Ein Sozialdemokrat

Sozialdemokraten sind eine merkwürdige Spezies: Meistens fallen sie durch die vollkommene Abwesenheit von Sinn für die Realität, gepaart mit Traumtänzerei auf. Manchmal mischt sich in diesen Urschlamm des Gefühlsgerechtigekeitssuppe noch eine Prise Populismus. Einen aber gibt es, der ist anders. Der hat Sachverstand, Mut (schlimm, dass es dessen Bedarf) das offensichtliche Auszusprechen, er zeigt klare Kante, und er kann sparen; leider geht er: Thilo Sarrazin. Die Sueddeutsche berichtet über seinen Abschied aus Berlin: Hier eine Aussage, die wir eigentlich von jedem Sozialdemokraten und jedem besonnenen Politiker hören wollen, dem die Armen wichtiger sind als die Eigenkapitalgeber:

Über Opel (Sarrazin: Im Zweifel pleite gehen lassen) und Schaeffler (Sarrazin: „Ich hätte auch geweint“) kommt Rosh endlich zu den millionenschweren Bonuszahlungen an Bankmanager, deren Arbeitgeber Milliardenverluste machen. Sie könne das nicht verstehen, echauffíert sich Rosh. „Was wir denn da jetzt machen können?“, fragt sie.

Und auch darauf hat Sarrazin die einfache und richtige Antwort parat, die sich Populisten wie Herr Wulff mal auf der Zunge zergehen lassen sollen:

„Die, die sich darüber aufregen, zeigen, dass sie nicht wissen, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert.“

und weiter:

Solange der Staat nicht mit eigenem Geld drin ist, könne jeder Aktionär frei bestimmen, wie viel Geld er den Managern seines Unternehmens bezahlt, doziert Sarrazin

Richtig: Vertragsfreiheit. Leider streuen die Kollegen gerne den Bürgern Sand in diue Augen oder fallen mit Ackermannhetze auf. Wir fordern das Seminar „Grundlagen der freien Marktwirtschaft“ verpflichtend für jeden Bundestagsabgeordneten

Lieber Herr Sarrazin, von dieser Stelle aus alles Gute für Ihren neuen Job bei der Bundsbank. Halten Sie die Druckerpresse in Zaum. Ihre VG

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7 Responses to Ein Sozialdemokrat

  1. Zweihänder sagt:

    Jetzt lesen wir uns das in aller Ruhe nochmal durch und überlegen uns, ob das in der Praxis wirklich so läuft, wie Herr Sarrazin „doziert“:

    „Solange der Staat nicht mit eigenem Geld drin ist, könne *jeder* Aktionär *frei* bestimmen, wie viel Geld er den Managern seines Unternehmens bezahlt, doziert Sarrazin“

    Hint:
    ein etwas anspruchsvollerer Begriff von „Vertragsfreiheit“ tut not.

  2. sehrzynisch sagt:

    § 87: AktG
    „Der Aufsichtsrat hat bei der Festsetzung der Gesamtbezüge des einzelnen Vorstandsmitglieds (Gehalt, Gewinnbeteiligungen, Aufwandsentschädigungen, Versicherungsentgelte, Provisionen und Nebenleistungen jeder Art) dafür zu sorgen, daß die Gesamtbezüge in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben des Vorstandsmitglieds und zur Lage der Gesellschaft stehen.

    Der Aufsichtsrat wird von der HV gewählt, auf der jeder normale Aktionär stimmberechtigt ist.

    Sprich: mittelbar ist der Satz schon richtig.

  3. Zweihänder sagt:

    Theorie und Praxis… ;-)

    Wünsche einen guten Nachmittag.

  4. ketzerisch sagt:

    Afaik wird nur das Vergütungssystem von der Hauptsversammlung festgelegt. Die Höhe der Managervergütung wird vom Aufsichtsrat festgelegt. Der einzelne Aktionär hat daher zwei Möglichkeiten, wenn er mit den Vorstandsgehältern nicht einverstanden ist:

    a) Für einen neuen Aufsichtsrat stimmen

    b) Seine Aktien zu verkaufen

    Vielleicht wäre es besser, wenn die Vorstandsgehälter direkt von der Hauptversammlung abgesegnet werden müssen. Schon damit nicht Gewerkschafter, Mitarbeiter, Ex-Vorstände und andere Befangene über das Gehalt entscheiden.

  5. Cangrande sagt:

    „Sozialdemokraten sind eine merkwürdige Spezies: Meistens fallen sie durch die vollkommene Abwesenheit von Sinn für die Realität, gepaart mit Traumtänzerei auf.“

    Ich bin keiner; und auch kein grundsätzlicher Anhänger von denen.
    Trotzdem kann es nicht schaden, die Augen mal auf zu machen und die ideologische Brille, ich will nicht sagen abzusetzen, aber doch ein wenig zu putzen.

    SIE selbst sind es doch, der Wulff kritisiert? Und was haben Sie zum Rüttgers Club von diesem und, z. B. jenem Seehofer zu sagen? Und von von und zu Guttenberg, der hauptsächlich für die Eigentümer insolventer Banken gut ist?
    Oder nehmen sie Frankfurt: die SPD hatte die Stadt in eine gute finanzielle Position gebracht, CDU-OB Walter Wallmann konnte dann den Groß-Mann spielen.
    Oder Schröder? Hat Kohl jemals eine Agenda geschafft?

    Es ist schon merkwürdig in der Politik: leichter ist es, den eigenen Freunden Zumutungen zu machen (vgl. für Frankreich Charles de Gaulle i. S. Algerien; für Hessen Roland Koch i. S. Arbeitszeit Beamte, sowie Gerd Schröder …), als gegen die Gegner (die meist auch einige Freunde in den eigenen Reihen haben) etwas durchzusetzen.

    Also bitte: fair bleiben und kein faktenwidriges SPD-Bashing betreiben‘!

  6. Cangrande sagt:

    Nachtrag:
    Wen ich eigentlich bei den Sozis lobend hervorheben wollte (aber im Gedränge der auf mich einstürzenden Beispiele schließlich vergessen hatte): Peer Steinbrück.

    In seinem Job als Bundesfinanzminister möchte ich keinen von der Union sehen. Oder könnten Sie sich vorstellen, dass etwa ein Rollentausch von Peer Steinbrück mit Angela Merkel segensreich für Deutschland wäre?

  7. sehrzynisch sagt:

    Der Beitrag war eher im Sinne von „mehr Steinbrück, weniger Ypsilanti gemeint.“

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