Soziale Unruhen im Wahlkampf

Verlorene Generation warnt seit Beginn der Weltwirtschaftskrise mehr vor möglichen sozialen Konflikten als den direkten wirtschaftlichen Auswirkungen. Auch wenn die Wirtschaftsleistung stark schrumpfen wird und wir uns mit vielleicht 90% unseres bisherigen Lebensstandard begnügen müssen, ist das per se keine allgemeine menschliche Katastrophe. Aber die Art wie bisher die Reichen gegen Verluste geschützt werden, birgt sozialen Sprengstoff. Gesine Schwan wagte nun auch vor sozialen Unruhen zu warnen. Ein Fehler – nicht weil es falsch wäre, sondern weil Überbringer der schlechten Nachricht nie geliebtgewählt werden.

Wenn sich die Politiker in einem einig sind, dann in der Beurteilung der Lage: Ist alles gar nicht so schlimm. In zwei Quartalen geht es wieder bergauf. Blöd nur, dass es immer „in zwei Quartalen“ hieß. Im Sommer 2008 schon sollte der Aufschwung Anfang 2009 kommen, zum Jahreswechsel kam er Mitte 2009 und nun Ende 2009 Anfang 2010.

Wie ist es nun, wenn man die Wahrheit sagt: Der Aufschwung kommt erst einmal gar nicht. Sicher wird angesichts der massiven Staatsgelder und abgebauten Lagerbestände die Produktion wieder anspringen. Es wird nur am falschen Problem gedoktort. Alle versuchen die Produktion aufrecht zu erhalten, dabei gibt es weltweite Überkapazitäten. Produktion muss zurück gehen oder aber der Konsum steigen. Letzteres wird schwierig, da der US-Verbraucher als größter Konsument auf Jahre ausfällt.

Was ist also schlimm daran, wenn Gesine Schwan vor den sozialen Folgen der Krise warnt? Vor sozialen Unruhen? „Unruhen sollen nicht herbeigeredet werden“ ist ein gängiges Argument. Im Umkehrschluss bedeutet das: Ich kümmere mich erst um die sozial Folgen der Krise und um die Möglichkeit von Unruhen, wenn sie da sind. Wir wissen aber jetzt schon, dass sie kommen. Besser wäre es sich jetzt darauf vorzubereiten. Eine Vorbereitung wäre es, die Gelder des Staates nicht zu verschwenden, damit man den bald stark steigenden Arbeitslosen und Harz-IV-Empfängern auch noch Hilfe zukommen lassen kann.


Stimmen auf SPON.

4 Antworten zu Soziale Unruhen im Wahlkampf

  1. Daniel sagt:

    Zum Thema Aufschwung … wieso vergleichen eigentlich alle die Krise mit der Great Depression, lesen aber ihrer Bücher nicht mal bis 1931, wo auch die Entspannung schon überall gesichtet wurde … bis zur zweiten Bankenkrise.

  2. MaxR sagt:

    … und warum halten so viele soziale Unruhen für so kontraproduktiv?

  3. Daniel sagt:

    Weil dabei Eigentum gewaltsam, äh, umverteilt wird und die Leute in der Zeit nichts vernünftiges arbeiten. Das schafft die Gesellschaft natürlich starke „wir vs. die“-Dynamiken, die politisch gewillten und durchsetzungsfähigen starken Männern den Aufstieg erleichtert. „Hitler.“

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