Cohn-Bendit: Lenin Inside

Der Barrikadenkämpfer Cohn-Bendit äußert sich auf Spiegel-Online zur Wirtschaftskrise und zur ökologischen Umgestaltung unserer Gesellschaft. Darin zeigt er sich noch immer als konsequenter Leninist. Zu Beginn des Interviews zeigt er sich noch gemäßigt und man könnte fast  glauben scheint, er habe seinen Frieden mit der marktwirtschaftlichen Ordnung gemacht:

Die sozialistische Planwirtschaft als Staatskapitalismus ist in Osteuropa auf ganzer Linie gescheitert. Da gibt es nichts, worauf wir zurückgreifen könnten und sollten.

Dann geht es aber beherzt zur Sache: Dany hat ein Buch geschrieben. (Das scheinen vor Wahlen fast alle Politiker zu tun – diese Bücher haben so geniale Titel wie: Mehr Kapitalimus wagen oder EIn Sozialdemokrat) Sein Buch heißt: „Que faire?“ – Was tun? Kenner fühlen sich erinnert an ein buch eines anderen Autors: Wladimir Iljitsch Lenin, Was tun?, erschienen 1902. Merkwürdige Übereinstimmung? Nicht unbedingt, liest man das Interview weiter zeigt sich, dass Dany mehr übernommen hat, als nur den Titel:

Wir müssen unsere Lebensweise und Wirtschaftsweise radikal ändern. Das geht nicht ohne Opfer. Das funktioniert nicht ohne Verzicht. Die meisten Menschen wollen Reformen, solange sie sie nicht spüren. Aber die ökologische Transformation gibt es nicht zum Nulltarif.

Die ökologische Transformation. Anstatt unsere ökologischen Probleme zu lösen, schlägt Dany gleich die neue Gesellschaft vor, die sich sowieso hegelianisch aus der alten entwicklen wird. So sieht ökologischer Materialisimus aus, Apokalytisches Untergangsszenario mit inbegriffen. Die grün genormete Geselschaft als Ende der Geschichte. Mit seiner Abkehr von östlicher Planwirtschaft am Anfang des Interviews erweist sich Dany als geschickter Rethoriker, ernst gemeint ist sie wohl nicht.

Nur die Kombination aus Existenzsicherung und Transformation bietet eine nachhaltige Lösung der Krise.

Dieser mantrahafte Satz bildet das Ende des Interviews. Oder um es anderes auszudrücken: Grüne Transformation – das ist Sowjetmacht plus Ökostrom im ganzen Land.

Update:

Für die, die es nicht glauben wollen, oder Interesse an einem der beiden Bücher haben:

Was tun?

2 Antworten zu Cohn-Bendit: Lenin Inside

  1. ketzerisch sagt:

    Ich gestehe: Ich mag Danny ja. Kann mir gut vorstellen einen weinseeligen Abend mit ihm zu verbringen. Aber politische Macht bekommt er besser nicht. Das Interview geht ja gar nicht. Wieso muss die verständliche Forderung nach mehr Umweltschutz immer mit einer Forderung nach einem anderen Gesellschafts- oder gar Menschentypus verbunden werden?

  2. ketzerisch sagt:

    Hmm, der Lenin ist teurer, aber Daniels Buch auch in einem standesmäßigem Rot gehalten. :-)

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