Wenn die Politik einen Kommentar verweigert…

… dann ist oft was dran an der Sache. Aktuell verweigert die Politik einen Kommentar auf die Frage, ob die Commerzbank und die Hypo Real Estate eine gemeinsame Bad Bank mit Staatshilfe gründen wollen. Es sieht nicht gut aus für Deutschland.

Spiegel-Online:

Das Ringen um das beste Bad-Bank-Konzept ist um einen Krisenplan reicher: Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge erwägen Commerzbank und Hypo Real Estate eine gemeinsame Abwicklungsstelle für faule Kredite. Die Regierung soll eingeweiht sein, will die Meldung aber weder dementieren noch bestätigen.

Die Commerzbank prüft offenbar die Auslagerung von mehreren Milliarden Euro an riskanten Papieren ihrer Tochter Eurohypo in eine Bad Bank. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere Insider.

Das mit hohen Abschreibungen kämpfende Institut soll dabei auch ein gemeinsames Vorgehen mit der angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) in Erwägung ziehen. „Es wird im kleinsten Kreis sondiert, ob man sich an einer Bad-Bank-Lösung für die Hypo Real Estate beteiligt“, sagte ein Insider. Die krisengeplagte HRE-Tochter Depfa habe in etwa die gleiche Portfoliostruktur wie die Eurohypo, wodurch sich hohe Synergien erzeugen lassen könnten.

Wieso Synergien? So ein Quatsch. Die größten Kosten einer solchen Bad Bank ist das Risiko des Kapitalverlusts. Ob der Betrieb der Bank eine Millionen mehr oder weniger kostet ist doch völlig unerheblich, wenn Milliarden im Feuer stehen. Wenn schon solche Pseudoargumenten verwendet werden, dann soll doch etwas vertuscht werden. Ich bin gespannt wie der Spin lauten wird.

Überlegungen über ein gemeinsames Vorgehen von HRE und Commerzbank sollen mit der Bundesregierung abgestimmt sein. Die Commerzbank und die Bundesregierung haben die Meldung gegenüber SPIEGEL ONLINE weder bestätigt noch dementiert.

Zwei souveräne Banken müssen so ein Vorgehen mit der Bundesregierung nicht abstimmen, es sei denn die soll auch was zahlen oder garantieren (was das Gleiche ist). Ich glaube nicht, dass die Bundesregierung nur um Erlaubnis gefragt wird, wegen der Sperrminorität bei der Commerzbank.

Die Überlegungen, eine gemeinsame Bad Bank zu schaffen, widersprechen den Einschätzungen vieler Ökonomen, Finanzexperten sind bislang eher davon ausgegangen, dass jedes Institut bei Bedarf eine eigene Bad Bank schaffen wird.

In der vergangenen Woche hatten allerdings schon die „Financial Times Deutschland“ und Reuters von einem Arbeitspapier des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) berichtet, in dem die deutschen Privatbanken eine mit Staatsgarantien ausgestattete gemeinsame Abwicklungsstelle vorgeschlagen.

Na klar. Jeder Vorschlag der Banken wird immer an irgendeiner Stelle Steuergeld beinhalten. Denn ohne sind die Banken ja pleite. Nur wird der Vorschlag nicht besser, wenn man ihn öfters wiederholt oder anders verpackt. Es sollen Verluste sozialisiert werden. „Die Kosten einer Bankpleite wären höher“ ist doch totaler Quatsch. Für die Eigentümer und Kreditgeber der Bank vielleicht. Aber für die Allgemeinheit nicht.

Bei einer klassischen Bad Bank parkt ein Institut seine faulen Kredite an einem zentralen Ort und muss diese dadurch vorerst nicht in der Bilanz abschreiben. Sinn dieses Konstrukts ist es, die derzeit wertlosen Papiere zu einem späteren Zeitpunkt gegebenenfalls wieder mit Gewinn verkaufen zu können.

Die Bundesregierung debattiert derzeit über eine solche Bad-Bank-Lösung. Die genauen Konditionen stehen allerdings noch nicht fest. Unklar ist beispielsweise noch, inwieweit der Staat dafür einsteht, dass ausgelagerte Papiere zu einem späteren Zeitpunkt doch noch abgeschrieben werden müssen.

Wenn der Staat nicht einstehen muss, so werden die Banken pleite gehen. Denn dann hat sich nichts an der Überschuldung geändert. Angesichts dieser Zukunft würden die Banken dann auch keine Kredit vergeben, weil sie diese nicht refinanzieren können. Ergo: Das verschlimmert das Problem, weil die Schockstarre des Finanzsystems länger anhält. Wenn der Staat einstehen muss, so kann er auch gleich alles auf seine Bücher nehmen und ehrlich zugeben, dass er die Verluste sozialisiert.

[..]

Die Auslagerung von Wertpapieren des Staats- und Immobilienfinanzierers Eurohypo, die derzeit besonders unter Druck stehen und zu Abschreibungen in der Commerzbank-Bilanz führen, haben Insidern zufolge hohe Priorität für Martin Blessing. Angeblich hat der Bankchef sogar schon Berater von McKinsey engagiert, die das Geschäft neu organisieren sollen. „Wenn Blessing die Papiere nicht loswird, dann bekommt er die Bank nicht mehr richtig auf die Beine“, zitiert Reuters einen Insider.

Analysten sehen in der Eurohypo eines der größten Risiken für die Commerzbank – neben der Integration der kürzlich gekauften Dresdner Bank, die stark am Kapitalmarkt engagiert ist. Die Eurohypo hat nach eigenen Angaben ein Kreditportfolio von über 200 Milliarden Euro, etwa die Hälfte davon sind Staatsfinanzierungen.

Vor allem Staatsanleihen bereiteten der Bank zurzeit Kopfschmerzen, hieß es in den Kreisen. Die Bonitätsnoten einzelner Länder wie Spanien oder Russland wurden von Ratingagenturen herabgestuft, Irland könnte bald folgen. Das hat zur Folge, dass derzeit die Kurse für Anleihen solcher Länder in den Keller rauschen, was wiederum zu Abschreibungen in den Bankbilanzen führt.

Spätestens hier wird es völlig absurd: Die Staaten verlieren ihre Bonität, weil sie immer größere Hilfspakete für immer größere Teile des Bankensystems schnüren. Die Folge: Den Banken geht es schlechter, weil ja die Bonität der Staaten gesunken ist.

Liebe Politiker, bitte gesteht euch noch rechtzeitig ein, dass einfach kein Wert da ist.  Ihr könnt das hin- und herbuchen wie ihr wollt. Ihr könnt es inflationieren oder deflationieren. Ihr könnt es garantieren oder verbadbanken: Der Kaiser hat gar keine Klamotten an.

Einer geht bankrott: Entweder die Banken oder die Bürger. Mir fällt die Wahl dabei nicht schwer. Und das sie Euch schwer fällt ist schon enttäuschend genug. Wieso habe ich das dumme Gefühl, dass Ihr Euch falsch entscheiden werdet?

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