Lidl: Business as usual

Mit einer kaum erträglich Ignoranz fährt Lidl sein System zur Mitarbeiterüberwachung einfach weiter. Zufällig fand jemand in einem Mülleimer interne Firmenunterlagen. Diese enthielten Listen über die Krankheiten der Mitarbeiter und den daraus abgeleiteten „Maßnahmen“, wie Gespräche oder Kündigungen.

Der Spiegel schreibt:

Der Discounter Lidl hat die Krankheiten von Mitarbeitern in firmeninternen Unterlagen festgehalten – obwohl das arbeitsrechtlich bedenklich ist. Das zeigt: Auch ein Jahr nach dem Spitzelskandal kämpft der Billiganbieter mit seiner Firmenkultur.

Schön wär es, wenn er damit kämpfte. Aber er scheint mit sich und seiner Firmenkultur im Reinen zu sein und die Mitarbeiterüberwachung systematisch weiter zu betreiben.

Es war ein zufälliger Fund, doch er hat es in sich: In einem Mülleimer einer Autowaschanlage in Bochum wurden Hunderte von internen Unterlagen des Lebensmitteldiscounters Lidl entdeckt. Sie zeigen: Das Unternehmen hat die Krankheiten seiner Mitarbeiter systematisch protokolliert und festgehalten. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE setzte Lidl offenbar bundesweit Formulare ein, in denen der „Grund der Krankheit“ von Mitarbeitern eingetragen werden sollte.

So steht dort über eine Mitarbeiterin, die im Juni vergangenen Jahres krank geschrieben war: „Will schwanger (werden). Befruchtung nicht funktioniert“. Über eine andere Mitarbeiterin, die ebenfalls im Juni krank gemeldet war, findet sich als Grund nur „Psychologe“ und unter anderem die Anmerkung „Kündigung zum 31.7.08“. Über eine Mitarbeiterin, die im Oktober erkrankte, ist in den Unterlagen festgehalten: „Stationäre Behandlung in Neurologischer Klinik“. Über eine Filialleiterin steht in den Unterlagen: „Private Probleme (mit VT besprechen)“. VT ist Lidl-intern die Abkürzung für Vertriebsleiter in den Regionaldirektionen, denen die bundesweit mehr als 3000 Filialen unterstellt sind.

Der Artikel geht noch weiter, aber ich erspare dem Leser mehr Details über dieses abartige Vorgehen. Es sei nur noch darauf verwiesen, dass die Unterlagen aus einer Zeit nach dem Spitzelskandal stammen und auch die dort eingetragenen Daten allesamt nach dem Spitzelskandal erhoben wurden. Deutlich danach, denn die neusten Daten in den Unterlagen stammen aus Dezember 2008. Lidl behauptet aber, dass die Formulare zur Erfassung Mitte Januar abgeschafft wurden. So ein Zufall. Offen bleibt, ob nur die Formulare abgeschafft wurden oder auch die systematische Erfassung der Krankheiten. Ich fürchte ich kenne die Antwort.

Da erfreut es ein wenig, dass die Lidl-Umsätze einbrechen. Wäre nur schön, wenn sie auch aus diesem Grund eingebrochen wären…

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