Gefahren des Atomausstiegs

Es gibt viele gute Gründe für einen Atomausstieg und auch viele gute Gründe dagegen. Diese will ich hier nicht diskutieren. Aber auf eine Gefahr muss ich hinweisen: Ein Atomausstieg ist gefährlich. Er erhöht die kurzfristig Gefahr eines Atomunfalls.

Versetzen wir uns mal kurz in die Lage eines ökonomisch denkenden Atomkraftwerkbetreibers: Wenn ich weiß, dass mein Kraftwerk nur noch begrenzte Zeit läuft, so werde ich alle Investitionen auf ein Minimum runterfahren. Das Kraftwerk muss ja nur noch die Restlaufzeit überleben und nicht länger. Jede Investition in Kraftwerkssicherheit ist Geldverschwendung. Das gilt um so mehr, wenn der Staat die Versicherung für den Katastrophenfall stellt und ich nicht teure Versicherungsprämien zahlen muss.

Die Drohung mir die Betreiberlizenz zu entziehen, hat auch viel von ihrem Schrecken verloren, wenn ich sie ohnehin nur noch auf Zeit besitze. Wenn die Politiker ein einzelnes Kraftwerk abschalten: Schade wär es, aber ganz schlimm ist das nicht. Ich verliere nur etwas Geld, weil ich den Strom dann später produziere.

Also hier der Plan zur Gewinnmaximierung: Ich lasse die alten Gurken laufen und repariere nur das Nötigste für die Stromerzeugung. Das ganze mache ich so lange, bis der Staat nicht mehr mitspielt und das Kraftwerk abschaltet. Wenn Deutschland Glück hat, dann ist das vor einem größeren Unfall.

PS: Ich will hier nicht gegen einen Atomausstieg argumentieren. Nur wenn man einen Atomausstieg beschließt, dann sollte man die resultierenden Anreizeffekte im Blick haben.

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6 Responses to Gefahren des Atomausstiegs

  1. Floppy sagt:

    Wo hast du diesen Gedanken her? Der ist wirklich gut! Die Politiker haben daran bestimmt nicht gedacht. Hoffentlich passiert nichts…

  2. Thomas sagt:

    Das würde dann heissen: Wenn man aussteigen will, muß man es blitzartig tun: Gesetz verabschieden, daß nächsten Monat alle AKWs runterzufahren sind.

    Bin mir allerdings nicht so sicher, ob der Anreizeffekt wirklich so groß ist: Wenn wir davon ausgehen, daß die Betreiber große Konzerne sind, die außer deutschen AKWs noch andere Eisen im Feuer haben, dann haben die wahrscheinlich auch keine große Lust, ihren Ruf durch einen schlimmen Unfall ruinieren zu lassen. (Habe allerdings keine Ahnung, welche Firmen die deutschen AKWs betreiben…)

  3. ketzerisch sagt:

    @Thomas

    Nicht notwendigerweise sofort abschalten. Es wäre schon mal eine Verbesserung, wenn man die Restlaufzeiten nicht übertragen könnte. Dann täten Abschaltungen mehr weh.

    Ich stimme zu: kein Betreiber will seinen Ruf wirklich verlieren. Aber der Anreiz zur Verringerung der Investitionen ist definitiv da.

  4. Oliver sagt:

    Die Schlussfolgerung ist meiner Ansicht nacht völlig korrekt. Wenngleich
    beängstigend. Ich kenne die Restlaufzeit von z.B. Krümmel nicht, aber dort scheinen die Qualitätsbestrebungen auch nicht mehr den Maßstab zu haben, wie man es erwarten müsste (gefühlt zumindest).
    Und wenn ein Kraftwerk dann nur noch wenige Jahr laufen darf, dann macht es zunehmend weniger Sinn, Investition zu tätigen. Das ist dann „simple“ Investitionsrechnung. Im besten Fall führt das dann zu einer früheren Abschaltung. Aber eben nur im besten Fall!

    @Thomas
    Unterschätze nicht den Anreiz (und den Umsatzdruck)! Vor allem, wenn das Risiko NICHT durch das Unternehmen selbst getragen wird. Sicher hilft ein drohender Imageverlust, aber im Zweifel wird dann einfach umfirmiert. Das hat schon vielen geholfen. Letztendlich wird immer im Sinne des „Shareholders“ gehandelt und nicht im Sinne der Allgemeinheit. Kennt man ja (z.B. Bahn, Immobilienspekularion, lebensmittelspekulartion, und und und).

  5. Kristof sagt:

    Weiter gedacht könnte es so kommen: Die Betreiber vernachlässigen ihre Kraftwerke. Der Staat erkennt die Gefahr und verstaatlicht die AKW. Wenn einmal die Kraftwerke in den Händen des Staates sind, werden sie natürlich in Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes weiterbetrieben. Es wäre ja sonst schade um das Geld.

  6. […] ich schon mal dargelegt habe ist ein Atomausstieg gefährlich. Die Kraftwerksbetreiber haben einen starken Anreiz die Investitionen in das Kraftwerk klein zu […]

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