und schon wieder er

Nachdem wir uns ja schon häufiger mal über die infamen Unterstellungen des Herrn K. gewundert und an seinen apokalyptischen Szenarien gerieben. Heute berichtet die FAZ über ihn unter dem Titel „Europa ist in größter Gefahr“. (Text hier). Im Text werden die Überlegungen Krugmans rekapituliert, nach denen Europas Politiker im allgemeinen und die deutschen im speziellen zu zögerlich handeln und damit alles und jeden gefährden, insbesondere die politische Ordnung. Krugman über Steinbrück:

 „Vergleichbares zur ahnungslosen Hetze des deutschen Finanzministers kriegt man in den Vereinigten Staaten nur von den Republikanern zu hören“

Es kann sich ja jeder selbst ein Bild machen, wer gegen wen hetzt. Die Große Frage, die sich mir stellt war jedoch, dass Krugmans Argumentation auf Gedeih und Verderb auf eine Annahme ausgerichtet ist: Das er Recht hat – und alle anderen unrecht.

Während Steinbrück zugab, dass wir alle auf Sicht fahren; während sich so langsam die Erkenntnis durchsetzt, dass viele Rettungsmaßnahmen noch nicht gezündet haben posaunt Krugman weiter seinen  Choral in die Welt: Schleusen auf.

Wenn man auf ihn hörte und es würde nicht funktionieren, wären dann die Folgen nicht ebenso desaströs? Wäre das Vertrauen in ihn persönlich und die Institutionen und Politiker, die seinen Vorschlägen folgten nicht auch so nachhaltlig zerstört, dass seine schlimmsten Vorstellungen sich bewahrheiten würden.
Krugman Position ist nicht mehr diskursiv und suchend, sie ist absolut und dogmatisch. Vom Handelsökonom zum Nobelpreisträger und weiter zum Propheten, göttlicher Aufstieg.

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2 Responses to und schon wieder er

  1. marginaleconomist sagt:

    Ganz interessant. Aber eine der selbst gestellten Fragen am Ende wurde eigentlich nicht beantwortet. Was würde passieren, wenn man seinen Vorstellungen folgt und „es würde nicht funktionieren“.

    Angenommen man folgt ihm und er liegt richtig. OK, große Katastrophe abgewendet. Wird teuer, aber die Alternative wäre noch teurer und für viele Länder katastrophal.

    Angenommen man folgt ihm und er liegt nicht richtig. Was passiert dann? Es wird auch teuer und wir haben irgendwie in irgendwas investiert. Das mag teilweise sinnvoll gewesen sein, teilweise wird es ineffizient gewesen sein. Auf jeden Fall wird es teuer. Über kurz oder lang würde es eine ordentliche Inflation geben. Irgendwie sehe ich bei diesem Szenario nicht so die richtige Katastrophe am Horizont. Mir fällt jedenfalls kein Land ein, dass jemals an einem kurzfristigen, massiven fiskalischem Stimulus zugrunde gegangen ist.

    Wäre aber interessant, das näher zu beleuchten.

  2. Cangrande sagt:

    Das Problem mit den Inflationisten oder Reflationisten (Krugman, Bernanke; Letzter hat jetzt ja der Forderung des Ersteren nachgegeben und glaubwürdig Inflation versprochen, indem er den Niedrigzinssatz für längere Zeit beibehalten will) ist m. E., dass es „die Inflation“ nicht gibt.

    Vielmehr hat anscheinend die Inflation der Konsumgüterpreise (Benzin an erster Stelle) dazu beigetragen, den (allerdings ohnehin nicht nachhaltig möglichen) Boom der Asset Preise zu knicken.

    Ich kann zwar die Ratio der Deflationsfurcht nachvollziehen, wonach bei einem kräftigen Preisverfall rückgekoppelte eine verstärkte Konsumzurückhaltung zu erwarten („befürchten“) ist.

    Dennoch halte das Denken der finanzwirtschaftlichen Schleusenwärter für extrem naiv, dass man nur kräftig reinpumpen müsste, und schon wird der Ballon wieder gleichmäßig rund. Wahrscheinlicher ist, dass die Blase dann woanders platzt.

    Zunächst einmal wird allerdings das „belämmerte Ausland“ (Zitat aus FTD-Kommentar „Also doch nicht pleite“ http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/marktberichte/:Das-Kapital-Also-doch-nicht-pleite/487750.html v. 16.3.09, also sogar schon vor dem neuen Schleusenschwall der Fed)

    Überhaupt ist ja eine Welt psychisch krank, welche glaubt, dem Abgrund entrinnen zu können, indem sie etwas schneller darauf zusteuert ( http://beltwild.blogspot.com/2008/11/die-regierungen-haben-weltweit-genau.html ).
    Wenn ich Ihren Blogtitel richtig interpretiere, trage ich allerdings mit dieser Bemerkung Eulen nach Athen oder wohin auch immer.
    Freilich muss ich mir ehrlicherweise eingestehen, dass auch ich selbst keinen (zumindest keinen angenehmen oder ethisch vertretbaren) Ausweg aus unserem Ressourcendilemma sehe. (Klar: Sven Giegold & Co. – https://verlorenegeneration.wordpress.com/2009/03/10/politiker-im-klassenkampf/ – sind wohl auch nicht die Lösung).

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