Arcandor: Mobbing gegen Investoren

Arcandor ist pleite. Damit ist ein erneuter ordnungspolitischer Sündenfall a la Opel vorerst vermieden worden. Was passiert nun nach der Insolvenzmeldung? Plötzlich melden sich viele interessierte Investoren. Investoren, die ganze Konzernteile übernehmen wollen. Wie nennt man solche dann? Retter? Weiße Ritter? SPON diffamiert sie als „Pleitegeier„.

Konkurrenten wollen Arcandor fleddern

Gerade erst hat Arcandor Insolvenz angemeldet – da plant die Konkurrenz schon die Zerschlagung. Otto will große Teile der Versandhandelssparte, Rewe interessiert sich für die Reisetochter Thomas Cook, Metro hofft auf die Karstadt-Warenhäuser. SPIEGEL ONLINE analysiert die Pläne der Pleitegeier.

Fassen wir kurz zusammen: Für fast alle Konzernteile gibt es binnen Stunden Investoren. Die Angestellten und die Politik könnten feiern, weil Hoffnung auf Rettung eines großen Teils der Arbeitsplätze besteht. Aber die Presse berichtet nur negativ.

Für die Konkurrenten eröffnen sich damit völlig neue Chancen. Ihr Ziel: Arcandor zerschlagen. Otto, Rewe, Metro – sie alle wollen von der Insolvenz profitieren. Wie Pleitegeier teilen sie Arcandor unter sich auf, eine Schamfrist warten sie nicht ab. Jeder pickt sich die Rosinen heraus. Nach dem Motto: Nimmst du dies, nehme ich mir das.

Warum sollten sie die Angestellten auch länger als nötig in Unsicherheit lassen? Die Unterstellung, sie würden sich absprechen, kann SPON aber nicht ernst gemeint haben? Das haben die sicher nicht.

56.000 Menschen arbeiten bei Arcandor. Doch wie lange wird es ihr Unternehmen noch geben?

Auch hier schürt SPON eine irrationale Angst durch die Gleichsetzung „Arcondor weg“==“Arbeitsplatz weg“. Die Investoren stellen keine Gefahr für die Arbeitsplätze dar, sondern im Gegenteil eine echte Chance für die Angestellten. Man stelle sich mal vor, was mit Arcandor passieren würden, wenn alle Investoren einfach abwinken.

Als erster wagte sich Metro-Chef Eckhard Cordes hervor. Schon vor Wochen erhob er Anspruch auf die Karstadt-Filialen. Sein Plan: eine Fusion mit der eigenen Marke Kaufhof und die Gründung einer „Deutschen Warenhaus AG“. Wer in dem neuen Komplex das Sagen haben soll, steht für Cordes fest: natürlich Metro.

Anspruch erheben? Ich nehme an, dass er nur dafür mitbieten will.

Doch damit nicht genug. Auch die Edelkaufhäuser von Arcandor könnten den Eigentümer wechseln. Das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg, das Oberpollinger in München: Sie alle sind hochrentabel, haben einen guten Ruf – und locken Interessenten an. Vielleicht hat Metro-Chef Cordes Verwendung für die Konsumtempel, vielleicht findet sich aber auch ein anderer Käufer. Klar ist nur eins: Arcandor dürfte die Gewinnbringer kaum behalten.

Ein Kaufhaus wechselt den Besitzer. Na und? Ist nicht das erste Mal.

Das Gleiche gilt für die profitable Reisesparte Thomas Cook. Arcandor ist an dem Unternehmen mit 52 Prozent beteiligt. Synergien gibt es kaum, beide Unternehmen arbeiten getrennt voneinander. Ein Verkauf wäre also leicht möglich – und ist auch wahrscheinlich.

Und offensichtlich sinnvoll, wenn es keine Synergien gibt, dann geht man besser getrennte Wege.

Am Ende könnte Arcandor nur noch aus Quelle bestehen, samt einigen wenigen Randbereichen. Keine guten Aussichten für die Mitarbeiter, ein schlagkräftiger Konzern sieht anders aus.

Schlecht aus sieht es dann wohl „nur“ für die Quelle-Mtarbeiter. Aber ist das nicht deutlich besser, als wenn es für alle schlecht aussieht?!?

7 Antworten zu Arcandor: Mobbing gegen Investoren

  1. Thomas sagt:

    Beim Spiegel muß es eben reisserisch formuliert sein. Ob das dann logisch und inhaltlich angemessen ist, spielt leider keine allzu große Rolle…

  2. Thomas sagt:

    Am bizarrsten ist wirklich die Formulierung „keine Schamfrist“:

    Bitte bitte liebe Investoren, wartet doch erstmal ein paar Monate ab, damit die Mitarbeiter ordentlich über den Tod ihres Arbeitgebers trauern können.

    In der Zeit weinen sie doch ohnehin nur, und legen Kränze vor Frau Schickedanz’s Villa ab, und sind daher zur Mitarbeit, zumal bei verhassten Pleitegeier-Investoren, ohnehin nicht zu gebrauchen…

  3. Mattf sagt:

    Guter Artikel und guter Blog! Werde öfters mal vorbeischauen!

    Grüße aus Bayern

  4. Timo sagt:

    So eine Zerschlagung wäre bei diesem Katastrophenkonzern glaube ich schon vor langer Zeit mal angesagt gewesen, aber so können die Investoren nun natürlich für sich bessere Schnäppchen machen. Halte es auch für die einzig richtige Lösung, den Konzern an die stärkere Konkurrenz in den jeweiligen Sparten zu verteilen, alles andere ist doch wirklich die Unterzeichung eines Todesurteils mit Verzögerung für alle Beteiligten.

  5. Stefan sagt:

    Kampagnenjournalismus – das ist keine neue Seite von SPON ;-) Das ist die Regel. Ich bin aber der Meinung, dass unter der Nennung (der inhaltslosen Phrase) Ordnungspolitik wirtschaftlich fragliche Dinge – wie die ohne Prüfung erfolgte Verweigerung von Hilfen an Arcandor durch den Wirtschaftsminister – geschehen und kritiklos wiedergegeben werden. Die von den Leitartiklern aufgeführten Vorwürfe im Sinne von „Schickedanz muss zuerst zahlen“ etc. stellen sich als haltlos und unbegründet heraus. Ist das keine Kampagne? Man sollte festhalten, dass der Journalismus ein Qualitätsproblem hat.
    Ein guter Beitrag zu Arcandor und Ordnungspoltik ist übrigens hier zu finden:
    http://www.weissgarnix.de/?p=2353

  6. MaxR sagt:

    Und wer sagt, daß Quelle in Alleinregie nicht wieder profitabel agieren könnte?
    Zurück zum Kerngeschäft!

  7. ketzerisch sagt:

    @Stefan:

    Ich finde den Artikel von f.lübberging sehr struktur-konservativ. Ich halte es daher eher mit weissgarnix kommentar dazu: „denjenigen, die jetzt bei Opel, Arcandor oder sonstwo ihre Jobs verlieren, muß irgendeine Erwerbsperspektive geboten werden.“ es muss nicht auf Staatsgeld komm raus der aktuelle Arbeitsplatz erhalten bleiben.

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