Bad Bad Bank

In einem „politischen Gastkommentar“ melden sich Klaus F. Zimmermann, Dorothea Schäfer und das DIW zum Thema Bad Bank zu Wort. Gut das die das als politischen Kommentar gekennzeichnet haben. Besonders wirtschaftlich ist er nämlich nicht – zu mindestens nicht für den Steuerzahler.

Im Handelsblatt ist der Artikel mit „Wir brauchen eine konsequente Bad Bank„:

Die Finanzkrise hätte als solche konsequent im Bankensektor bekämpft werden müssen. Wir haben dies immer wieder betont – erfolgreich umgesetzt wurde es bisher aber weder in den USA noch in Deutschland. Und nun ist es fünf vor zwölf, wenn der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, dies zur Priorität sogar vor den weltweiten Konjunkturpaketen macht und Bundeskanzlerin Merkel es zur Chefsache erklärt.

Für die Banken ist es eher fünf nach zwölf. Fast alle sind wirtschaftlich überschuldet. Bilanziell wären sie es auch, wenn die Regierung nicht in einer Nacht- und Nebelaktion nicht geändert hätte – mit dem einzigem Ziel die Wahrheit über die Solvenz der Banken zu verdunkeln.

Die angemessene Reaktion auf die Finanzkrise wären eine international koordinierte Flutung der Geldversorgung, niedrige Zinsen, die Garantie der Interbankenkredite und der Spareinlagen sowie die Bereitstellung von öffentlichem Eigenkapital an die Banken und die Herauslösung der Risikoaktiva in eine Bad Bank gewesen.

„Flutung der Geldversorgung“, „niedrige Zinsen“, „Garantie der Spareinlagen“, „Bereitstellung von öffentlichen Eigenkapitel“ haben wir doch. Bleiben die anderen beiden Punkte: „Garantie der Interbankenkredite“

Es ist auch nicht so, dass wir keine Interbankenkredite garantieren würden. Wie man in unserer Aufstellung sieht, tun wir das sogar mit vielen Millarden Euro. Vermutlich meinten die Autoren aber den Interbankengeldmarkt. Wie dem auch sei: eine „Garantie der Interbankenkredite“ bringt nichts. Dahinter steht doch die Annahme, dass wir ein Liquiditätsproblem hätten. Stimmt aber nicht. Die Banken haben nicht zu wenig Flüssiges, sie sind pleite. Sie haben schlicht mehr Schulden als Werte. So einfach ist das. Da ist jeder staatsgarantierte Kredit – ob interbanken oder nicht – reine Geldverschwendung. Kostet den Staat Geld, bringt aber nichts.

Den letzten Punkt „Auslagerung von Risikoaktiva“ in eine Bad-Bank lehne ich rundweg ab. Das ist ein reines Geldgeschenk an die Bankaktionäre und -anleihenhalter. Einige der Bad-Bank-Lösungen lassen den Aktionär noch ein bisschen am Schade teilhaben, aber keine den Anleihenbesitzer. Eine ordnungspolitische Sünde, die den Grundstein für die nächste, dann noch größere Krise liefert. Solange ihr die Anleihenkäufer immer rettet, werden die ihren Wetteinsatz erhöhen. Ist doch logisch! Die merken auch: Selbst in der größten Krise seit der großen Depression sind Bankenanleihen ein völlig risikofreies Investment. Gewinne bei mir, Verluste gibt es nicht. Da wette ich doch noch mehr drauf.

Dabei ist eine Bad-Bank nicht nur Geldverschwendung. Es ist auch unnötige Geldverschwendung. Es gibt diverse Vorschläge die Banken zu Rekapitalisieren ohne auch nur einen Cent Staatsgeld in die Hand zu nehmen. Nur scheinbar will weder die Politik noch die deutschen Volkswirte diese zur Kenntnis nehmen. Die Amerikaner sind da weiter. GM soll jetzt mit einem Zwangsumtausch von Anleihen in Aktien rekapitalisiert werden.

Diesen Weg hat Deutschland nur unzureichend beschritten. Das deutsche Bankenrettungspaket war von Anfang an zu inkonsequent geschnürt. Die Chance, mit Bad Banks die dringende Sanierung des Landesbankensektors durchzusetzen, hat der Bund bislang nicht einmal gesucht.

Das ist wohl eher ein hoheitliches Problem. Der Bund hätte sich schon eingemischt, aber solange sich die Länder lieber selber ruinieren, als den Bund an einer Landesbank zu beteiligen, sind der Bundesregierung wohl die politischen Hände gebunden.

Eine Bad Bank ist vor allem aus zwei Gründen notwendig: zum einen wegen der Unsicherheit der Marktteilnehmer über die Ausfallrisiken der toxischen Papiere und daraus resultierend über die Werthaltigkeit der Bankbilanzen.

Es gibt keine Unsicherheit über die „Werthaltigkeit von Bankbilanzen“. Jeder weiß, dass die Banken insolvent sind und die Bankschulden die Aktiva überschreiten. Deswegen leiht den Banken ja auch keiner mehr was, wenn der Staat seinen Kopf nicht dafür hinhält. Und die Banken, die sich noch selber refinanzieren können, sind nur deswegen in dieser komfortablen Lage, weil sie indirekt durch die massiven Staatsgelder profitieren. Auch eine Deutsche Bank wäre pleite, wenn HRE oder AIG pleite gehend dürften.

Zum anderen wegen des quartalsweise wiederkehrenden Wertberichtigungsbedarfs bei toxischen Papieren und der dadurch anhaltenden Bedrohung des Eigenkapitals der Bank.

Und nochmal zum Mitschreiben: Das Eigenkapital der Banken wird nicht durch „quartalsweise wiederkehrenden Wertberichtigungsbedarfs“ bedroht. Es ist schon längst verschwunden. Weg. Aus. Nada. Das Eigenkapital ist nicht mehr. Das Spiel ist aus. Es ist ein Ex-Eigenkapital.

Es ist schwer vorstellbar, dass sich der Markt für diese Papiere wiederbelebt. Zudem sind die Ausfallrisiken dort wahrscheinlich hoch.

Treffend analysiert. Der Markt wird sich nicht wieder beleben. Daher sind die Banken ja auch pleite. Sie besitzen etwas, kaum noch einen Wert hat.

Das DIW Berlin hat kürzlich ein eigenes Modell vorgelegt, mit dem eine saubere Trennung in Good und Bad Banks gelingen kann. Kernpunkt ist eine Wertberichtigung der Problemaktiva auf den gegenwärtigen Marktwert. Für die unverkäuflichen toxischen Papiere beträgt dieser null. Der Wertberichtigungsbetrag reduziert das bilanzielle Eigenkapital.

Prima. Dann sind die Banken pleite. Mir wäre ein Tausch von Fremd- gegen Eigenkapital lieber als eine Bankenpleite. Ist mit geringeren gesellschaftlichen Kosten verbunden.

Damit tragen die Altaktionäre den Verlust aus den Fehlinvestitionen.

Ich hasse diese Fixierung auf die Aktionäre. Die Aktionäre sind überhaupt nicht das Problem. Das Problem sind die Investoren, die den Banken viel zu viel und viel zu billig Geld geliehen haben. Das Problem sind die Investoren in Bankanleihen. Die Investoren in Bankanleihen haben den hohen Hebel (Leverage) der Banken ermöglicht. Die Aktionäre und Manager haben ihn doch nur dankend angenommen. Die Anleiheninvestoren sind aber die eigentlich Schuldigen an der Misere.

Der Staat übernimmt die Papiere zum Marktwert – toxische Papiere zum Wert von null – und sorgt auf eigene Kosten für die weitere Verwertung. Gleichzeitig rekapitalisiert er die Good Banks mittels Anteilserwerb. Das kann auch die vollständige Übernahme bedeuten. Die Beteiligungsrisiken sind jedoch nach Auslagerung der Problemaktiva für den Steuerzahler tragbar.

Risiken existieren nach der Auslagerung keine mehr. Handfeste Verluste sind dann ja schon eingetreten. Wenn der Staat die Banken rekapitalisiert, dann muss er das negative Eigenkapital zunächst einmal bis Null auffüllen, bevor er einen Gegenwert für sein Investment erhält. Nehmen wir als Beispiel die HRE: Nach Abschreibung aller toxischen Assets sei das Eigenkapital beispielsweise minus dreißig Milliarden. Es soll aber zehn Milliarden sein, also investiert der Bund vierzig Milliarde, um dann eine Bank zu besitzen, die zehn Milliarden wert ist. Dreißig Milliarden Steuergeld sind in einer Sekunde verschwunden. Das heißt, weg sind sie natürlich nicht. Sie liegen dann auf den Konten der Anleihenbesitzer.

Überschüsse aus der Verwertung der Problemaktiva werden an die Altaktionäre ausgeschüttet.

Das Konzept ist auch ohne diese Satz Geldverschwendung. Aber damit bringt es mich noch mehr auf die Palme. Wieso genau, werden die Gewinne an die Altaktionäre ausgeschüttet und die Verluste verbleiben beim Staat?!?

[..]
Die Geschichte der Einrichtung von Bad Banks hat gezeigt, dass die Kosten für den Steuerzahler vor allem dann gering sind, wenn der Staat im Zuge der Einrichtung einer oder mehrerer Bad Banks auch Anteile an den Good Banks erhält. Unser Ansatz erlaubt eine transparente Befreiung von den Problemaktiva und eröffnet den Banken so einen aussichtsreichen Neustart, wie er in der gegenwärtigen Wirtschaftslage dringend geboten ist.

Nichts gegen den Neustart. Aber da es deutlich günstigere Varianten, die sogar für eine Marktdisziplin sorgen, die zur Verhinderung der nächsten Krise dringend benötigen.

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3 Responses to Bad Bad Bank

  1. Thomas sagt:

    Sehe ich im wesentlichen auch so.

    Eine Detailfrage: Die 30 Mrd. € negatives EK der HRE sind ein „aus dem Hut gegriffenes“ Beispiel, oder steht da eine konkrete Rechnung dahinter?

  2. […] Die Bad Bank nimmt Gestalt an. Das wir generell kein Freund der Bad-Bank-Idee sind, haben wir ja schon geschrieben. Trotzdem hier ein Blick auf die Details. Die Idee aus den Hause Steinbrück ist es, die Risiken […]

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