Gesundheitsdiktatur

Hier nun auch von mir mal eine Buchempfehlung: Corpus Delicti von Juli Zeh. Das Buch zeichnet die Gesellschaft in 50 Jahren als eine Gesundheitsdiktatur, in der die Bürger zu gesunder Ernährung und täglichen Sporteinheiten gezwungen werden. Krankheit und Verfall gibt es nicht mehr, es riecht nach Chlor.
Die Protagonistin dieses Romans gerät mit der Staatsgewalt in Konflikt und führt einen fast aussichtslosen Kampf gegen die totalitäre Idee, dass der Bürger eine Verantwortung zum Gesundbleiben hat.
Die Autorin denkt konsequent einige Ansätze unserer heutigen Gesundheitspolitik zu Ende. Man denke nur an die Sportprämien der Krankenkassen und die Feindschaft, die Rauchern heute entgegenschlägt. Leider bleibt der Roman auf der Hälfte stehen: Die Figuren wirken vielfach Schablonenhaft, die Handlung gerade später etwas konstruiert. Der Autorin mekrt man Ihre Herkunft aus dem Rechtsbereich an, viele Szenen spielen sich in einem Gericht ab. Dies ist aber das große plus: Hier werden Ideen verhandelt und gezeigt, dass auch die beste Idee mit den besten Absichten zu totalitärem Wahn führen kann.
Auch mit diesen Schwächen ist der Roman lesenwert und schauerlich: Ich möchte mir nicht vorstellen in so einer porentief reinen Gesellschaft leben zu müssen.
Zum Thema passend ein Video von dem sehr geschätzten Kabarettisten Rainald Grebe:

Rainald Grebe & die KdV – Raucher

Update:
Die Autorin wird von der SPD zur Bundesversammlung geschickt. Ob die Gesundheitspolitik dieser Partei wirklich dazu geeignet ist, Ihrer düsteren Utopie vorzubeugen, möge sie bitte selbst beurteilen.

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