Die Sicht eines Historikers

Manchmal sind es die anderen Diziplinen, die einen klaren Blick auf die eigene haben. In einem Interview mit der FAZ äußert sich der britische Historiker Niall Ferguson zur Weltwirtschaftskrise. Er stellt u.a. fest:

Die Einrichtung einer riesigen staatlichen Bad Bank ist vorerst abgesagt worden. Wird sie doch noch kommen?

Die Bad Bank existiert doch schon. Es ist die Fed, die besonders seit September wie eine Bad Bank agiert. Brauchen wir noch eine Bad Bank, um die Fed zu entlasten, damit nicht zu offensichtlich wird, dass die Fed ein Abladeplatz für Giftpapiere geworden ist? Das Problem mit einer separaten Bad Bank ist die Bewertungsfrage für die Papiere, die sie kaufen würde. Keiner weiß, was diese Papiere noch wert sind. Wenn die Banken effektiv insolvent sind, dann sollten sie besser in staatlichen Besitz überführt werden.

Das ist richtig, die Fed hat im Zuge der Geldmengenausweitung Commercial Papers als Sicherheiten akzeptiert. In der FED-Bilanz (die aktuelle gibt es hier ) schlummern mittlerweile über 300 Mrd. US$ an solchen Anleihen eingebucht zum Nominalwert. Wenn die Zahlungsströme ausbleiben, oder die Werte abgeschreiben werden müssen, ist klar, dass niemand diese Papiere von der FED haben möchte und sie nicht geeignet sind, durch einen verkauf die Geldmenge zu reduzieren. Was darauf folgt möchte man sich nicht ausmalen.

Weiterhin stellt Ferguson fest:

Die Rettungspakete bringen auch die Staaten an die Grenze ihrer Möglichkeiten. Sehen Sie die Gefahr von Staatsbankrotten?

Es gibt die Gefahr einer Explosion öffentlicher Schulden. Das Staatsdefizit im laufenden Jahr könnte auf 1,5 Billionen Dollar hochgehen. Billionen-Dollar-Defizite über einige Jahre werden den Schuldenberg auf eine Höhe wachsen lassen, die man seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen hat. Wir erleben momentan die finanziellen Symptome eines Weltkriegs – ohne den Krieg. Wer jetzt in Regierungsanleihen investiert, tut dies in einer gefährlichen Zeit.

Das Risko von Anleihen sind Staatsbankrott und Hyperinflation, deshalb sind die Autoren dieses blogs in Gold.

Ach ja, der letzte Absatz des interviews unkommentiert:

Sehen Sie auch die Gefahr einer Welle protektionistischer Maßnahmen?

Das wäre das Albtraumszenario – eine komplette Wiederholung der Geschichte und ein Zusammenbruch der Globalisierung. Das schlimmste Szenario wäre, wenn die Konjunkturprogramme den Finanzbedarf der Staaten so stark erhöhen, dass sie sich nur noch über die Zentralbanken finanzieren können. Die Fed druckt immer mehr Geld, der Dollar wertet ab, es gibt Streit darüber. Dann fordert die öffentliche Meinung protektionistische Maßnahmen, Zölle – es folgen Handelskriege wie in den dreißiger Jahren.FRAGE:

Wie realistisch ist dieses Szenario?

Die Wahrscheinlichkeit dafür schätze ich auf mehr als 50 Prozent.

Bei der derzeitigen Politikergeneration nicht unwahrscheinlich.

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