Chavez enteignet Reisfabrik

Die FTD meldet, dass Chavez sich eine US-Reisfabrik angeeignet hat. Per Präsidentendiskret hat er die Verstaatlichung verfügt. Enteignungen attackieren die Grundfesten des menschlichen Zusammenlebens:

In Venezuela hat der linksgerichtete Staatschef Hugo Chávez am Mittwoch per Dekret die Enteignung einer amerikanischen Reisfabrik verfügt. Die Fabrik, die dem US- Lebensmittelkonzern Cargill gehört, habe sich nicht an die von der Regierung in Caracas verfügte Preisbindung gehalten, hieß es zur Begründung. Chávez drohte auch dem größten Lebensmittelproduzenten des südamerikanischen Landes, Polar, mit Enteignung, sollte der Konzern die staatlichen Preiskontrollen nicht befolgen.

Frau Merkel sollte das tunlichst verurteilen. Aber halt. Glaubwürdig wäre das ja nicht, weil das bei uns ja inzwischen auch vorbereitet ist. Bzw. es hat bereits schon durch die Verweigerung von Bezugsrechten bei der Kapitalerhöhung der Commerzbank stattgefunden.

13 Antworten zu Chavez enteignet Reisfabrik

  1. Quotex sagt:

    Der Reis-Preis hat sich im letzten Jahr mehr als verdoppelt,das bedeutet das dieser Vorgang eben nicht eine attacke auf die Grundfesten des menschlichen Zusammenlebens ist sondern eher das Gegenteil.Wenn Nahrungsmittelpreise eine Überlebensfrage werden dann ist jedes Mittel recht.

  2. ketzerisch sagt:

    Es ist durch die Enteignung aber nicht mehr Reis im Land als vorher. Eher im Gegenteil. D.h. diese Maßnahme kann Menschenleben kosten und ist wohl eher im zynischen Sinne eine Überlebensfrage.

    Statt die Reisproduzenten zu schädigen (also diejenigen die ein knappes Gut bereitstellen) sollte Chavez den Armen nötige Geld zum Überleben geben. Aber das gibt er ja lieber für seine Armee und für lateinamerikanische Großmachtsträume aus.

  3. Oxymoron sagt:

    Na ja ich glaube nicht dass die Reisfabrik mit Zig Mrd vom Staat vor dem Bankrott gerettet werden musste, es wird ein gesundes Unternehmen verstaatlicht weil der Staat nicht der Lage ist Inflation einzudämmen. Wozu solche Enteignungen führen weiss man aus der Geschichte, die Produktivität sinkt rapide und das wird vermehrt auf Lebensmittelimporte angewiesen sein.

    Riecht nach Zimbambwe Reloaded.

  4. Quotex sagt:

    Ja,wahrscheinlich wird es nicht mehr Reis geben aber wenigstens bezahlbar.Ob die Produktivität sinkt ist fraglich,das entscheidende ist das sie es selber in der Hand haben.

  5. ketzerisch sagt:

    @Quotex:
    Das die Produktivität sinkt, dass ist nicht fraglich. Dazu gibt es unzählige Studien. Wenn der Preis gedeckelt wird, dann sinkt das Angebot. Wie Oxymoron richtig schreibt: Es muss mehr importiert werden. Die Abhängigkeit von Devisen und damit des Auslands steigt.

    Es bringt nichts, dass „selber in der Hand zu haben“. Die Firma war ja kein Monopolist, der überhöhte Preise gefordert hat. So wird nur das Angebot verknappt und damit steigen die Preise!

  6. ketzerisch sagt:

    @Oxymoron:

    Klar ist die Motivationslage etwas anders gelagert als bei der HRE. Aber wie genau sich die Enteignungsbefugnisse unterscheiden, dass kann ich aber leider nicht überprüfen. Den Text des Rettungsübernahmegesetz habe ich nämlich noch nirgendwo gesehen.

  7. jgrabner sagt:

    Chavez‘ Leistung ist schon bemerkenswert: es ist leicht, ein rohstoffarmes Entwicklungsland zu runieren, aber Venezuela sitzt nicht nur auf einem Ölschatz, sondern hat auch eine recht hohe Entwicklungsstufe erreicht. Korrigere: hatte. Jetzt haben die eine blutsaugende Clique rund um einem Rattenfänger, der sich Robert Mugabe zum Vorbild genommen hat. Einerseits traurig für die Venezolaner, andererseits ein schönes Lehrbeispiel für ECON 101 Vorlesungen im Rest der Welt: how to not run an economy.

  8. Quotex sagt:

    Offensichtlich bist du nicht ganz informiert über die Vorgänge der letzten Jahrzehnte in Venezuela.
    Man muss wissen das Perez ein Land kurz vor einem Bürgerkrieg hinterlassen hat,zudem hat er Venezuela dem IWF ausgeliefert und der IWF gab dem Land den Rest.Hunger,not und Elend waren die Tagesordnung,daran konnte auch der folgende Präsident nichts ändern,bei seinem Abgang lag die inflationsrate irgendwo bei 70%.
    Venzuela hat es wieder aus dem Schuldensumf geschafft,hauptsächlich wegen des hohen Ölpreises der letzten Jahre.Das Chavez ein Fiasko für das Land ist kann man eindeutig verneinen,immerhin hat er Arbeitslosigkeit und Armut halbiert sowie ein staatliches Schulsystem eingeführt.Ebenso hat er die plünderung des Landes durch US Unternehmen eingedämmt was wohl auch der Grund dafür ist das er in der westl. Welt so nieder gemacht wird.

  9. ketzerisch sagt:

    @Quotex

    Habe gerade mal nachgeprüft, was Du behauptest. Folgende Infos sind von der Banco Central de Venezuela:

    Perez verließ 1993 das Amt und hinterließ eine Inflationsrate von ca. 50%. Zudem Unruhen und Hungersnöte, weil in Folge des stark fallenden Ölpreises stark gespart werden musste.

    Die Inflationsrate ging unter Peres‘ Nachfolger Caldera auf 100% hoch, bis er sie auf 25% senken konnte. (Dies wird in Wikipedia übrigens falsch dargestellt)

    Die Inflationsrate sank ab 1999 unter Chavez weiter bis auf 10%, um dann 2002 wieder auf knapp 40% anzusteigen. Hier gab es Gernalstreiks und stark einbrechende Wirtschaftsleistung. Infolge ging die Inflation 2005 wieder bis auf 10% zurück um gleich wieder auf über 30% anzusteigen. Da Chavez für diverse Produkte Preiskontrollen eingeführt hat, kann man davon ausgehen, dass die echte Inflationsrate noch viel höher ist. Er kann sich viel auf die Fahnen schreiben, aber Inflationsbekämpfung sicher nicht.

    Da Chavez nun wie seinerzeit Peres mit eine stark fallenden Ölpreis konfrontiert wird, kann an davon ausgehen, dass wir bald wieder die Hungersnöte sehen werden. Daher ist Venezuela auch ein Top-Kandidat für den Staatsbankrott. Nicht gerade das was ich „Venezuela hat es wieder aus dem Schuldensumpf geschafft“ nennen würde.

    Für den fallenden Ölpreis kann Chavez freilich ebenso wenig wie damals Peres. Aber er hatte die Chance die Abhängigkeit zum Beispiel durch langfristige Abnahmeverträge zu verringern. Oder mit den Einnahmen Kapitalpolster zu schaffen wie Norwegen. Oder andere Wirtschaftssektoren zu stärken. Oder oder oder…

    Aber er hat lieber die Militärausgaben von 0,9% des BIP in 2003 auf 1,5% des BIP in 2005 erhöht.

  10. Quotex sagt:

    Ich hab nie behauptet das Chavez in allem richtig liegt,nur wird oft behauptet das er allein für die Schieflage verantwortlich ist was aber nicht stimmt.

  11. Lemmy Caution sagt:

    sowie ein staatliches Schulsystem eingeführt

    In praktisch JEDEM südamerikanischen Land (auch in Venezuela) gibts seit mindestens Anfang der 60er ein öffentliches Schulsystem und zwar sogar mit freien Schulspeisungen.
    Du verwechselst da etwa. Chavez hat unter großem Tam Tam eine Alphabetisierungskampagne gestartet. Damals konnten aber schon 92% der Venezuelaner lesen und schreiben… Die meisten Analphabeten waren in der Gruppe der über 60-jährigen.
    Während etwa in Ländern wie Chile und Brasilien nachhaltige Anstrengungen zur Verbesserung der öffentlichen Schulbildung stattfinden (u.a. transparent gestützt durch PISA Teilnahme), beklagen sich venezoelanische Lehrer über die Verschlechterung der Situation des Bildungswesens.

    Es rollt zur Zeit eine große Verstaatlichungswelle im Nahrungsmittelsektor. Das hat 2 Gründe:
    a) Chávez möchte den bereits auf Kuba gescheiterten Sozialismus und
    b) man hat einfach nicht mehr das Geld, um so viel Lebensmittel einzuführen wie dies in den Jahren des Ölbooms möglich war.

    Das Land treibt auf eine humanitäre Katastrophe zu. Kaum 6 Monate nach einem Rekord-Ölpreis.

    Übrigens hat nicht nur Norwegen die Zeit hoher Rohstoffpreise zur Bildung eines Polsters genutzt sondern auch Chile ( http://tinyurl.com/d6zqlo )

  12. ketzerisch sagt:

    @Lemmy Caution
    Danke für den Chile-Link. Schön zu sehen, dass es auch noch gut regierte Länder gibt.

  13. Lemmy Caution sagt:

    Hallo ketzerisch,
    das ist natürlich immer relativ. In Chile gibts genug Dinge, die nicht so toll sind. In Deutschland ist ja auch nicht alles gelb.
    Eine von mir geschätzte 1942 geborene Frau hätte ohne das entschlossene Handeln ihrer Tochter in der letzten Woche keinen Krankenhausplatz bekommen… mit einem Hirntumor.
    Nur ist das unendlich viel besser als die völlig unsägliche Regierungszeit von Hugo Chávez.
    Entschieden widerwärtig wird es, wenn gewisse Eurokids wie Quotex sich für Experten halten, nur weil sie chavistische Propaganda konsumieren ohne es zu merken.

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