Immer auf die Kleinen: Die Welt gegen die Schweiz

In der Welt ist Kapital knapp geworden. Die Staatsquoten der Länder steigen in ungekannte Höhen. Da wächst der Druck auf die Schweiz und andere Steueroasen mit den Steuerbehörden der Hochsteuerstaaten zusammenzuarbeiten. Insbesondere die USA und Deutschland bauen Druck auf. Auf dem G20-Treffen soll ein Bündnis gegen die Schweiz geschmiedet werden; Daher wurde dieser selbst ein Beobachterstatus verwehrt.

Die Schweiz hat von den hinterzogenen Geldern ausländischer Anleger jahrzehntelang gut gelebt. Möglich machte dies vorallem die Unterscheidung zwischen „Steuerhinterziehung“ und „Steuerbetrug“; wobei nur im letzteren Fall Amtshilfe gewärt wurde. Die meisten Gelder sind freilich nur hinterzogen und so konnten sich die deutschen Steuersünder in der Schweiz sicher fühlen.

Der Leser dieses Blogs wissen, dass wir keine Freunde hoher Staatsausgaben sind. Aber wir sind stark dafür, dass sich die vorhandenen Regeln für alle gelten. Wenn in Deutschland also so absurde Steuersätze gelten, dann müssen sie auch von allen bezahlt werden. Es kann nichts sein, dass die Armen im Land Steuern zahlen müssen, während die Reichen diese vermeiden. Wer das Steuersystem nicht mag, der soll auswandern oder eine Partei wählen, die ihm die Steuern senkt.

Bedauerlicherweise war Steuerhinterziehung in der Vergangenheit sehr einfach. Das führte dazu, dass Steuern nur die Ehrlichen und die Dummen zahlten und nicht alle. Das ist weder gerecht noch langfristig tragfähig.

Wenn nun die die Möglichkeiten zur Steuerhinterziehung verringert werden, so ist das per se zunächst zu begrüssen. Es erhöht die Gerechtigkeit und es kann sogar – bei gegebenen Staatsausgaben – zu geringeren Steuersätzen führen. Freilich ist die Reduktion der Steuerhinterziehung durch Druck auf die Schweiz und andere Steueroasen nicht die beste aller Möglichkeiten zur Reduktion der Hinterziehung. Besser wäre es das Steuersystem zu vereinfachen, Ausnahmen abzuschaffen und unsinnige Staatsausgaben zu senken. Dann würden die Politikern jedoch ihre Lieblingsspielzeuge verlieren. Also streiten die lieber mit dem Nachbarn.

Presse-Scan zum Thema:

NZZ: London will das Bankgeheimnis schleifen: Gordon Brown strebt am G-20-Gipfel ein Abkommen gegen Steueroasen an

SPON: Schweiz stellt Bankgeheimnis in Frage

Tagesanzeiger: Unehrliche Kunden haben wir nicht nötig

7 Antworten zu Immer auf die Kleinen: Die Welt gegen die Schweiz

  1. mds sagt:

    Gordon Brown strebt am G-20-Gipfel ein Abkommen gegen Steueroasen an

    Die meisten Steueroasen sind unter Kontrolle der britischen Krone. Wieso benötigt Brown also ein solches Abkommen?

  2. ketzerisch sagt:

    Der Punkt ist wohl, dass die Briten sich nicht an Ländern mit niedrigen Steuern stören, sondern nur an solchen, die bei der Steuerhinterziehung keine Amtshilfe leisten. Ich nehme an, dass die Briten von ihren eigenen Steuerparadisen stets Amtshilfe erhalten.

  3. MacMacken sagt:

    Ich nehme an, dass die Briten von ihren eigenen Steuerparadisen stets Amtshilfe erhalten.

    Du nimmst falsch an, ansonsten gäbe es diese Pirateninseln längst nicht mehr.

  4. ketzerisch sagt:

    Hmmm, nee. Mein Gefühl lag richtig:

    „[Britische] Kanalinseln: [Bankgeheimnis] Nicht Gesetzlich geregelt, aber strenges Gewohnheitsrecht, schützt nicht bei Steuervergehen.“

    Interessant ist aber Gibraltar:

    „[Bankgeheimnis:} Gesetzlich geregelt. Die Trafiking
    Ordiance verlangt bei Verdacht auf illegale Quellen die
    Offenlegung von Geldtransfers und Konten. Rechtshilfe
    bei Fiskaldelikten nur bei Großbritannien.“

    Man darf also hinterziehen, aber bitte nicht Großbritannien.

    Quelle:
    http://www.lernen-im-internet.de/Schwarzes_Brett/Infos_pdf/Flucht_des_Geldes_ins_Ausland.pdf

  5. […] ist die Schweiz. Sie darf saher am Gipfel auch nicht teilnehmen. Der Leser mds stellte die gute Frage: “Die meisten Steueroasen sind unter Kontrolle der britischen Krone. Wieso benötigt Brown […]

  6. mds sagt:

    @ketzerisch: Danke für die Recherche! Ich werde mich bei Gelegenheit auch noch um dieses Thema kümmern … letztlich ist aber klar, dass viele Mitspieler auch eine Chance sehen, ihre Vorstellung einer neuen Weltordnung zu etablieren.

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