die Beliebtheitswerte der wenigen unangepassten Politiker zeigen, dass die Bürger sich geradezu nach unbequemen Wahrheiten […]

  7. “Raus aus den Schulden”…

    Wie verschuldet sind die Deutschen? Am Mittwoch den  24.02.2010 um 21:15  Uhr auf  RTL , wird Peter Zwegat in seiner Sondersendung  berichten, wie verschuldet Deutchland ist.  Leider sind es nicht nur Privathaushalte allein, sondern unser gesamtes……

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