Käufliche Presse

Nein, keine Angst. Unser Blog ist nicht käuflich, wir schalten ja nicht einmal Werbnug. Über die Mainstream-Medien kann man das aber nicht gerade sagen. Bekannterweise wurden schon mal Zeitung mit der Aufkündigung von Werbeverträgen unter Druck gesetzt. Aber das war halb so wild: Jetzt steigen die Staaten groß ein – und ich rede nicht wieder von Russland.

Eine gute Figur hat die Presse sowieso nicht gemacht in der Finanzkrise. Erst bemerkt sie die Krise viel zu spät.Dann schreien sie nach mehr und größeren Konjunkturpaketen und mobben die falschen Leuten; insbesondere der Spiegel führt ein Privatfehde gegen Steinbrück. Dann erkennen sie erst spät, dass die wahre Gefahr von den Kreditrisiken und Staatsbankrotten ausgeht. Aber das könnte alles noch schlimmer kommen, wenn sich folgender Prozess verstärkt:

In den USA erwägt der Gouverneur vor Pennsylvania ein staatliche Rettung von zwei grossen Zeitungen. In Frankreich hat Präsident Nicolas Sarkozy 600 Millionen Euro für die Unterstützung von Medien bewilligt.

Die Zeiten sind hart, auch für Zeitungen. Internet und Gratisblätter haben das Geschäft verdorben, der Konjunktureinbruch die Inserenten vergrault. Für viele Zeitungen wird es eng. Einigen droht sogar der Bankrott. Dazu gehören der «Philadelphia Inquirer» und die «Philadelphia Daily News». Ihr Besitzer Brian Tierney hat die beiden Tageszeitungen vor gut zwei Jahren erworben und sich dabei massiv verschuldet. Jetzt kann er diese Schulden nicht mehr bedienen und ist technisch gesehen bankrott. Was aber Banken und Autoherstellern recht ist, ist dem Verleger Tierney billig. Er wandte sich an den Gouverneur von Pennsylvania, Ed Rendell. Er suchte um staatliches Geld nach. Der Magistrat liess durchblicken, dass eine staatliche Unterstützung der todkranken Zeitungen denkbar sei.

In den USA sind verschiedene Zeitungen in der Notfallstation oder bereits im Koma. Zu den jüngsten Opfern zählt die Tribune Company («Chicago Tribune», «Los Angeles Times»). Sie hat Insolvenz beantragt, genauso wie die «Minneapolis Star Tribune».

Die Zeitungen werden dann wohl besonders kritisch über Staatshilfen berichten. Bevor sie Staatshilfen erhalten, werden sie diese auch nicht mehr kritisieren aus Angst die eigenen Hilfe zu gefährden. Danach auch nicht mehr, weil es wenig glaubwürdig wäre und die Hilfen erfahrungsgemäß in dieser Krise immer nur bis zum nächsten Quartal reichen.

Die europäischen Zeitungen befinden sich in einer ähnlich misslichen Lage. In Frankreich hat deshalb Präsident Nicolas Sakozy beschlossen, die Medien mit 600 Millionen Euro zu unterstützen.

Das wundert wenig. Sarko macht für gute Schlagzeilen bekanntlich alles.

In Grossbritannien treten neuerdings russische Oligarchen nicht nur als spendable Mäzene von Fussballclubs, sondern auch als Eigentümer von Traditionstiteln auf. Der «Evening Standard» wurde soeben von Alexander Lebedew erworben. Er will seinen Sohn als Geschäftsführer einsetzen. Lebedew war einst beim sowjetischen Geheimdienst KGB tätig und hat seine Milliarden auf obskure Art während der Jelzin-Ära verdient.

Also Artikel wie diesen oder diesen werden im «Evening Standard» dann nicht mehr zu lesen sein.

Die freie Presse gilt nach wie vor als Bannwald der Demokratie. Ist dieses Zeitungs-Waldsterben eine Gefahr für die Gesellschaft? Präsident Sarkozy begründet seine 600-Millionen-Unterstützung explizit mit dem Demokratie-Argument. Die These, wonach der freie Markt immer weniger in der Lage sei, Qualitätsjournalismus zu finanzieren, wird auch bei Journalisten und Wissenschaftlern immer beliebter. «Wieviele Blogs oder Gratiszeitungen leisten sich teure Büros im Ausland oder Fachjournalisten für eine eigenständige Recherche?», fragen sie besorgt. Der deutsche Philosoph Jürgen Habermas hat deshalb schon vor Jahren eine staatliche Unterstützung für Qualitätszeitungen gefordert.

Das Argument von Habersmas ist ein Zirkelschluss. Wer soll den festlegen welches Blatt ein Qualitätsblatt ist? Der Staat? Der wird wohl kaum Blätter aussuchen, die ihn ständig kritisieren. Freie Presse kann nur unabhängig vom Staat sein.

Liberale Kreise sehen in der Unterstützung von Staat und Oligarchen genau das Gegenteil, den Untergang der freien Presse. Sie befürchten, dass sich subventionierte Zeitungen leichter gängeln lassen, sei es vom Staat oder von dubiosen Tycoons.

Stimmt. Dabei muss die Gängelung nicht mal direkt erfolgen. Es reicht ja, wenn die Journalisten wissen, dass sie in einem Abhängigkeitsverhältnis sind. Und so macher Pressetycoon hat ja auch aktive Vorgaben zu den journalistischen Grundlagen gemacht.

So, bleibt zu sagen: Wir werden keine Staatsgelder annehmen. Aber uns wird sicher auch keiner welche anbieten…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: