Einführung in die VWL

Da es hier ja zu einigen Mißverständnissen bzgl. des Funktionierens des Sparens gekommen ist, hier mal eine Einführung.

Wir nehmen an, wir befinden uns in einer offenen Ökonomie. Deutschland ist als Nation innerhalb der EU und als stark exportlastig durchaus eine sehr offene Ökonomie.

Die Produktion (Y) muss im Gleichgewicht dem Konsum (C:privater Konsum, I: Investition, G:Staatsausgaben und (EX-IM): Leistungsbilanzsaldo) entsprechen:

Y=C+I+G+(EX-IM)

Die private Ersparnis ist (mit Steuern T) gegeben als:

S=Y-C-T

Daher ist

S=I+G-T+EX-IM

ergo:

EX= S+(T-G)-I

Die Exporte entsprechen also privater Ersparnis + öffentlicher Ersparnis. Nun kann man sagen, die Betrachtung sei statisch und die Regierung könne Anleihen ausgegeben, um sich zu finanzieren. Diese Anleihen müssen aber aus zukünftigen Steuern, bzw. den Rückflüssen aus öffentlichen Projekten gezahlt werden. Der öffentlich Projekte erfahrungsgemäß schlechter rentieren als private, ist es mit Hilfe von Staatsanleihen nicht möglich, Konsum in die Zukunft zu transferieren, wenn eine ganze Gesellschaft das möchte und nicht nur einzelne Wirtschaftssubjekte.

Bleibt die Hilfe des Exportes. Würde man die Ersparnis nur im Inland anlegen, steigt das inländische Angebot an Kapital und der Realzins sinkt. Es würden zwar viele Investitionen getätigt werden, diese erwirtschaften allerdings eine niedrige Rendite. Ist der Realzins im Ausland höher, fließt das Kapital dorthin, weil die Verzinsung dort höher ist. Bei der Bevölkerungsstruktur/ und Entwicklunsstruktur vieler Staaten im Vergleich zu unserem macht diese Richtung Sinn.

Es läuft auf einen Tausch hinaus: Konsum heute bei kapitalimportierenden Staaten gegen Konsum morgen bei kapitalexportierenden Staaten.

Update

Wegen dieses Artikels kam es zu einem kleinen Scharmützel mit dem Autor von grenzwertiger Ökonom, siehe hier

Unsere Antwort darauf dokumentieren wir hier:

Verehrter Jungglogger,
ein kurzer Blick in das Werk Macroeconmoics von Olivier Blanchard 3. Auflage, erschienen bei Pearson Education in New Jersey a.D. 2003, verrät uns gleich am Anfang im dritten Kapitel:
“…the equilibrium in the goods market requires that production [Y] be equal to the demand [Z=C+I+G] for goods.”
es folgt ein grundlegender Hinweis zu Modellgleichungen:
” Models include three types of equations: identities, behavioral equations, and equilibrium conditions[…] the condition that production equals demand is an equilibrium condition.”

Um es Ihnen ganz deutlich zu machen: Nicht alle Milch, die produziert wird, muss auch getrunken werden. Dasselbe gilt in der EU auch für Butter. In der Argumentation für die Viagrapakate für die Konjunktur, wird ja gerade gefordert, dass durch eine Erhöhung der Staatsausgaben,G, die Outputlücke zwischen Angebot Y und Nachfrage Z, verringert wird.
Bitte beschränken Sie Ihre Beiträge in Zukunft auf Themen von denen Sie etwas verstehen. Die Ökonomie scheint jedenfalls nicht dazuzugehörden. Ich hoffe, Sie bringen Ihren kubanischen und nordkoreanischen Studenten nicht so etwas bei. Nur weil man die Diskussion von deLong und Krugman über den Beitrag von Cochrane gelesen hat, bedeutet das noch nicht, dass man die Verwechselung von Bilanzidentität und Gleichgewicht als allgemeines Draufhauargument verwenden kann. Wenn ich mich recht erinnere, lief dort die Verwechselung in eine andere Richtung wie die Ihrige, die das Problem eher noch verschärft.
Zu den “Fakten”:
In einer geschlossen Volkswirtschaft kann Konsum nur zwischen Wirtschaftsubjekten transferiert werden, die eine unterschiedliche Konsumpräferenz in der Zeit haben. Der Staat als Summe, kann Anleihen Ausgeben, die von den Subjekten gehalten werden. Die Allgemeinheit hat dafür Straßen. Die Gesamtgesellschaft hat heute und morgen gleich viel Konsum. Konsumtransfer der Gesamtgesellschaft (Bürger +Staat) ist nur dann möglich, wenn das Ausland eine andere Konsumpräferenz über die Zeit hat. Oder nochmal in anderen Worten: Auf eine höhere! Indiffernzkurve kommt man nur über das Ausland (vgl. Obstfeld und Rogoff, Foundations of International Macroeconomics, Seite 8 auch ziemlich weit vorne!)
Bitte grenzwertiger Ökonom, erst denken, dann schreiben.
Mit besten und kollegialen Grüßen
Ihre
verlorene generation.

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2 Responses to Einführung in die VWL

  1. […] (K)Einführung in die VWL In Ökonomie on März 12, 2009 at 2:23 Wieder interessante Beobachtungen auf  “Verlorene Generation”: […]

  2. Subi sagt:

    Modelle stellen die Realität in idealisierter Form dar, um sie handhabbar zu bekommen. Man kann es dabei allerdings auch übertreiben.

    „Diese Anleihen müssen aber aus zukünftigen Steuern, bzw. den Rückflüssen aus öffentlichen Projekten gezahlt werden.“
    Wunschdenken. War noch nie der Fall. Getilgt wird durch Aufschulden bis am Horizont Zinsen = Staatshaushalt sichtbar wird. Dann ist Finale. Spiel mit absehbarem Spielende. Man muß nur auf der Zeitachse weit genug voranschreiten.

    „Der öffentlich Projekte erfahrungsgemäß schlechter rentieren als private…“
    Mit Bitte um 1 Beispiel. Danke. Es läuft mMn darauf hinaus, daß eine Rendite öffentlicher Projekte das Spiel „Linke Tasche, rechte Tasche“ hinaus. Wo ist der Unterschied, ob ich mir als Staat selbst eine Dividende ausschütte oder kostendeckend tätig bin?

    „Es läuft auf einen Tausch hinaus: Konsum heute bei kapitalimportierenden Staaten gegen Konsum morgen bei kapitalexportierenden Staaten.“
    Wunschdenken. Das impliziert, daß das Ausland das Spiel mitspielt. Würde ich mich bei den Chinesen oder Amerikanern nicht darauf verlassen.
    Im Prinzip läuft diese ihre Tausch-Betrachtungsweise auf eine Weltbinnenwirtschaft hinaus, damit das funzt. Davon sind wir allerdings meilenweit entfernt, womit ich gleiche Spielregeln für alle Marktteilnehmer meine.

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