Update Länderrisiko 27.02.2009

Hier die neuesten Entwicklungen beim Thema Staatsbrankrott. Ich versuche mal ein neues Format. Die vollständige Liste wie immer hier.

USA

Die USA haben ein Rekordstaatsdefizit von 1,75 Billionen Dollar. Dies entspricht 12,5% des Bruttoinlandsprodukts. Obama hat aber Sparmaßnahmen und eine Halbierung des Defizits bis zum Ende seiner ersten Amtszeit angekündigt.

Rang(von) Land Risikoprämie PD
61 (62) USA 92 (-1%) 17%

Euroskeptiker

Island

Der isländische „Klebearsc*“ hat sich nicht halten können. Das isländische Parlament hat ein Gesetz zur Restrukturierung der Zentralbank verabschiedet, mit dem der umstrittene Bankchef David Oddsson seines Amtes enthoben werden soll. Oddsson, der als einer der Hauptschuldigen am Zusammenbruch des isländischen Finanzwesens angesehen wird, hatte zu Beginn des Monats einen von der neuen Regierungschefin Johanna Sigurdardottir geforderten Rücktritt der Führungsriege der Zentralbank abgelehnt.

England und der Euro

Wie schmerzhaft muss es sein, wenn das eigene Pfund gegen eine „Toilettenwährung“ abwertet? Ist die eigene Währung ein Vorteil oder kann nur noch der Euro die Rettung bringen?

Rang(von) Land Risikoprämie PD
8 (9) Island 862 (-2%) 85%
53 (51) Großbritanien 145 (-10%) 25%
54 (56) Schweden 141 (-3%) 25%
57 (58) Dänemark 133 (-3%) 24%

Eurozone

Italien

Ex-Bundesbankchef Karl Otto Poehl hält einen Ausfall eines Eurolandes für möglich. Ex-IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff glaubt an Ausfälle, sobald die Zentralbanken wieder die Zinsen erhöhen. Dann muss Italien 11% zahlen: „I can well imagine that if we don’t have a large sovereign default, we will see some large sovereigns on the brink of it.“

Nationalismus

In Europa verstärken sich die Zentrifugalkräfte. Nationale Egoismen erstarken. Aber wenigstens hat die EU-Kommission gegen Frankreich erfolgreich die Streichung der Standortgarantie als Voraussetzung für zinsgünstige Darlehen an Autobauer erreicht. Am Sonntag ist ein EU-Gipfel. Mal sehen, ob die Länder sich zusammenraufen können. Merkel konnte sich in der Vorbereitung auf den Weltfinanzgipfel mit der Forderung einer stärkeren Finanzaufsicht durchsetzen. Das findet sicher viel Beifall, aber löst leider kein Problem. Insbesondere nicht das akute Refinanzierungsproblem der osteuropäischen Länder.

Deutschland

Nach Peer Steinbrück verspricht auch Merkel Solidarität mit zahlungsschwachen EU-Ländern. Weiß das schon der deutsche Steuerzahler? Ich bin nicht gegen Solidarität, aber die Frage stellt sich schon, ob Deutschland überhaupt genug Kraft hat und helfen kann. Oder ob es nicht so endet.

Die Zeit glaubt jedenfalls, dass Deutschland das kann. Anders kann man die Aufforderung zu helfen nicht verstehen. Dabei scheint in der Argumentation Deutschland die Lösung für alle Probleme zu sein. Die Leute unterschätzen die Krise noch immer. Die Frage ist nicht, ob Deutschland will oder nicht. Die Frage ist, ob Deutschland den Fall der spanischen Immobilienpreise, den Zusammenbruch des irischen Bankensystems und den Kollaps Osteuropas aufhalten kann oder nicht. Und die Antwort ist: Deutschland kann es nicht.

Rang(von) Land Risikoprämie PD
37 (36) Irland 325 (-6%) 49%
44 (44) Griechenland 243 (-3%) 39%
45 (45) Östereich 232 (-3%) 38%
47 (47) Slowenien 219 (-7%) 36%
48 (46) Slowakei 209 (-12%) 35%
52 (49) Italien 177 (-7%) 30%
55 (53) Spanien 140 (-9%) 25%
56 (55) Belgien 137 (-7%) 24%
58 (57) Portugal 128 (-11%) 23%
59 (59) Niederlande 117 (-6%) 21%
62 (61) Frankreich 88 (-5%) 16%
63 (64) Deutschland 85 (-6%) 16%
64 (63) Finland 85 (-7%) 16%
65 (65) Malta* 22 (1%) 4%

Osteuropa

FTD:

Angst, Wut und Enttäuschung machen sich in der Bevölkerung breit. In Litauen, Bulgarien und Lettland kam es schon zu Straßenschlachten zwischen Polizei und Demonstranten, die den Rücktritt ihrer Regierungen forderten. Vorige Woche brach die lettische Regierungskoalition auseinander. „Das war nur der Anfang“, sagt Anders Aslund, Osteuropaexperte des Peterson Institute for International Economy in Washington. „Wir müssen auch in anderen Ländern mit Massenunruhen rechnen.“

Denn die Arbeitslosigkeit explodiert. In Polen wurden im Januar 160.000 Menschen entlassen, die Arbeitslosenquote stieg auf 10,5 Prozent. In Lettland, dessen Wirtschaft 2009 nach pessimistischen Prognosen bis zu zwölf Prozent schrumpfen dürfte, könnte die Arbeitslosigkeit bis auf 20 Prozent steigen.

Auch wer noch Arbeit hat, muss mit Einbußen rechnen: Löhne und Gehälter werden radikal gekürzt. Nicht nur die privaten Arbeitgeber sparen am Lohn: In Lettland und Estland kürzt auch der Staat die Angestelltenbezüge um 10 bis 15 Prozent. „Die Wirtschaft der baltischen Länder befindet sich in der schwierigsten Situation seit 1991“, steht in der Analyse der Swedbank. Und: „Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht.“

Euro-Pegs

Lettland nicht mehr investment-grade. Jetzt BB+ von S&P, also „Junk“-Status. Der bisherige Finanzminister Valdis Dombrovskis soll eine neue Regierung bilden und das Land vor dem Staatsbankrott retten. Die EU hat schon mal eine Milliarde von insgesamt 3,1 Milliarden als Hilfe überwiesen. Die Frage ist also nicht mehr, ob sich die Länder helfen oder nicht. Sie tun es bereits. Auch andere Länder und Institutionen helfen. Die Gnade des frühen Ausfalls spricht für Lettland. Ob alle Länder danach auch noch so viel Hilfe erhalten können?

Rang(von) Land Risikoprämie PD
7 (7) Lettland 940 (3%) 88%
9 (10) Litauen 788 (-4%) 82%
11 (12) Estland 696 (-5%) 78%
16 (17) Bulgarien 574 (-11%) 70%

EI-Osteuropa mit flexiblen Wechselkursen

Osteuropabank stemmt sich gegen Staatenkrise.

Tschechien

Die Immobilienkrise arbeitet sich weiter vor und erreicht nun Tschechien: Die großen Zuwächse wird es auf dem tschechischen Immobilienmarkt zunächst nicht mehr geben. Das Wiener Maklerunternehmen CPB Immobilientreuhand rechnet damit, dass in diesem Jahr 140000 Quadratmeter (qm) Bürofläche neu auf den Markt kommen – 2008 waren es noch 215 000 qm. Die Rückgänge machen sich an erster Stelle in der Hauptstadt Prag bemerkbar, schlechter verlaufen die Immobiliengeschäfte auch in den beiden nächstgrößten Städten Brünn und Ostrau.

Rang(von) Land Risikoprämie PD
13 (11) Rumänien 685 (-7%) 77%
18 (22) Ungarn 549 (4%) 69%
21 (18) Kroatien 516 (-9%) 66%
26 (23) Türkei 459 (-6%) 62%
36 (33) Polen 328 (-14%) 49%
41 (37) Tschechien 283 (-15%) 44%

Nicht-EU

Ukraine: Downgrade durch S&P von B auf CCC+. Die Industrieproduktion ist im Januar im Vergleich zum Vorjahr um 34,1 Prozent eingebrochen. Das BIP schrumpfte im Januar um 20 Prozent. Die ukrainische Währung Griwna hat seit dem Sommer rund 46 Prozent an Wert verloren, mehr als jede andere Währung in Osteuropa. Die Inflationsrate liegt bei 25 Prozent. Ukrainisches Bankensystem steckt in der Währungsfalle: In der Ukraine wirft der drohende Staatsbankrott seine Schatten voraus: Im Gebälk des ukrainischen Banksektors kracht es schon. Besonders der rapide Verfall der Landeswährung macht den Banken zu schaffen, weil viele Ukrainer in Fremdwährung verschuldet sind und nun Kredite ausfallen.

Jede einzelne Bank ist bereits unterkapitalisiert. Um für weitere Krisenszenarien gewappnet zu sein, müssen die Banken ihr Kapital aufstocken – bis Mai. Dies ist auch eine der Vorgaben des Internationalen Währungsfonds für die Ukraine. Für die 17 größten Geldinstitute beträgt der Rekapitalisierungsbedarf, der in sogenannten Stress-Tests eruiert wurde, insgesamt 2,5 Milliarden Euro. Experten gehen davon aus, dass die sieben größten Banken in ausländischem Besitz demzufolge etwa rund 1,4 Milliarden Euro an frischem Kapital benötigen – jede einzelne davon zwischen 160 und 230 Millionen. Die Töchter der östereichischen Banken und der BNP streichen ihr Engagement in der Ukraine zwecks Schadensbegrenzung massiv zusammen.

Rang(von) Land Risikoprämie PD
1 (1) Ukraine 3270 (3%) 100%

Naher Osten

Emirate

Insgesamt wurden in den Emiraten die Hälfte der Bauvorhaben im Volumen von 582 Mrd. Dollar (455 Mrd. Euro) auf Eis gelegt, berichtet die Tageszeitung „South China Morning Post“ – ein Großteil der gestoppten Projekte ist in Dubai. Der Rückzug ausländischer Unternehmen ist ein schwerer Schlag: Die Baubranche erwirtschaftet ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes. Der Wert von Immobilien auf der künstlichen Luxus-Insel Palm Jumeirah für die Reichsten der Reichen ist in den letzten Monaten um 60 Prozent gesunken.

Rang(von) Land Risikoprämie PD
5 (5) Irak* 1625 (0%) 98%
12 (8) Dubai 689 (-24%) 77%
14 (15) Ägypten 656 (-1%) 76%
17 (14) Bahrain 570 (-16%) 70%
20 (20) Libanon 519 (-4%) 67%
30 (25) Abu Dhabi 433 (-11%) 60%
35 (34) Katar 331 (-12%) 50%
39 (42) Israel 292 (2%) 45%
42 (40) Saudi Arabien 274 (-9%) 43%

Asien

Keine Nachrichten

Rang(von) Land Risikoprämie PD
3 (2) Pakistan* 2832 (0%) 100%
6 (6) Kasachstan 1212 (-12%) 94%
10 (13) Russland 729 (0%) 79%
15 (16) Indonesien 636 (-3%) 74%
19 (19) Vietnam 535 (-2%) 68%
27 (28) Phlippinen 449 (-3%) 61%
29 (30) Korea 434 (0%) 60%
38 (39) Thailand 295 (-5%) 46%
40 (41) Malaysia 289 (-2%) 45%
46 (48) China 230 (0%) 38%
49 (50) Neuseeland 190 (12%) 32%
50 (54) Hong Kong 183 (21%) 31%
51 (52) Australien 177 (9%) 30%
60 (60) Japan 103 (-11%) 19%

Afrika

Südafrika

Handelsblatt: Die Finanzkrise hat Südafrika schmerzlich daran erinnert, wie eng seine Wirtschaft und Währung mit der Weltwirtschaft verzahnt sind. Seit Anfang letzten Jahres hat der Rand fast 30 Prozent gegenüber Euro und Dollar verloren; während der größten Panik Ende Oktober beliefen sich die Verluste sogar auf rund 50 Prozent. Sollte Simbabwe nun ebenfalls den Rand einführen, könnte das weitere gravierende Folgen haben.

Rang(von) Land Risikoprämie PD
28 (26) Südafrika 445 (-4%) 61%
33 (35) Marocco 335 (-4%) 50%
34 (38) Tunesien 332 (1%) 50%

Lateinamerika

Keine Nachrichten

Rang(von) Land Risikoprämie PD
2 (3) Argentinien 3073 (12%) 100%
4 (4) Venezuela 2291 (0%) 100%
22 (21) El Salvador 495 (-8%) 65%
23 (24) Kolumbien 486 (0%) 64%
24 (27) Peru 477 (3%) 63%
25 (29) Panama 474 (4%) 63%
31 (31) Brasilien 391 (-7%) 56%
32 (32) Costa Rica 367 (-8%) 53%
43 (43) Chile 263 (-5%) 42%

Generelles

Mancher CDS-Spread einer Bank oder Versicherung ist inzwischen kleiner als der des Sitzlandes. Siehe hier und hier. Da wurden die Risiken und Verluste so gründlich sozialisiert, dass manche gerettete Bank besser dasteht als ihr Retter. Traurige Realität.

Der IWF erwartet, dass er 300 Milliarden Dollar für die Rettung von Staaten in der Weltwirtschaftskrise benötigen wird. Bislang ist er Island, Lettland und der Ukraine beigesprungen. Bezahlen müssen die Länder das Geld am Ende des Tages freilich selbst. Der IWF finanziert sich über Staatsanleihen der teilnehmenden Länder. Japan und Merkel habe bereits Zugesagt neue Mittel bereitzustellen. Die Gelddruckmaschine bleibt an der Leistungsgrenze.

3 Antworten zu Update Länderrisiko 27.02.2009

  1. Kroesus2 sagt:

    Schweiz fehlt (noch).
    „…sind die Einlagen auf Schweizer Bankkonten um insgesamt 1,413 Billionen Franken oder 27 Prozent eingebrochen. Der Anteil bei den Einlagen von Ausländern machte sogar 29 Prozent oder 882 Milliarden Franken aus.“
    Es ist allerdings unklar, ob dieser Einbruch nicht durch Kursverluste verursacht war.

  2. ketzerisch sagt:

    @Kroesus2:

    Danke. Es ist wirklich schade, dass ich keine Daten zur Schweiz bekommen. Aber noch ein beruhigender Hinweis: Die Goldvorräte pro Einwohner sind in der Schweiz von allen Ländern die höchsten. Ganze 137 Gramm im Gegenwert von 3000 Euro lagern in den Kellern der Nationalbank. Klingt wenig? Das ist der beste Wert aller Länder – mit Abstand.

  3. sghantha sagt:

    this century generation is different ,what happens in 10 years remains to be seen

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