Sündenbock für Finanzkrise gesucht

Mex’s Blog stellt die interessante Frage, was eigentlich nach einem Staatsbankrott passiert. Wen werden die Politiker zum Sündenbock erklären? Ich stimme mit Mex überein, dass sie sich wohl nicht selber beschuldigen werden. Hier ein paar mögliche Szenarien.

Szenario 1: Eine neue Regierung kommt an die Macht. Die hat es dann einfach: Sie beschuldigt einfach die Vorgängerregierung. Das ist besonders einfach, wenn diese von der anderen Seite des politischen Spektrum stammte: Links kann die neoliberale Politik Schröders verantwortlich machen und die Liberalen oder Konservativen den alten Vorwurf, dass die Linke mit Geld nicht umgehen kann.

Szenario 2: Es bleibt die gleiche Partei in der Regierung oder eine neue kann sich nicht (glaubwürdig) von der Vorgängerregierung absetzen. Dann müssen andere Sündenböcke her. Bänker wären ein leichtes Ziel – aber nur dann, wenn der Bankrott bald einsetzt. Zu erwarten sind die Ausfälle aber eher in fünf Jahren, wenn die Zinsen wieder hoch sind. Dann sind die Bankenrettungen vielleicht schon nicht mehr präsent im Volksgedächnis.

Alternativ könnten natürlich auch andere willkürliche Gruppen ausgewählt werden. Zum Beispiel arbeitslose Ausländer, die angeblich die Sozialsysteme ausnehmen. Arbeitslose insgesamt eignet sich nicht so gut. Die Gruppe muss klein genug sein, sonst kostet das zu viele Wählerstimmen. Ausländer sind da ein dankbares Ziel, denn die meisten dürfen nicht wählen.

Der Schuldige könnte natürlich auch im Ausland ausgemacht werden. Dies insbesondere von Parteien, die sich für gewöhnlich wenig Gedanken um den Ruf des eigenen Landes im Ausland machen: extrem Rechte oder extrem Linke. Denkbar wäre hier die Schmarotzer in Osteuropa, die unsere Kredite genommen habe und sie nicht zurückzahlen. Oder China, dass mittels Heerschaaren von billigen Arbeitskräften den guten <hier Deine Nationalität einfügen> den Arbeitsplatz wegnehmen. Die Araber und Russen, die zu viel Geld für ihr Öl und Gas verlangen.

Szenario 3: Der gewählte Schuldige ist keine Personengruppe, sondern ein abstraktes Konzept. Vielleicht in Deutschland das wahrscheinlichste Szenario. Schuld sein könnte der Liberalismus: Also die Tatsache, dass die Menschen nicht immer erst den Staat um Erlaubnis fragen müssen, bevor sie etwas tun. Oder der Staatsintervenismus, also die Tatsache, dass der Staat in seinen Allmachtsfantasien sich überall einmischt und sich dabei heillos übernimmt. Während letzteres ein positiver Ausgang wäre, ist ersteres gemessen an den aktuellen Politikeräußerungen in Deutschland deutlich wahrscheinlicher. Schon allein deshalb, weil die Kritik am Staatsintervenismus ja eben auch wieder ein Schuldeingeständnis der Politiker wäre. (siehe auch hier)

9 Antworten zu Sündenbock für Finanzkrise gesucht

  1. Quotex sagt:

    Szenario 4: Das geltende monetäre System wird in Frage gestellt,man erkennt das Zins und Zinseszins ein exponentielles Wirtschaftsachstum vorraussetzt welches real nicht möglich ist.Es wird gefordert die Finanzcasinos zu schließen da sie nur wenigen nutzen aber das Potenzial haben ganze Volkswirtschaften zu ruinieren.Es wird krampfhaft nach einer Alternative gesucht die Mensch und Natur wieder in den Mittelpunkt stellt.

  2. ketzerisch sagt:

    Hmmm. Kann passieren. Ist eine Spielart von Szenario 3: Ein abstraktes Konzept wird als Schuldiger ausgewählt. Wird wohl auch in Staatswirtschaft münden. Vielleicht unter einem anderen Namen als Kommunismus.

  3. Szenario 5 plötzlich kommen lauter Internetbenutzer auf die Idee in den Regiogeldinitiativen ein zu treten sich in Tauschringen zu organisieren, Stiftungen auf zu machen und die Hampelmänner in Politik und Wirtschaft blöde aussehen zu lassen.

  4. Quotex sagt:

    Das halte ich für unwahrscheinlich,100% Staat findet nirgendwo einen Konsens,nichtmal bei den Linken mittlerweile.Ich hatte da eher an Freigeld a la Wörgl gedacht welches sogar von recht bedeutenden Ökonomen wie z.B. Irving Fisher,Keynes,Schumpeter,Lietaer,Buiter sowie Stiglitz als mögliche Alternative erachtet wird.

  5. willi sagt:

    Mein Tipt ist 3. Je mehr Schuldige gefunden werden desto besser. Wer es schafft mit Sprüchen wie „über unsere Verhältnissse gelebt“ und ähnlichem Blödsinn alle verantwortlich zu machen erhält die höchste Punktzahl und die meisten Spenden. Ein Hinweis darauf, das es so laufen könnte, kann die Kampgne des Neoliberalismus der letzten zwei Jahrzehnte sein. Man betreibt den Rrigorosen Abbau des Sozialstaats und begründet dies mit den „Herausforderungen der Globalisierung“, weil man plötzlich sowas wie Import und Export von Waren erfunden hatte. Ich bin sehr zuversichtlich, das die Propaganda es hinbekommt, eine schöne Legende zu stricken: Wenn ich ein Wirtschftssystem als Erfolgsstory verkaufen kann, in dem wie in Deutschland, 10% der Bevölkerung knapp zwei Drittel aller Vermögen besitzt, ein Achtel in Armut lebt bzw, etwa 8 Millionen keinen Job haben -die Hälfte der Jobsuchenden aber einfach wegdefiniert wird- und das seine Freiheit in Afghanistan, Afrika oder sonstwo verteidigen muss, sollte es kein Problem sein, die Schuld am Desaster irgendwie zu „solzialisieren“.
    Jemand hat mal gesagt, dass eine Lüge nur groß genug sein muss, damit sie geglaubt wird.
    Ich hätte nichts dagegen, sich was zu suchen, was besser funktioniert -aber große Hoffnung, das dies wirklich passiert habe ich nicht. Falls ich mich irre helfe ich Sebastian beim organisieren ;-).

  6. ketzerisch sagt:

    3 Stimmen für ein neues Geld. Also ich hätte nichts gegen alternative Geldtypen. Wettbewerb ist gut für die Bevölkerung – das trifft sicher auch beim Geld zu. Freigeld würde ich dabei aber wenig Chancen geben. Dann schon eher dem Regionalgeld. Das gibt es ja schon öfters mal: ein von lokalen Kaufleuten organisiertes Gutscheinsystem ist ja praktisch nichts anderes.

    Mein Favorit wäre aber eine Goldmark (oder Goldeuro). Ein 100% durch Gold gedecktes Papiergeld. Könnte ja auch als Regionalgel starten und dann expandieren.

  7. […] man anfängt zu zittern und Sündenböcke sucht, sollte man aber daran denken, dass der Markt für solche Risikoinstrumente, also der Markt für […]

  8. Daniel sagt:

    Den Schuldigen zu finden ist immer schwer, denn der findet wieder einen neuen Schuldigen…..
    Für viele Sachen könnte man z.B. auch den internationalen Währungsfonds verantwortlich machen!
    Und wie die Börse auf die von den Medien gepushten News reagiert, haben wir ja gesehen.
    Gibt es Anzeichen für eine Erholung?
    Leider haben wir noch keinen Indikator, der das Verhalten der Unerfahrenen untersucht. Aber wenn Bäcker, Taxifahrer, entfernte Verwandte und längst verschollen geglaubte Bekannte Ihnen erzählen, dass sie nun alle Aktien, Fonds und fondsbasierten Lebensversicherungen verkauft haben, weil das doch offensichtlich Teufelszeug sei, ist das zumindest ein Hinweis. Darauf warte ich noch, obwohl sich schon erste gemeldet haben…

    Hier hab ich noch mehr zu Weltwirtschaftkrise und Börse gefunden:

    http://www.sharewise.com/news_articles/3414-MSCIWorld-Chart-Kurse

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