Opel: Staatseinstieg ist teuer

Die Politik macht sich weiter Sorgen um die Arbeitsplätze bei Opel. Eigentlich eher um ihre eigene Wiederwahl, aber aus Sicht eines Politikers ist das in ersten Näherung dasselbe. Die neuste Idee ist es, dass Opel von GM getrennt wird und dann der Staat bei Opel einsteigt. Eine schlechte Idee.

Der Automarkt hat krasse Überkapazitäten. Das bedeutet anders ausgedrückt, dass irgendwo auf der Welt jemand aufhören muss Autos zu produzieren. Am besten macht das die Firma, deren Autos am wenigsten von den Weltbürgern gewünscht werden. Eine solche Firma bekommt schnell das Problem, dass es keinen Investor mehr finden wird, der auch nur einen Cent da reinstecken will. In diesem Wettbewerb um den Kundenwunsch hat GM im Allgemeinen und auch die GM-Marke Opel ein Problem. Schön zusammengefasst von der Titanic:

Vier Gründe gegen eine Rettung von Opel

Vier Gründe gegen eine Rettung von Opel

Aber auch neben der verfehlten Modellpolitik spricht einiges gegen einen Rettung von Opel – mit oder ohne Staatseinstieg. Es ist nämlich so, dass dadurch zwangsläufig ein Großteil des Geldes bei der Mutter GM landen wird. Mich stört dabei weniger, dass GM ein amerikanisches Unternehmen ist, als vielmehr dass es ein Fass ohne Boden ist. Bevor man denen Geld gibt, dann kann man es wirklich besser verbrennen. So wird es wenigsten warm und es gibt keine Inflation.

Der neuste Dreh ist es, eine Trennung von der GM-Mutter anzustreben und dann steigt der Staat ein. Kurz ausgedrückt. GM soll die Marke Opel plus die Fabriken and den deutschen Staat verkaufen. Das kann nicht klappen. Zwar ist eine gesellschaftsrechtliche Trennung von Opel und GM möglich, aber eine wirtschaftliche Trennung wohl kaum. Opel bezieht eine Reihe von Bauteilen, Lizenzen und anderen Leistungen von GM. Auf diese wäre Opel auch dann angewiesen, wenn GM nicht mehr die Mutter ist. Nun kann sich jeder Ausmalen, was passiert wenn Deutschland Eigentümer von Opel wäre: GM würde sofort drastisch die Preise erhöhen und Deutschland muss zahlen. Der Staat wäre sogar ein denkbar leichtes Opfer für GM, denn die Politiker sind erpressbar. Kein Politiker würde jemals zugeben, dass der Staatseinstieg (oder auch irgendeine andere seiner Handlungen) ein Fehler war. Das wäre politischer Selbstmord. Da ein Konkurs von Opel nach Staatseinstieg aber ein eben solche Eingeständnis wäre, kann GM die Preise auch weit über jede wirtschaftliche Vernunft hinaus erhöhen – Deutschland würde trotzdem zahlen.

Aber zur Wiederwahl in 2009 könnte es reichen…

7 Antworten zu Opel: Staatseinstieg ist teuer

  1. nissanfan sagt:

    Also keine Rettung von Opel, mit oder ohne Staatseinstieg. Was ist dann mit den tausenden Arbeitern, die deswegen vielleicht ihren Job verlieren?

  2. ketzerisch sagt:

    Da gibt es leider keine Patentlösung. Eine Insolvenz von GM wäre für Opel sicher das beste. Dann könnte der Insolvenzverwalter Opel sauber separieren und verkaufen.

    Wichtig ist, dass der Staat zahlungsfähig bleibt, damit er die Arbeitslosen auffangen kann.

  3. […] von Opel und GM ist nicht möglich ist. So war es schon vor zwei Wochen in Verlorene Generation zu lesen. Dies ist unter anderem so, weil Opel z.B. gar keine Lizenzen an notwendigen Patenten hält. […]

  4. […] Politiker gegen Opel Wir waren noch nie ein Freund einer Rettung von Opel durch den Staat. Der Erhalt von Überkapazitäten auf dem Automobilmarkt […]

  5. […] auf 4,5 Milliarden aufgestockt werden soll. Damit wird wohl leider das Eintreten, wovor ich schon von Anfang an gewarnt habe: Zwar ist eine gesellschaftsrechtliche Trennung von Opel und GM möglich, aber eine […]

  6. Tempovision sagt:

    1. Es gibt nur einen Retter für die Arbeitsplätze bei Opel, den Endverbraucher, der das Zeugs kauft. Und da die Regierung nichts unversucht läßt, den Endverbraucher knapp bei Kasse zu halten, wird es auch für Opel nicht bergauf gehen, so wie beim Rest der Wirtschaft, über der nicht gerade die Gieskanne schwebt.

    2. Immer wieder schön, wie das ordnungspolitische Mantra nach Gusto gehandhabt wird. Arcandor, Opel, HRE – mal lässt man’s sausen, mal am Arm zappeln, mal buttern man rein. Und da hat angeblich noch irgendjemand eine Linie? Komme mir keiner mit systemrelevant, der mir nicht eine Definition in einem Bundesgesetzblatt zeigen kann…^^

    3. „Aber zur Wiederwahl in 2009 könnte es reichen…“ Nur dafür. Es gibt keinen anderen Grund. Parteien denken in Machtkategorien, Politiker in Legislaturperioden. Punkt aus. Der Rest ist Wunschdenken. Falls die Opelaner noch etwas in ihrem Sinne rücken wollen: ab sofort 4 Wochen campen vor dem Reichstag mit Totalblockade. Irrsin, aber alles andere wäre ein lau vorbeiziehendes Lüftchen…

  7. […] gescheitert – GM behält Opel Wir waren von Anfang an kein Freund der Opel-Rettung mit Staatshilfe. Insofern ist der Staatseingriff mit dem Scheitern des Magna-Deals noch glimpflich […]

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