EU reguliert Ratingagenturen

Die Ratingagenturen haben einen der viele Schwarzen Peter in der Finanzkrise erhalten. Durch ihre allzu optimistische Vergabe von AAA-Ratings an Verbriefungstranchen von zweifelhaftem Wert, haben sie den Verbriefungsmarkt mindestens befeuert, wenn nicht sogar erst in der Form ermöglicht. Nun hat die EU Bestimmungen erlassen, welche Ratingagenturen zu erfüllen haben.

  • Registrierungspflicht: Alle Ratingagenturen müssen sich bei einer Regulierungsbehörde anmelden.
  • Sie müssen ihre Bewertungsmodelle offenlegen
  • Sie müssen einen jährlichen „Transparenzbericht“ veröffentlichen
  • Es darf nicht mehr der gleiche Kunde sowohl beraten als auch gerated werden.
  • Ein Mitarbeiter, darf nicht mehr als fünf Jahre lang das gleiche Unternehmen raten.

Meine Einschätzung: Da ist nichts wirklich schädliches dabei. Hätte deutlich schlimmer kommen können. Ein paar der Punkte sind sinnvoll (die letzten beiden) und ein paar sind unnötiger Overhead, aber schaden aber auch nicht weiter (die ersten drei).

Ein paar Wünsche hätte ich aber mehr gehabt:

  • Die Agenturen sollen nicht mehr einfach Ratings als Zeichketten veröffentlichen, sondern direkt die geschätzten Ausfallwahrscheinlichkeiten und Verlusthöhen.
  • Die Agenturen sollen jedes Rating einer Firma gleich bei Behörde melden. Die Behörde historisiert die Ratings und ermöglicht somit unabhängiges Backtesting. In ihren eigenen Datenhistorien ändern die Agenturen gerne mal rum, so dass man sich letztlich nicht sicher sein kann, ob da nicht manipuliert wurde.

Quelle: NZZ.

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2 Responses to EU reguliert Ratingagenturen

  1. nacken sagt:

    Was ich mir noch gerne gewünscht hätte, wäre ein eine Änderung des Geschäftsmodells, welches die Inflationierung von Ratings erst möglich gemacht hat. Stichwort: rating shopping. Rating shopping kostet zwar dem Unternehmen Geld, welches es aber über das bessere Rating wieder reinkriegt. Nur das wie weiss ich auch nicht.

    Leider funktioniert das „investor-pays“ Prinzip nicht mehr. Fotokopie und Internet haben das Geschäftsmodell vollkommen unmöglich gemacht. Ein Möglichkeit wäre, dass die Börsen für die Ratings bezahlen. Allerdings ist hier auch nicht klar ob die Börsen dann ihre „Monopolposition“ ausnützen würden um Ratings zu beeinflussen.

    Allerdings besteht das Problem vor allem bei komplexen Produkten, die von Finanzintermediären ausgegeben werden. Bei Unternehmensanleihen sind die Probleme weniger wichtig. Hier haben viele Unternehmen kein Rating und können in normalen Zeiten Anleihen begeben, weil ihr Prospekt von einer glaubwürdigen Bank unterfertigt ist. Also gibt es sowas wie Wettbewerb.

    In dem Ausmaß in dem sich einiges von financial engeneering als regulatorische Arbitrage herausgestellt hat, wird das Problem mit Ratings auch ein geringeres. Daher sollte man jetzt nicht unbedingt die regulatorische Keule auspacken. Ratingagenturen und Banken freuen sich schon jetzt die Kosten mit Aufschlag weiterzugeben ;-).

  2. ketzerisch sagt:

    Ich glaube, dass mehr Wettbewerb reicht. Wenn es dann noch ein offizielles Backtesting gibt, dann können die Rating-Agenturen sich manipulierte Ratings schlecht erlauben. Sie wären bald wertlos, so wie die meisten Fonds-Ratings schon jetzt.

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