Schweizer Franken in Gefahr

Leider haben wir in unserer Länderrisikoliste keine Daten für die Schweiz. Ähnlich wie Österreich droht die Schweiz stark von dem Abschwung in Osteuropa betroffen zu sein. Vielleicht sogar nocht mehr, denn viele der osteuropäischen Kredite sind in Franken ausgestellt. Durch die Aufwertung des Franken gegenüber den Ostwährungen droht eine hohe Ausfallquote.

Der Tagesanzeiger schreibt:

In Polen, Ungarn und Kroatien ist der Schweizer Franken zur wichtigen Fremdwährung geworden – sozusagen zum Dollar Osteuropas. Tausende Haushalte und Unternehmen haben Franken-Kredite aufgenommen. Warum?
Das rasante Wachstum in vielen Ländern Osteuropas wurde durch Kredite in Schweizer Franken angekurbelt. Schweizerische Banken und Offshore-Institute haben den dortigen Banken Franken geliehen, die diese an ihre Kunden weitergaben. Die Kredite waren attraktiv, weil die Kreditnehmer viel tiefere Zinsen zahlen mussten als bei Krediten in der jeweiligen Landeswährung.

Nun ist dieses System ins Wanken gekommen.
Ja, das System hat nur so lange funktioniert, wie die Wechselkurse zwischen Franken und diesen Währungen einigermassen stabil waren. Das ist aber zurzeit nicht mehr der Fall: So haben der ungarische Forint und der polnische Zloty in den letzten Wochen gegenüber dem Franken über ein Drittel an Wert verloren. Wegen der Abwertungen der Landeswährungen haben sich die Schulden gegenüber der Schweiz um mehr als einen Drittel gesteigert. Viele der osteuropäischen Länder haben ernste Zahlungsschwierigkeiten und stehen quasi vor dem Staatsbankrott.

Was bedeutet das für die Schweiz?
Es ist anzunehmen, dass ein beträchtlicher Teil der insgesamt 200 Milliarden Dollar Osteuropa-Kredite in Schweizer Franken ausgestellt wurden. Gemäss einem Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sind weltweit Franken-Kredite im Gegenwert von rund 675 Milliarden Dollar im Umlauf – davon wurden etwa 150 Milliarden direkt von der Schweiz, 80 Milliarden von Grossbritannien sowie rund 430 Milliarden Dollar über Offshore-Finanzzentren vergeben. Wieviele dieser Kredite faul sind, ist nicht bekannt. Doch schon wenn die Ausfallrate 20 Prozent beträgt, würden die Banken viel Geld verlieren.

Da rechnen wir mal kurz: 20% mal 150 Milliarden macht 30 Milliarden. Dazu kommt bestimmt noch ein Teil der Kredite aus den Offshore-Bereich. Sagen wir mal ca. ein Viertel der o.g. Zahl wieder mal 20%. Macht eine Verlusterwartung von ca. 60 Milliarden für das Schweizer Bankensystem. Alles andere als schön, weil das ja auch nicht der einzige Verlustbringer sein dürfte.

[..]

Das heisst?
Der Schweiz droht wie Island der mögliche Staatsbankrott. Eine Folge davon wäre, dass die schweizerische Währung massiv an Wert verlieren könnte, möglicherweise sogar crasht. Eine andere wäre, dass die Schweiz in ihrer Kreditfähigkeit massiv zurückgestuft würde. Das wäre ein Trauma für das Land: Die Schweiz galt immer als Hort der Stabilität. Der Franken könnte zu einer instabilen Weichwährung werden.

Bis hier hin geht es ja noch, aber jetzt kommt es dicke:

Dann würde die Schweiz vielleicht gezwungen sein, den Franken aufzugeben und den Euro zu übernehmen.

Kann es eine größere Bedrohung geben, für die stolzen Helvetier? Im Ernst, die Lage für die Schweiz sieht nicht rosig aus. Aber die Eurozone und damit der Euro hat auch ein Problem mit Osteuropa. Und auch die Risikoprämien der Mittelmeerstaaten bringen den Euro in Gefahr. Schwer zu sagen, wer da besser rauskommt; Euro oder Schweizer Franken.

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3 Responses to Schweizer Franken in Gefahr

  1. Roman Keller sagt:

    Gefährdet sind vor allem Länder, welche sich in Fremdwährung verschuldet haben, also Island, Ost-Europa etc. = Schuldner in Währungen die sie nicht selber drucken können.

    Die Schweiz ist hier 1) nicht Schuldner, sondern Gläubiger, 2) und dazu in eigener Währung (die sie also beliebig drucken kann, auch wenn man damit eine Inflation riskiert). Der Vergleich mit Island hinkt hier deshalb gewaltig… Bitte vorher etwas nachdenken.

  2. ketzerisch sagt:

    Ich habe ja auch nicht die Zahlungsfähigkeit der Schweiz in Frage gestellt, sondern nur den Wert des Schweizer Franken. Wie Du selber schreibst, besteht die Möglichkeit einer Inflation.

    Der Vergleich mit Island kommt nicht von mir, sondern vom Tagesanzeiger. Ich schließe den Artikel damit, dass ich den Franken für ungefähr gleichgefährdet halte wie den Euro.

    Der Artikel ist schon ein Jahr alt. Der Wechselkurs ist heute auch tatsächlich wie damals 1,4645 zu 1,4869.

  3. Roman Keller sagt:

    Schwer zu sagen welche Währung gefährdeter ist… Der Franken ist ja bekanntlich auch nicht mehr goldgedeckt.. Andererseits könnte bei einer Dollar- oder Euro-Flucht der Franken rapide ansteigen, was den Inflationskräften entgegenwirken würde.

    Hier in der Schweiz gibts jedenfalls viele Gold-Bugs.. ;-)

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