Die Rolle der CDS im Weltuntergang

„Credit Default Swaps (CDS) sind Teufelszeug“. So oder ähnlich liest man es dieser Tage immer wieder in der Presse und auch in der Blogosphäre. Verteufelt wird das Produkt dabei in erster Linie von Leuten, die gerade gelernt haben, dass es so etwas überhaupt gibt. Dabei ist das dahinter liegende Geschäft (eine Kreditgarantie) sicher 2000 Jahre oder mehr alt; neu ist nur die Standardisierung und die Einbettung in moderne Methoden des Derivatehandels, wie das Margining.

So schlimm sind die CDS, dass sie jetzt unbeding reguliert werden müssen. Dabei unterliegt die Politik gleich zwei Fehleinschätzungen: CDS seinen gefährlich und CDS sind aktuell unreguliert. Beides stimmt nicht.

Warum die CDS nicht gefährlich? Das ist die falsche Frage. Die richtige Frage lautet: Warum sollten sie gefährlich sein? Eine Partei A garantiert einer Partei B für die Schulden von Partei C aufzukommen, sollte Partei C eine Anleihe nicht fristgerecht bedienen. Das hat beispielsweise die Bundesrepublik Deutschland jahrelang für die Landesbanken und andere Staatsunternehmen getan. Und sie tut es jetzt sogar für die Privatbanken ohne, dass jemand aufschreit die Stabilität des Finanzsystems sei dadurch gefährdet.

Wenn ich eine Wohnung miete und keine Kaution hinterlegen will, dann kann ich zur Bank gehen und die Kautionssumme von der Bank gegenüber dem Vermieter garantieren lassen. Das ist nicht verwerflich und es destabilisiert auch nicht das Bankensystem. Es ist einfach ganz normal.

Das Problem mit den CDS sind nur die Summen die damit gehandelt werden. Aber auch hier gilt: Die könnten auch mit jedem anderen gleichartigen Produkt gehandelt werden. Bei den CDS fällt es nur auf, weil es ein Standardprodukt ist und man daher die Geschäfte zwischen unterschiedlichsten Kontrahenten vergleichbar macht und sie leicht zu einer Gesamtsumme zusammenfassen kann.

„Die Summen sind so groß, dass eine Bank davon bankrott gehen kann, daher ist das schlecht für die Stabilität des Finanzsystems“, so eine gängige Argumentation. Das ist richtig. Eine Bank kann an CDSen Pleite gehen. Aber eine Bank kann auch aus 1000 anderen Gründen Bankrott gehen. Zumbeispiel in dem es als total sicher geltende Staatsanleihen hält wie die Hypo Real Estate. Das Problem sind nicht die CDS und nicht die Staatsanleihen, sondern der Anspruch, dass eine Bank nie Pleite gehen darf. Ein Finanzsystem muss so strukturiert werden, dass auch mehrere Banken pleiten gehen können, ohne dass dies gleich zum Zusammenbruch allen Wirtschaftslebens führt.

Das eine Bank an CDSen Pleite geht ist übrigens gar nicht so wahrscheinlich. Der Grund: Die Banken treten im CDS-Markt eher als Versicherungskäufer auf. Verkäufer von Versicherung sind typsicherweise Versicherungsgesellschaften oder Fonds. Wenn also jemand wegen CDSen pleite geht, dann eher letztere. So gesehen bei AIG.

Fazit:

CDS-Probleme sind hochgehypt. Das Produkt an sich ist völlig in Ordnung. Man kann es natürlich missbräuchlich verwenden, nämlich dann wenn man Versicherungsverkäufer ist und weiß dass man die Versicherungsleistung im Fall der Fälle sowieso nicht erbringen kann. AIG hat es vorgemacht. Hier ist die Politik gefragt einen solchen „Versicherungsbetrüger“ auch mal Bankrott gehen zu lassen.

Was viele bei der CDS-Thematik zusätzlich übersehen ist das Margining. Versicherungskäufer wie -verkäufer müssen Barsicherheiten auf ein Konto hinterlegen, wenn der Deal gegen sie läuft. Daher hatte die Lehman-Pleite auch kaum Auswirkungen auf den CDS-Markt, obwohl Lehman einer der größten CDS-Kontrahenten überhaupt war. Gefährlich ist da eher der Anleihenmarkt, der ein Abbild des übermäßigen Kreditwachstums ist.

Update 07.02.2009:

Ein prima Artikel mit dem gleichen Tenor hier. Er enthält auch eine detaillierte Beschreibung über die Funktionsweise von CDS.

Update 13.02.2009:

Ein besonders ahnungsloser Beitrag bezahlt von unseren Gebühren lief in der ARD.

5 Antworten zu Die Rolle der CDS im Weltuntergang

  1. du schreibst

    „neu ist nur die Standardisierung und die Einbettung in moderne Methoden des Derivatehandels, wie das Margining.“

    gerade die „nicht“ einbettung ist das problem. das ist ein unregulierter markt. es sind keine margins notwendig. daher konnten hier hebel eingesetzt werden, die das systemische risiko vervielfachten. wenn jemand versicherungsleistung verkauft und das geld nicht hat ist das schlicht betrug, nur nennen das banker riskmanagment, da sie tolle formeln haben, die ausrechneten wie wahrscheinlich es ist dass….. und nun? es hat sich ja gezeigt das die formeln nicht funktionieren.

    gruss
    eachtradingday

  2. ketzerisch sagt:

    Natürlich kann man *theoretisch* auch CDS ohne Margins betreiben, wenn beide Kontrahenten einwilligen. Allerdings habe ich das in der freien Wildnis noch nie gesehen. CDSe fallen immer, wie alle anderen Derivate auch, unter die Collateral- und Netting-Verträge. Manchmal sehen diese Verträge ein Margin-Verzicht vor, solange ein Kontrahent AAA-Rating hat. So war es wohl bei AIG. Aber selbst die mussten Barsicherheiten hinterlegen sobald das Rating futsch war.

    „wenn jemand versicherungsleistung verkauft und das geld nicht hat ist das schlicht betrug“

    Stimmt. Aber das hat ja auch keiner gemacht. Keine Versicherung kann garantieren, dass sie immer zahlungsfähig ist. Hier unterscheidet sich das ökonomisch nicht von einem Darlehensnehmer, der natürlich auch nicht sicher sein kann, dass er das Darlehen auch zurückzahlen kann. Ist er deswegen ein Betrüger? Nein, Risiko gehört zum Geschäft.

    Aber im Gegensatz zum Darlehen entsteht dem Versicherungsnehmer (Darlehengeber) beim CDS nicht notwendigerweise ein Schaden, denn er kann auf die Barsicherheiten auf dem Margin-Konto zugreifen. Geschädigt werden durch exzessives Risiko nur die eigenen Kapitalgeber. Es sei denn der Staat springt ein, aber das ist eine andere Geschichte.

    Es gibt viel, dass in der Welt falsch läuft – CDSe gehören nicht dazu. Übermäßiges Risiko kann man auch mit jedem anderen Produkt eingehen. Bei CDSe entsteht dem Kontrahenten wenigstens in der Regel kein Schaden und das Risiko wird früher aufgedeckt.

  3. decoien sagt:

    Hallo Ketzerisch,
    ein schöner sachkundiger Artikel über CDS. Habe ihn trotz des Backlinks erst heute gelesen.

    Ich denke auch, dass die CDS-Probleme hochgehypt sind. Vielmehr sollte man darüber nachdenken, sie transparenter zu machen und die Informationen auch breiter zur Verfügung zu stellen.
    Freue mich auf weitere Beiträg
    decoien

  4. […] der ARD Das Medien die Gefahren der CDS gnadenlos übertreiben, dass hatte ich schon einmal geschrieben. Ein besonders ahnungsloser Beitrag bezahlt von unseren Gebühren, der schon vor einiger Zeit […]

  5. […] Der IWF fordert Lettland, Rumänien, Ungarn auf schnell den Euro einzuführen. […]

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