Kreditkrise: Ratings zu schlecht? Augen zu hilft!

Man kann Politikern viele Dinge vorwerfen, aber sicher nicht problemorientiert zu sein. Nein, dass sind sie wahrlich nicht. Echte Politiker denken in Lösungen. Der deutsche Mittelstand steuert auf eine Kreditkrise zu. Der Grund die Ratings sind zu schlecht. Aber keine Sorge, CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hat schon eine Lösung:

In der FTD vermeldet Dobrindt:

„Deutschland steuert auf eine Ratingfalle zu. Wenn wir die Ratingvorgaben für die Banken nicht umgehend ändern, bekommen wir eine Kreditklemme ungeahnten Ausmaßes.“

Problemorientierte Menschen würden sagen: Der Mittelstand hat zu wenig Eigenkapital, ist zu sehr auf einzelne Produkte fokussiert, zu exportorientiert und haben deswegen ein schlechtes Rating. Lösungsorientierte Menschen sagen: „Wir müssen die Ratingverfahren ändern, so dass schlechte Eigenkapitalquoten nicht mehr zu schlechten Ratings führen.“. Respekt.

Leider ist der Politiker da nicht alleine mit der Auffassung. Auch namenlose „Experten“ vermelden:

Ein Grund dafür ist nach Ansicht von Fachleuten die Art, mit der Banken ihre Kreditrisiken bewerten. Nach den Regeln von Basel II müssen sie ihre Kreditentscheidung nach objektiven Kennzahlen vornehmen – in der Folge haben die Banken ihr internes Rating weitgehend automatisiert. Vertrauen, langjährige Geschäftsbeziehungen oder andere weiche Kriterien spielen keine Rolle mehr. Diese Standards wurden in Zeiten des Aufschwungs konzipiert, argumentiert nun das CSU-Papier – in der Krise wirkten sie als Brandbeschleuniger.

Na, nach welchen Kriterien soll man denn sonst bewerten, wenn nicht nach objektiven? Aussehen der Geschäftsführung? Übrigens stimmt die Aussage „Vertrauen, langjährige Geschäftsbeziehungen oder andere weiche Kriterien spielen keine Rolle mehr.“. Vertrauen spielt eine sehr große Rolle. Ohne Vertrauen bekommt keiner Geld. Nur reicht Vertrauen alleine auch nicht aus. Die Länge der Geschäftsbeziehung spielt in den meisten Verfahren, die mir bekannt sind, eine Rolle und durchaus auch andere „weiche Faktoren“. Mein Lieblingsbeispiel: „Ein verwitweter Geschäftsführer ist besser als ein Geschiedener…“.

Es stimmt die Kriterien wurden in den Boomjahren erstellt. Aber sie wurden immer für den Ernstfall konzipiert. Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, dann steigen nun mal die Risikoprämien. Es ist die Aufgabe eines Ratingverfahren dies widerzuspiegeln. Aber das war jetzt vermutlich wieder zu problemorientiert…

3 Antworten zu Kreditkrise: Ratings zu schlecht? Augen zu hilft!

  1. st sagt:

    weitere weiche Fakoren im Rating:

    – Dauer Geschäftsverbindung
    – Alter/Familienstand Geschäftsführer
    – Ausbildung/Qualifikation/Erfahrung Management
    – Nachfolgeregelung/Unternehmenssicherung
    – Qualität Buchführung/Auskunftsverhalten usw.

    Mag sein, dass alle Kriterien in „Boomjahren“ aufgestellt wurden, die der Diskriminanzanalyse zugrunde liegenden Daten umfassen jedoch bestimmt ein paar Jährchen mehr.

  2. Thomas sagt:

    Laut Wikipedia ist Herr Dobrindt (dessen Namen ich bisher noch nie gehört hatte) immerhin Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft der CSU, und war sogar schon mal kaufmännischer Leiter einer Firma. Wenn der schon so was vorschlägt, dann gute Nacht. Obwohl man hoffen kann, daß das ganze nur Wahlkampfgetöse ist (irgendwie muß ein Nobody wie Dobrindt es ja schaffen, von der Presse zitiert zu werden…)

  3. MaxR sagt:

    Vertrauen war/ist doch bekanntlich der Anfang von Allem …

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